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Aktivist Bono:"Wir schleichen nach Bethlehem"

SZ: Das klingt ja beinahe hymnisch. Hat Merkel Ihre Erwartungen wirklich zu hundert Prozent erfüllt?

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Bono zu Besuch im Bundeskanzleramt

Bono: Nicht zu hundert Prozent. Aber sie hat dafür gesorgt, dass Deutschland auf den rechten Weg zurückfindet und seine Versprechungen gegenüber Afrika tatsächlich einhält.

SZ: Und was hat nicht geklappt?

Bono: Was Merkel trotz aller Mühen nicht gelungen ist, ist auch die Länder zum Umkehren zu bewegen, die in die falsche Richtung marschieren. Aber wahrscheinlich waren meine Ansprüche an sie an dieser Stelle auch einfach zu hoch.

SZ: Sie haben die Kanzlerin in diesem Jahr mehrfach getroffen. Aber hat der G-8-Vorsitz auch die normalen Bürger in Deutschland dazu gebracht, sich stärker mit dem Thema Afrika zu befassen?

Bono: Das ist das, was mich am meisten begeistert hat. Wir hatten ja vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm ein Data-Büro in Berlin eröffnet, von dem wir damals noch nicht wussten, ob es nach dem Treffen wieder geschlossen wird. Tatsache ist, dass es das Büro immer noch gibt und wir mehr Mitarbeiter eingestellt haben, weil das Interesse der Menschen so groß ist. Ich habe bei meinen Besuchen in diesem Jahr ein ganz neues Deutschland kennengelernt - ein Deutschland, das mir sehr sympathisch ist. Die Deutschen hätten Grund genug, sich unter Verweis auf ihre eigenen Probleme beim Thema Afrika zurückzuhalten. Aber sie tun es nicht: Und das ist wichtig, auch weil wir ein Gegengewicht zu China brauchen, das derzeit ganz Afrika okkupiert.

SZ: Die Kanzlerin und die Deutschen ziehen also an einem Strang?

Bono: Es bewegt sich etwas in Deutschland, das spürt man regelrecht. Und es wird politisch geführt. Als John F. Kennedy 1963 ankündigte, bis zum Ende des Jahrzehnts den ersten Menschen zum Mond zu schicken, hatte er vorher keine Meinungsumfragen in Auftrag gegeben. Er führte, und die Menschen folgten ihm. JFK also brachte die Menschheit auf den Mond - und Angela Merkel könnte diejenige sein, die sie wieder auf die Erde holt, um hier unsere Probleme zu lösen: Malaria, Aids, mangelnde Bildung vor allem von Mädchen, Klimawandel.

SZ: Beim Gipfel in Heiligendamm waren viele Entwicklungsorganisation aber mächtig verärgert über die Ergebnisse, die die Kanzlerin präsentierte. Der Tenor war: Hier wird Geld versprochen, das in der Vergangenheit auf die ein oder andere Weise schon fünf Mal versprochen worden war. Alter Wein in neuen Schläuchen sozusagen.

Bono: Das stimmt für die G8 insgesamt, aber nicht für Deutschland. Deutschland hat nicht betrogen, das lässt sich am Bundeshaushalt ablesen. Betrogen haben andere, Frankreich etwa oder Italien. Bei einem meiner Treffen mit den Regierungschefs in Heiligendamm ist einer von ihnen eingeschlafen, während ich sprach ...

SZ: Wer war das?

Bono: Ich nenne keinen Namen. Es kann ja auch daran liegen, das ich ein Langweiler bin, Frau Merkel aber ist nicht eingeschlafen. Sie hat Interesse gezeigt, und sie hat vor allem nicht viel versprochen und wenig geliefert.

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