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Bahnindustrie:Leise Sohlen für laute Züge

Lärmschutztag der Deutschen Bahn

Güterzug am Lärmschutztag 2014 im Rangierbahnhof München Nord.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Die Bahnindustrie bittet die Bundesregierung um einen Innovationsbonus für leise Güterzüge.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Gut ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland fühlt sich durch Lärm auf Eisenbahnschienen belästigt. Viele Anwohner an stark befahrenen Trassen klagen vor allem über unerträglich laute Güterzüge. Alle sind sich deshalb im Prinzip einig: Der Güterverkehr auf der Schiene muss leiser werden. Der Nationale Verkehrslärmschutzpaket II sah bereits 2008 vor, den Schienenlärm bis 2020 zu halbieren. Doch die Umrüstung der Waggons und Lokomotiven läuft schleppend.

Die Bahnindustrie, der solche Investitionen neue Aufträge bescheren würden, fordert die Bundesregierung jetzt auf , wie bei der Abwrackprämie für Autos den Umbau und Neukauf von Güterwagen und Lokomotiven stärker zu fördern. Dabei ließe sich mit wenig Geld viel erreichen und die Akzeptanz für Güterzüge wieder verbessern, sagte Axel Schuppe, Geschäftsführer der Bahnindustrie in Deutschland (VDB).

Dem Verband schwebt dabei neben den Zuschüssen für die Umrüstung von Güterwagen auf leise Bremssohlen ein "Innovationsbonus" vor. Ihn soll es für die Neuanschaffung von leisen Güterwaggons und Lokomotiven geben. Das Geld soll aber nur fließen, wenn zugleich alte Modelle verschrottet werden. Die Kosten liegen nach den Berechnungen des VDB im unteren dreistelligen Millionenbereich. Dies entspreche den Subventionen der Bundesregierung für den Kauf emissionsarmer Lastwagen in Höhe von knapp 200 Millionen Euro.

Die Bahnindustrie fordert außerdem von 2020 an wirksame Sanktionen gegen laute Güterwagen. Diese stattdessen langsamer fahren zu lassen, bringe nichts, weil dann andere, leisere Güterzüge das gleiche Tempo fahre müssten.

Die Bahnindustrie wünscht sich auch in anderen Bereichen mehr staatliche Unterstützung. Martin Lange, Präsident des VDB, wies daraufhin, dass in China der Marktgigant CRRC entstanden sei, der inzwischen auch in den USA Aufträge erhalte. Dabei gelte häufig die Regel: "Aufträge bekommt, wer die Finanzierung mitbringt." Hier habe der chinesische Großkonzern verglichen mit deutschen Konkurrenten Vorteile, weil seine Angebote durch "schier unerschöpfliche staatliche Finanzmittel" gedeckt seien. Der VDB spricht sich daher dafür aus, staatliche Exportgarantien für große Aufträge, etwa in der Finanzierung von Infrastruktur, auszuweiten. Die Bahnindustrie macht mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

Generell vermisst der Verband ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Schienenverkehr. So gibt es einen Koordinator für die maritime Wirtschaft oder für die Luft- und Raumfahrt. Für den Eisenbahnsektor fehle jedoch solch ein Ansprechpartner in der Regierung, sagte Lange. "Es reicht nicht, wenn Bundesverkehrminister Dobrindt sagt, wir könnten uns an ihn wenden."

© SZ vom 21.10.2015
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