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Augsburger Aktienbank:Vor Verkauf

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Wenn eine Immobilie verkauft werden soll, sieht man das meist auch an der Fassade. Sollen Banken verkauft werden, geschieht dies diskreter.

(Foto: imago stock&people)

Die Versicherungsgruppe LVM aus Münster hatte die Bank 2002 übernommen. Jetzt will sie sich offenbar von ihr trennen.

Von Herbert Fromme, Köln

Der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM) verhandelt nach SZ-Informationen mit Interessenten über den Verkauf der Tochtergesellschaft Augsburger Aktienbank (AAB). Bislang soll es mindestens zwei Bieter geben. Der LVM wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Verhandlungen gibt es wohl seit mehreren Monaten. Aber dem Versicherer fällt es offenbar nicht leicht, einen Käufer zu finden, der seinen Preisvorstellungen entgegenkommt. Die AAB sei ein Nischenanbieter mit mehreren Nischen, und ein idealer Käufer müsste ebenfalls in diesen Nischen tätig sein, hieß es in Branchenkreisen.

Die Bank hat keine Filialen, sondern konzentriert sich auf die Fondsverwaltung für Finanzvertriebe und Vermögensverwalter. Aktuell verwahrt das Unternehmen, das eine Bilanzsumme von 3,2 Milliarden Euro hat, Wertpapiere für 13 Milliarden Euro. Außerdem ist es über Tochtergesellschaften im Leasing und in anderen Dienstleistungen aktiv.

Ob nach einem möglichen Verkauf der Standort Augsburg und die 377 Arbeitsplätze erhalten bleiben, ist bislang offen, hieß es. Für Kaufinteressenten seien vor allem die 320 000 Kundenbeziehungen und die Verträge mit den Vermittlern attraktiv, nicht so sehr die technische Plattform.

Der LVM hatte die Bank 2002 von der Allianz übernommen. Der Konzern ist bundesweit einer der größten Kfz-Versicherer und auch als regionaler Anbieter in anderen Sparten erfolgreich. Mit der Übernahme wollten die Münsteraner damals diversifizieren und in die Lage kommen, für die Vertreter eigene Fonds anzubieten.

Doch die Bank ist nur mäßig erfolgreich. 2018 meldete sie einen Verlust von 3,6 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 2,9 Millionen Euro. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. Außerdem bindet die AAB vergleichsweise viel Kapital, und Fonds könnten die Vertreter der LVM auch für Drittanbieter verkaufen. Jetzt will sich der Versicherer wohl von der Bank trennen. Vor 20 Jahren suchten viele Versicherer Beteiligungen an Banken. Wegen hoher Anforderungen an die Eigenmittel und der engen Aufsicht ist das kaum noch attraktiv.

Die AAB ist die älteste Direktbank Deutschlands, sie wurde 1963 gegründet. Das Unternehmen hat eine Reihe von Besitzerwechseln hinter sich. Bis 1988 gehörte es zu 100 Prozent der Harald Quandt Holding. Dann stieg der Rückversicherer Swiss Re ein. Dessen Anteile erbte 1995 die Allianz, als sie die Swiss Re-Tochter Vereinte Versicherung übernahm. 1997 kaufte die Allianz der Quandt-Holding auch die übrigen 50 Prozent ab, der neue Name war Allianz Vermögensbank. Doch nachdem die Allianz 2001 die Dresdner Bank übernommen hatte, passten die Augsburger nicht mehr ins Konzept, die Bank ging 2002 an den LVM

© SZ vom 09.03.2020
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