bedeckt München 26°

Altersvorsorge:Der Staat als Fondsmanager

In Schweden legt der Staat für seine Bürger Geld an, wenn sie sich nicht für ein Produkt eines privaten Anbieters entscheiden. Ein Modell für Deutschland?

Von Felicitas Wilke

In Schweden legen nicht nur die Fondsgesellschaften das Geld der Bürger an, sondern auch der Staat. Er macht vielversprechende Firmen und Märkte ausfindig und investiert weltweit - möglichst breit gestreut, wie es die Börsenweisheit vorsieht. Das scheint gut zu gelingen: Ali Masarwah, der als Analyst bei der Agentur Morningstar Fonds bewertet, postete kürzlich eine Grafik bei Twitter, die zeigt, dass die Rendite des Staatsfonds AP 7 in den vergangenen Jahren hoch war. Teils sehr hoch. Im Jahr 2014 lag sie bei sensationell anmutenden 31 Prozent, mal auch nur bei 6,6 Prozent. Doch stets übertraf sie den MSCI-World-Index, der vielen passiven Indexfonds zugrunde liegt.

Der Staat als der bessere Investor für die Altersvorsorge seiner Bürger? In diesen Tagen diskutieren die Fondsbranche, Versicherer, Verbraucherschützer und die Politik wieder lebhafter darüber, ob ein Staatsfonds auch für die Altersvorsorge der Deutschen sinnvoll sein könnte. Von der Riester-Rente in ihrer bisherigen Form profitiere vor allem die Finanzlobby, kritisieren Verbraucherschützer schon länger. Es müsse vielmehr ein "bedarfsgerechtes" Vorsorgeprodukt her, das frei von Eigeninteressen sei. Ein Staatsfonds, argumentieren sie, könne das leisten.

Zum Beispiel nach schwedischem Vorbild: Wenn Anleger sich nicht aktiv für einen privaten Fonds entscheiden, fließt ein Teil ihres Bruttogehalts dort automatisch in einen staatlichen Fonds. Die Verwaltungsgebühren sind mit 0,15 Prozent pro Jahr deutlich geringer als bei Produkten privater Anbieter - denn der Staat muss daran anders als die Unternehmen nichts verdienen. Kein Wunder, dass die Fondsbranche nichts von dem potenziellen Konkurrenten hält. "Ein staatlicher Vorsorgefonds würde den Wettbewerb verzerren", findet der Chef des Deutschen Fondsverbands BVI, Thomas Richter. Sein Verband argumentiert, dass ein Fonds mit "einem staatlichen Gütesiegel" einen Vertrauensvorschuss genieße und geringere Marketing- und Vertriebskosten hätte. Zudem bezweifelt Richter, dass ein Staatsfonds tatsächlich günstiger wäre. Denn es müssten auch "diejenigen Kosten eingerechnet werden, die aus Steuermitteln und nicht direkt vom Anleger getragen werden."

Der Verbraucherschützer Niels Nauhauser hingegen plädiert schon lange für einen Staatsfonds. "Wenn die Bürger wüssten, dass das Geld vom Staat ohne finanzielle Eigeninteressen investiert wird, schafft das Glaubwürdigkeit", sagt er - und könne auch die Deutschen für Aktien begeistern. Man müsse aber sicherstellen, dass der Staat das Geld nicht anlegt, um politische Ziele durchzusetzen.

Tatsächlich sagte der CDU-Politiker Kai Whittaker kürzlich dem Handelsblatt, dass man mit der sogenannten Deutschlandrente "einen großen Investor" hätte, "der deutsche mittelständische Unternehmen kaufen kann, bevor es die Chinesen tun". Solche Aussagen seien "gefährlich", findet Nauhauser. Sobald die Politik den Eindruck erwecke, dass es um ihre Interessen geht, "ist die Glaubwürdigkeit dahin". Deshalb müsse man gesetzlich sicherstellen, "dass nur Verbraucherinteressen die Anlagepolitik bestimmen", sagt er.

Ob und wann die "Deutschlandrente" kommt, ist bislang völlig offen. Allerdings hat die hessische Landesregierung einen Antrag im Bundesrat dazu vorgelegt, in dem sie für ein solches Konzept wirbt.

© SZ vom 05.04.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite