Bertelsmann-Patron Reinhard Mohn - der Patriarch aus Gütersloh ist tot

Er machte Bertelsmann vom Provinzverlag zum Mediengiganten. Nun ist Reinhard Mohn im Alter von 88 Jahren gestorben.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Er war eine Legende des deutschen Unternehmertums, einer wie Neckermann oder Grundig. Seine Großtat war, einen nach dem Krieg zerstörten Gütersloher Verlag zu einem der größten Medienkonzerne aufgebaut zu haben - das schaffte Mythen und Meriten.

Starb im Alter von 88 Jahren: Reinhard Mohn

(Foto: Foto: dpa)

So stieg Reinhard Mohn, der Patron von Bertelsmann, zu einer Königsfigur der Managerlandschaft auf - jener Mann, dem es immer um den "Königsweg" gegangen war, der lange Zeit im Betreiben von Buchclubs bestand. Am Samstag ist Mohn, der "gute Mensch von Gütersloh", wie er in einem TV-Porträt vor Jahrzehnten gewürdigt wurde, im Alter von 88 Jahren gestorben.

Schon vor einigen Jahren hatte er einen Schlaganfall erlitten. Seine zweite Frau Elisabeth ("Liz") Mohn zog nun die Strippen. Reinhard Mohn aber kam weiterhin, für wenige Stunden, in sein Büro. Mittags zog er mit einem Tross enger Mitarbeiter in die Kantine, um vor seinen Mitarbeitern Präsenz zu zeigen. "Kontinuität" war eine seiner Lieblingsvokabeln, gefolgt von "Partnerschaft" und "dezentraler Führung".

Mohn hatte den Konzern von 1947 bis 1981 geleitet und zu einem Mediengiganten gemacht. In den achtziger Jahren war Bertelsmann weltweit die Nummer eins. Der Ostwestfale steht für eine beispiellose Erfolgsgeschichte und eine der ungewöhnlichsten Unternehmerkarrieren im Deutschland der Nachkriegszeit. Er repräsentierte zusammen mit seiner Ehefrau Liz Mohn die fünfte Generation der Unternehmer- und Stifterfamilien Bertelsmann und Mohn.

Gunter Thielen, Vorstandschef der Bertelsmann Stiftung und Aufsichtsratschef der Bertelsmann AG, sagte zum Tode Mohns: "Mit ihm verliert Deutschland und die Welt eine herausragende Persönlichkeit, die Wirtschaft und Gesellschaft der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt hat."

Reinhard Mohn wurde am 29. Juni 1921 in Gütersloh geboren. Nach Kriegsgefangenschaft und Buchhändlerlehre übernahm er 1947 die Leitung des familieneigenen Druck- und Verlagshauses, des C. Bertelsmann Verlags.

Später kamen zum Vertriebs- und Verlagsgeschäft die Industrie- und Dienstleistungsbetriebe, das Zeitschriftengeschäft (Gruner + Jahr) und schließlich das Fernsehen (RTL) hinzu.

1977 gründete Mohn die Bertelsmann Stiftung. Die Mehrheit des Aktienkapitals der Bertelsmann AG ließ er 1993 auf die Bertelsmann Stiftung übertragen, die heute mit 76,9 Prozent größter Aktionär ist.