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Aktien:Zwischen Hoffen und Bangen

Die Investoren sind gefangen zwischen der Hoffnung auf einen raschen Corona-Impfstoff und der Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der zweiten Pandemie-Welle. Sie halten sich derzeit zurück.

Zum Wochenschluss machte sich bei Europas Anlegern trotz steigender Corona-Infektionen das Prinzip Hoffnung breit. Allerdings bremste die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der derzeitigen zweiten Welle der Pandemie die Gewinne an den Aktienmärkten. Der Dax beendete den Handel am Freitag 0,4 Prozent im Plus bei 13 137 Zählern.

"Von Euphorie kann im Augenblick wahrhaftig nicht die Rede sein", sagte Christian Henke, Marktanalyst beim Brokerhaus IG. Die Pandemie sei das zentrale Thema auf den Börsenparketts, die Zahl der Neuinfektionen steige weiter an. "Bis zu einer Impfung mit einem entsprechenden Medikament kann es noch eine Weile dauern. Die Angst vor den wirtschaftlichen Auswirkungen ist wieder groß."

Unter den Einzelwerten waren die Titel gefragt, die von Ausgangsbeschränkungen profitierten: Im Dax gehörten die Aktien des Essens-Lieferdienstes Delivery Hero mit einem Plus von 1,6 Prozent zu den größten Gewinnern, im M-Dax standen Hello-Fresh-Papiere mit plus 5,1 Prozent an der Index-Spitze. Mit einem Kursgewinn von 4,3 Prozent präsentierten sich die Aktien von Thyssenkrupp. Beim Industriekonzern rückt nun verstärkt die Zukunft der höchst defizitären Stahlsparte in den Mittelpunkt, für die der britische Konzern Liberty Steel Kaufinteresse anmeldete. Die Titel von Freenet gewannen 0,9 Prozent. Nach dem Verkauf der Anteile am Schweizer Telekomanbieter Sunrise zahlt der Mobilfunkkonzern ein Bankdarlehen von mehr als 610 Millionen Euro zurück. Paion-Papiere stiegen um 6,6 Prozent nach oben. Das Aachener Biopharma-Unternehmen legte für die angestrebte EU-Zulassung des Narkosemittels Remimazolam positive Studiendaten vor. Die Furcht vor nachlassenden Konjunkturimpulsen und wirtschaftlichen Schäden durch die grassierende Corona-Pandemie belastete die US-Börsen. Der Dow Jones verlor 0,7 Prozent auf 29 263 Punkte. Im Fokus standen die Aktien des Mainzer Biotechunternehmens Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer, die 9,6 beziehungsweise 1,4 Prozent zulegten. Die zwei kooperierenden Unternehmen reichten am Freitag bei der US-Gesundheitsbehörde FDA den erwarteten Antrag auf eine Notfallgenehmigung für ihren Impfstoff gegen das Coronavirus ein.

© SZ vom 21.11.2020 / amon, Reuters, dpa
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