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Bauamt:Massiver Personalmangel bei den Bauämtern

Baustelle

Viele Städte haben Personal abgebaut, das nun dringend benötigt wird.

(Foto: dpa)
  • Die Arbeit in Deutschlands Bauämtern verteilt sich auf immer weniger Mitarbeiter.
  • Viele Städte haben in der Vergangenheit Personal abgebaut, das nun dringend benötigt würde, sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
  • Das sei ein Grund dafür, dass die Prüfung von Bauanträgen oft lange dauere und weniger Straßen, Brücken und städtische Gebäude geplant werden.

Wer jüngst etwas umbauen oder anbauen wollte, der hat es vielleicht schon gemerkt: Bis das Bauamt die Genehmigung erteilt, können Monate ins Land gehen. In vielen Behörden stapeln sich die Anträge, weil in Zeiten niedriger Zinsen fleißig gebaut wird. Doch die Arbeit in Deutschlands Bauämtern verteilt sich auf immer weniger Mitarbeiter, berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach ist die Zahl der Beschäftigten, die Bauanträge prüfen und städtische Bauten planen, von 1991 bis 2011 um etwa 35 Prozent zurückgegangen. Bis 2015 wurden, mit neuer Zählweise, weitere neun Prozent des Personals abgebaut.

Zwar ist der Stellenabbau etwa in Ostdeutschland nachvollziehbar, weil dort weniger Straßen, Brücken und Gebäude geplant werden als direkt nach der Wiedervereinigung. Zudem wird die Bauverwaltung immer digitaler und effizienter. Doch den Personalstatistiken zufolge haben auch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein ihre Bauämter stark ausgedünnt.

Das DIW sieht den Personalmangel als einen Grund, warum Städte und Gemeinden nicht mehr Geld für neue Brücken und Schulen ausgeben können. Obwohl die Kommunen großen Bedarf sehen, hat der Anteil ihrer Investitionen am Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr bei 0,8 Prozent stagniert. "Die jährlichen Investitionen sind deutlich niedriger als der jährliche Verschleiß", sagt DIW-Ökonom Claus Michelsen. "Die kommunale Infrastruktur veraltet somit mehr und mehr."

Zwar hat der Bund vor zwei Jahren einen Investitionsförderungsfonds für finanzschwache Kommunen aufgelegt, der inzwischen sieben Milliarden Euro umfasst. Doch die Städte haben bis Ende 2016 nur 146 Millionen Euro abgerufen. "Das geht maßgeblich auf Engpässe in den Verwaltungen und einen Auftragsstau bei den Baufirmen zurück", sagt Michelsen: Entweder fehlt es an städtischen Planern oder an günstigen Bauarbeitern. Oder an beidem.

Der Deutsche Städtetag bestätigt, dass sich viele Kommunen schwer tun, genug Bewerber für ihre Planungsämter zu finden. Auch Bauunternehmen suchen derzeit Fachkräfte, weil sie so viele Aufträge haben wie seit 17 Jahren nicht mehr. "In den Städten gibt es einen starken Willen, zu investieren", sagt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Städtetags. Doch weil die Kommunen immer höhere Sozialausgaben haben, bleibe weniger Geld für Investitionen übrig. Der Personalabbau in den Planungsämtern sei eine Folge dieser Entwicklung.

Unternehmen müssen bis zu drei Jahre auf Genehmigungen warten

Für den Bau neuer Wohnungen ist der Personalmangel ein "Flaschenhals", sagt Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungsunternehmen (GdW). "Die Zeit, die vergeht, bis man die Baugenehmigung für ein Grundstück bekommt, ist häufig viel zu lang." Bis zu drei Jahre müssen Wohnungsunternehmen warten - zu lange, um effektiv bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, kritisiert Gedaschko. "Die Bauämter benötigen deutlich mehr Personal, um schnellere Verfahren auf den Weg bringen zu können."

Auch Beamtenbund und Tarifunion (DBB) warnen, der Personalmangel im öffentlichen Dienst beeinträchtige "an allen Ecken und Enden" die Leistungsfähigkeit der Verwaltung. "Davon ist natürlich auch die Bauverwaltung betroffen", sagt DBB-Bundesvorsitzender Klaus Dauderstädt. In den nächsten Jahren ständen im öffentlichen Dienst viele Pensionierungen und Verrentungen bevor. Deshalb sollten Bund, Länder und Gemeinden mehr Geld in Ausbildung und Nachwuchsförderung investieren, fordert Dauderstädt.

Das DIW regt an, eine staatliche Infrastruktur-Gesellschaft könnte Städte und Gemeinden künftig bei Baumaßnahmen und deren Planung beraten. Ziel müsse sein, dass mehr finanzschwache Kommunen Zugang zu Investitionsgeldern erhalten. Das DIW fordert seit Längerem, Deutschland sollte mehr Geld in die Infrastruktur investieren. Dann hätten auch Bauunternehmen einen Anreiz, ihre Kapazitäten zu erhöhen.

© SZ vom 15.03.2017/vd
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