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Airlines:Allergische Reaktion

Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker würde so gern auch bei der Lufthansa mitmischen, doch die deutsche Fluggesellschaft weist derlei Avancen barsch zurück. Verstaatlichung in Katar? Kommt nicht in Frage, meint ein Sprecher.

Man könnte es als eine kleine Posse am Rande abtun. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil war am Sonntag in der katarischen Hauptstadt Doha. Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker nahm den Besuch zum Anlass, sein Interesse an einem Einstieg bei der Lufthansa zu Protokoll zu geben: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, in Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gerne machen", so Al Baker. Wer die Luftfahrtbranche auch nur ein bisschen verfolgt, den wird nicht wundern, dass die Lufthansa sofort anbeißen musste: "Wir haben die Lufthansa in Deutschland nicht privatisiert, um sie in Katar wieder zu verstaatlichen", ließ sich ein Sprecher zitieren.

Eine ganz schöne Welle dafür, dass wahrscheinlich gar nichts passieren wird. Es gibt ein paar Dinge, die man zur Einordnung wissen muss. Lufthansa mag Qatar Airways nicht, weil die Airline von staatlicher Unterstützung profitiert. Dies sei unfairer Wettbewerb. Lufthansa war auch einmal subventioniert, aber das ist schon eine Weile her. Al Baker nimmt gerne zu fast allem Stellung, wozu er gefragt wird. Er sagt zum Beispiel, dass er sich als Geschäftsmann nicht in die Politik einmischen will, um dann einen halbstündigen Vortrag zur Blockade der Nachbarstaaten gegen Katar zu halten. Auch was sein Unternehmen angeht, ist Al Baker in der Regel sehr gesprächig. Es ist aber nicht immer so, dass alles das, was er in den Raum stellt, auch eintritt.

Zur Einordnung gehört allerdings auch das, worüber Al Baker nicht nur geredet, sondern was er tatsächlich umgesetzt hat. Es mag dieser Aspekt gewesen sein, der die Lufthansa-Kollegen hat zucken lassen. Denn Qatar hat sich im Lauf der Jahre ein erstaunliches Portfolio an Beteiligungen zugelegt: Die Airline ist mit 20 Prozent der größte Aktionär der International Airlines Group (IAG), zu der British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling, Level und bald auch Air Europa gehören. Mit jeweils zehn Prozent ist die staatliche Fluggesellschaft Katars bei Latam Airlines, der größten Airline Lateinamerikas, sowie an Cathay Pacific (Hongkong) beteiligt. Einst wollte Al Baker sogar einen Anteil an American Airlines kaufen und hat damit in der Zentrale in Dallas ähnlich allergische Reaktionen ausgelöst wie jetzt in Frankfurt. Die Sache ist dann im Sand verlaufen.

Mit den Beteiligungen und Partnerschaften, neuerdings auch mit der indischen Billigfluglinie IndiGo, ist Al Bakers Airline längst ein erheblicher Machtfaktor in der Branche geworden, auch wenn er sich etwa bei IAG wie ein Finanzinvestor verhält und dem Management nicht hineinredet. Die einzige andere Fluggesellschaft, die ähnlich massiv international in Bluechips der Branche investiert, ist die amerikanische Delta Air Lines, die unter anderem an Air France-KLM, Virgin Atlantic und China Eastern beteiligt ist, und bald auch wie Qatar an Latam Airlines. Lufthansa hingegen beschränkt sich, was Übernahmen angeht, auf Mitteleuropa.