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Aktien:Hongkong-Streit belastet Dax

Der Streit zwischen den USA und China um die Unabhängigkeit Hongkongs macht Anleger in Europa zum Monatsende nervös. Der Dax beendet seine Gewinnserie und gibt nach.

Nach fünf Handelstagen im Plus ist die Gewinnserie des Dax am Freitag abgebrochen. Der deutsche Leitindex lag zum Handelsschluss 1,7 Prozent tiefer bei 11 587 Punkten. Für den gesamten Mai ergab sich ein Plus von mehr als sieben Prozent. Angesichts der inzwischen stärker wahrgenommenen Hongkong-Krise gingen die Anleger vor dem verlängerten Pfingstwochenende auf Nummer sicher. Die Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Krise rückten in den Hintergrund. Trotz massiver internationaler Kritik hatte Chinas Volkskongress die Pläne für ein neues Sicherheitsgesetz in Hongkong gebilligt. Das Vorhaben wäre der bisher stärkste Eingriff in die eigentlich garantierte Autonomie Hongkongs. Die USA drohen der Volksrepublik deswegen inzwischen mit Sanktionen. Dies schürte an den Börsen die Angst vor einer zweiten Runde im Handelskonflikt.

Gewinnmitnahmen gab es vor allem im Tourismus-, Automobil- und Bankensektor. Im Dax zollte die Lufthansa mit minus 6,4 Prozent ihrer jüngsten Erholungsrally Tribut. Continental, Daimler, BMW und Volkswagen rutschten zwischen 2,6 und 4,8 Prozent ab. Die Aktien des Reisekonzerns Tui fielen in Frankfurt sogar um 16,6 Prozent. Hugo-Boss-Papiere standen mit einem Minus von mehr als neun Prozent am M-Dax-Ende. Die Experten der Investmentbank Jefferies stuften die Titel auf "Verkaufen" herunter.

Mit einem Abschlag von 7,7 Prozent waren Renault-Aktien Schlusslicht im Pariser Leitindex. Wegen des weltweiten Absatzeinbruchs will der französische Autohersteller in den nächsten drei Jahren weltweit 15 000 Stellen streichen.

Die Kaffee-Holding JDE Peet's legte in Amsterdam ein erfolgreiches Börsendebüt hin. Die Aktien notierten nach einem Ausgabepreis von 31,50 um 13,8 Prozent höher. JDE Peet's ist im Markt für abgepackten Kaffee und Kaffee-Pads die weltweite Nummer zwei hinter Nestlé.

Die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China verunsicherten auch die Anleger an den US-Börsen. Der Dow Jones schloss allerdings kaum verändert. Bei Dell fielen der vierteljährliche Umsatz und Gewinn derweil höher aus als erwartet. Es wurden mehr Computer an Unternehmen verkauft, deren Mitarbeiter wegen der Corona-Krise von zu Hause aus arbeiten. Die Aktien des Konzerns stiegen um 8,9 Prozent.

© SZ vom 30.05.2020 / rih, Reuters, dpa

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