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Aktien:Furcht vor schärferem Lockdown

Die Anleger agieren zunehmend vorsichtig und nehmen die Gewinne lieber mit. Kopfschmerzen bereitet Investoren vor allem die mögliche Verschärfung der Coronavirus-Restriktionen.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Freitag für Gewinnmitnahmen auf hohem Kursniveau entschieden. Die nach wie vor hohen Corona-Infektionszahlen und Todesfälle sorgen unter Anlegern für Vorsicht. Der Leitindex Dax schloss um 1,4 Prozent auf 13 788 Punkte nach. Am Freitag vor einer Woche war der Dax noch auf ein Rekordhoch deutlich über 14 000 Zählern gestiegen. Die Diskussion in Deutschland über eine zeitnahe Verschärfung von Restriktionen nimmt Fahrt auf, inklusive der Forderung nach einem kompletten Lockdown. Bund und Länder werden voraussichtlich am Dienstag über eine weitere Verschärfung der Coronavirus-Restriktionen beraten. Damit könnte die von vielen Marktteilnehmern erwartete wirtschaftliche Erholung erst später eintreten.

Die im M-Dax notierten Aktien von Siemens Energy verbuchten den größten Kurssturz seit dem Börsengang im vergangenen September. Die Titel rutschten um 6,3 Prozent ab. Der US-Industriekonzern General Electric verklagte den deutschen Rivalen wegen unfairer Wettbewerbspraktiken. Die Amerikaner werfen dem Kontrahenten vor, mit verbotenen Methoden mehrere Gasturbinen-Aufträge ergattert und so "Milliarden an Dollar" an Land gezogen zu haben. Trotz guter Geschäftszahlen- und Aussichten trennten sich die Anleger von Aktien des Online-Möbelhändlers Westwing, die 7,6 Prozent verloren. Das Unternehmen steigerte das Bruttowarenvolumen 2020 um 62 Prozent. Der operative Gewinn liege voraussichtlich am oberen Ende der angepeilten Spanne von 37 bis 48 Millionen Euro.

In London stiegen die Titel von Aveva um knapp sieben Prozent. Der Anbieter von Industrie-Software steigerte seinen Umsatz überraschend stark um 26 Prozent. Auf dieser Basis werde das Unternehmen seine Ziele für das Geschäftsjahr 2020/2021 voraussichtlich erreichen, lobte Analyst Julian Yates vom Vermögensverwalter Investec.

Die Börsen an der Wall Street verzeichneten ebenfalls Verluste. Der Dow Jones stand zum Handelsende 0,6 Prozent tiefer bei 30 814 Punkten.

Zum Auftakt der US-Bilanzsaison zeigten sich Anleger wenig beeindruckt vom Zahlenwerk der US-Banken JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo, deren Aktien allesamt schwächer notierten.

© SZ vom 16.01.2021 / amon, Reuters, dpa
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