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Bericht des Finanzministeriums:Deutsche Wirtschaft verliert an Schwung

Noch geht es der deutschen Wirtschaft erstaunlich gut, die Steuereinnahmen sprudeln weiter kräftig. Doch das Finanzministerium zeigt sich in seinem jüngsten Monatsbericht plötzlich etwas pessimistischer. Das Wachstum soll sich zuletzt abgeschwächt haben.

Der griechische Staat ist faktisch pleite, das spanische Bankensystem am Rande des Zusammenbruchs und das Vertrauen in den Euro erschüttert: Es steht nicht gut um Europas Wirtschaft. Doch die deutsche Wirtschaft konnte sich in diesem Durcheinander erstaunlich gut halten. Bislang. Doch nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums hat die deutsche Wirtschaft im Frühjahr an Fahrt verloren. Die aktuellen Daten deuteten darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni etwas niedriger ausgefallen sei als im ersten Quartal, erklärte das Ministerium in seinem Monatsbericht. Auch die Bundesbank hatte zuletzt von einer schwächeren Dynamik im zweiten Quartal gesprochen.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen gehen mittlerweile davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Zeitraum nur noch um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zugelegt hat - nach einem Wachstum von 0,5 Prozent zum Jahresauftakt.

"Vielleicht Vorboten einer erfreulichen Entwicklung im Jahr 2013"

Das vor wenigen Tagen veröffentlichte Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) macht ebenfalls wenig Hoffnung. Der Indikator, für den das ZEW 273 deutsche Analysten und institutionelle Anleger befragte, sank im Juli den dritten Monat in Folge. ZEW-Präsident Wolfgang Franz erläuterte zwar, dass der Rückgang nicht mehr so stark war wie in den Monaten zuvor. "Vielleicht sind das Vorboten einer erfreulichen Entwicklung im Jahr 2013", sagte Franz. "Dennoch dürfen die Risiken nicht kleingeschrieben werden", fügte er hinzu.

Die Arbeitslosenzahl ist nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit dreimal hintereinander saisonbereinigt leicht gestiegen. Außerdem ging die Arbeitskräftenachfrage zurück - wenn auch auf hohem Niveau.

Mehr Steuern

Stabilisierend auf die deutsche Konjunktur wirkt laut Ministerium dagegen die Inlandsnachfrage. "Sie ist die wichtigste Stütze des Wirtschaftswachstums in Deutschland." Denn im Verlauf des Jahres sei nur mit einer relativ schwachen Exportdynamik zu rechnen, während die Ausgaben der Verbraucher sich weiter positiv entwickeln dürften.

Aus Sicht des Staates ist erfreulich, dass die Steuereinnahmen im Juni nochmals gewachsen sind. Bund und Länder nahmen dem Bericht zufolge 7,5 Prozent mehr Steuern als im Vorjahresmonat ein. Für das erste Halbjahr 2012 ergab sich damit ein Anstieg um insgesamt 4,4 Prozent. Im Mai noch waren die Steuereinnahmen erstmals seit langem rückläufig - und zwar deutlich mit 4,3 Prozent.

Allerdings waren für dieses Minus nach Angaben des Ministeriums technische Gründe maßgebend. Hintergrund war die Umstellung bei der Abführung von Steuern auf Dividenden. Dieser Effekt konnte aber inzwischen offensichtlich aufgeholt werden. Insgesamt flossen Bund und Ländern im Juni mehr als 57 Milliarden Euro in die Kassen. Für den Zeitraum von Januar bis Juni waren es gut 268 Milliarden Euro.

© Südddeutsche.de/Reuters/dapd/olkl/hgn

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