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Aktienmarkt:Der Boom und seine Folgen

Mehr als 200 US-Unternehmen wollen dieses Jahr an die Börse gehen.

Von Malte Conradi

In vielen amerikanischen Firmen wird man sehr genau beobachten, wie glatt der Börsengang von Uber über die Bühne geht und wie sich der Aktienkurs in den ersten Wochen verhält. Denn nach Angaben der Analysefirma Renaissance Capital planen mehr als 200 Unternehmen, noch in diesem Jahr an die Börse zu gehen. Die Analysten machen gar einen gewissen "Stau" aus, weil viele Firmen erst das Beispiel von Uber abwarten wollen, dem größten und aufsehenerregendsten Börsengang des Jahres.

Geht alles gut, könnte das laufende Jahr alle Rekorde brechen, selbst die aus dem Dotcom-Boom. "Wir halten es für möglich, dass 2019 mit mehr als 100 Milliarden eingenommenen Dollar ein Rekordjahr wird für Börsengänge, größer sogar als die Jahre 1999 und 2000", sagt Kathleen Smith von Renaissance Capital.

Getrieben wird dieser Boom vor allem von Tech-Unternehmen. Pinterest, der Uber-Konkurrent Lyft, und Zoom, ein Ausstatter für Video-Konferenzen, sind in den vergangenen Wochen schon an der Börse gestartet. Das wohl bekannteste Unternehmen, dessen Börsengang in diesem Jahr erwartet wird, ist die Übernachtungsplattform Airbnb. Aktien ausgeben dürften auch der Messenger-Dienst Slack, der Lieferdienst Postmates und Wework, ein Vermieter von Arbeitsplätzen und Büroräumen.

Dass auffällig viele der Börsenaspiranten aus San Francisco oder der näheren Umgebung stammen, sorgt in der Region inzwischen für mehr Nervosität als Freude. Denn der ohnehin schon extrem angespannte Immobilienmarkt dürfte in den kommenden Monaten völlig aus den Fugen geraten. Die Börsengänge werden Tausende neue Millionäre schaffen, die meisten um die 30 Jahre. Und was tun Menschen in diesem Alter, die plötzlich über viel Geld verfügen? Viele werden sich schnell eine Immobilie zulegen. Makler berichten, dass schon seit Monaten nur sehr wenige Objekte auf den Markt kommen. Die Besitzer warten in der Hoffnung auf höhere Preise auf den Spätsommer oder Herbst.

Und noch einen Effekt des neuen Geldregens erwarten Experten, die schon andere große Börsengänge beobachtet haben: Viele der neuen Millionäre dürften sich früher oder später selbständig machen.

San Francisco und dem Silicon Valley steht also eine neue Welle von Start-up-Gründungen bevor. Und in zehn Jahren womöglich die nächste Welle von Börsengängen.

© SZ vom 02.05.2019
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