bedeckt München

Aldi: Expansion in den USA:Shoppen auf deutsch

Mit ein wenig Verspätung könnte Aldi nun sein Glück in den USA doch noch finden. Die wirtschaftliche Lage lässt viele Verbraucher noch genauer auf den Preis schauen - und da kann es die deutsche Discountkette problemlos mit dem mächtigen Platzhirsch Wal-Mart aufnehmen. Im Durchschnitt seien Lebensmittel bei Aldi um zehn bis 15 Prozent billiger als beim Marktführer. Derzeit baut die deutsche Handelskette einem Bericht des Wall Street Journals zufolge sogar für 40 Millionen Dollar ein Vertriebszentrum nahe der Großstadt Dallas. Damit sollen künftige Standorte in Texas und Oklahoma beliefert werden. Für Wal-Mart ist dies eine regelrechte Kampfansage. Denn gerade in diesen Bundesstaaten ist der Handelskonzern stark vertreten.

Leichte Abstriche am Konzept

Helfen könnte Aldi auch ein Sinneswandel der US-Verbraucher. Während bislang vor allem Größe und Vielfalt zählten, haben die Amerikaner inzwischen entdeckt, dass ein Großeinkauf in einer Mega-Mall durchaus eine sportliche Herausforderung darstellt. Wal-Mart hat bereits reagiert und unter dem Namen Marketside kleinere Shops eröffnet. Eine ähnliche Strategie verfolgt auch der Handelskonzern Tesco mit seiner Kette Fresh&Easy - allerdings können es beide Handelsketten preislich nicht mit Aldi aufnehmen.

Auch deshalb spricht Deutschlands führender Discounter derzeit vor allem Großfamilien und die Unterschicht an, sagt Handelsanalyst Queck. Doch künftig soll auch die zahlungskräftigere Käuferschicht ihre Einkäufe bei Aldi erledigen. Dafür duldet die Billigkette sogar Abstriche am Konzept. Höhere Decken, breitere Gänge und eine ansprechendere Produktpräsentation sollen dem deutschen Konzern endgültig zum Durchbruch in den USA verhelfen. Aldi selbst wollte sich auf Anfrage von sueddeutsche.de zu den US-Plänen nicht äußern.

Ob der Vorstoß des Discounters Erfolg haben wird, ist schwer abzuschätzen. Doch Aldi denkt bei solchen Investitionen langfristig, sagt Analyst Queck - und der große US-Markt bietet noch viele Möglichkeiten. "Das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft", sagt Queck. Somit stelle sich auch nicht die Frage, ob Aldis Expansion in den USA eine Erfolgsgeschichte wird. "Wichtiger ist die Frage, wie lange sich Wal-Mart das gefallen lässt."