Abgastests "Extrem bedauerlich"

Nur aus der Vogelperspektive schön anzusehen: der Verkehr in Japans Hauptstadt Tokio.

(Foto: Noriko Hayashi/Bloomberg)

Die japanischen Autobauer Mazda und Suzuki haben Regelverstöße bei Abgas-Tests eingestanden. Der Grund dafür: Schlamperei.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Auch Suzuki, Mazda und der Motorradbauer Yamaha haben bei Spritverbrauchs- und Abgastests gepfuscht. Das geht aus einem Bericht hervor, den Japans Transportministerium veröffentlichte. Das Ministerium hat die Untersuchung angeordnet, nachdem Nissan, Subaru und Mitsubishi verfälschte Tests zugeben mussten. Verkehrsminister Keiichi Ishii nannte die Fehler "extrem bedauerlich".

Von fast 13 000 Suzuki-Fahrzeugen, die überprüft wurden, wurde etwa die Hälfte beanstandet. Suzuki räumte bereits im Mai ein, bei Verbrauchstests unzulässige Verfahren angewendet zu haben. Allerdings betonte das Unternehmen schon damals, die Abgaswerte müssten nicht nach oben korrigiert werden. Im Falle von Mazda fielen fünf Prozent der Autos bei Tests durch. Auch dort handelt es sich nicht um systematischen Betrug, sondern um Schlamperei. Die Japaner haben mit schnelleren, billigeren Methoden getestet als vorgeschrieben.

Auf einer Pressekonferenz entschuldigte sich Suzuki-Chef Toshihiro Suzuki mit der üblichen tiefen Verbeugung: "Ich werde mich dafür einsetzen, dass das nicht mehr passiert." Suzuki hat seine Prüfzyklen mindestens seit 2012 abgekürzt. Da die Ergebnisse jedoch wenig von den tatsächlichen Werten abwichen, seien keine Rückrufe geplant.

Nissan rief im Vorjahr alle 1,2 Millionen Autos zurück, die in den vergangenen drei Jahren in Japan verkauft wurden. Seine Qualitätskontrollen, zu denen die Emissionstests gehören, wurden von dafür nicht qualifizierten Leuten durchgeführt. Die Firma, die zum französischen Renault-Konzern gehört, machte "Kommunikationsprobleme" für ihre Schlamperei verantwortlich. "Die Kluft zwischen Fabrik und Management ist tiefer, als wir uns vorstellten", sagte Nissan-Chef Hiroto Saikawa im November. Teilweise soll das Messverfahren so manipuliert worden sein, dass die Resultate mit den Zahlen im Prospekt übereinstimmten. Allerdings waren von Nissans 625 000 beanstandeten Kleinstwagen 80 Prozent von Mitsubishi im Auftrag gefertigt worden. Nissan hatte die Manipulationen Mitsubishis aufgedeckt.

Von allen japanischen Autoherstellern steckt Mitsubishi in der tiefsten Krise. Das Unternehmen, das einige Zeit zum Daimler-Chrysler-Konzern gehörte und die Stuttgarter wegen Vertuschung früherer Skandale viel Geld gekostet hat, ist seit zwei Jahren mit Renault-Nissan verbandelt. Die französisch-japanische Allianz stieg bei Mitsubishi ein, nachdem bekannt geworden war, dass Mitsubishi seine Benzinverbrauchszahlen manipuliert hatte.

Japan, das sich gerne als Präzisionswerkstätte versteht, ist immer wieder von Skandalen um manipulierte Qualitätskontrollen erschüttert worden. Kobe Steel hat wissentlich minderwertige Kupfer-, Aluminium- und Stahlprodukte verkauft, die im Automobil-, Eisenbahn- und Flugzeug-Bau verwendet wurden.

Die nun bekannt gewordenen Testmanipulationen betreffen nur den japanischen Markt. Einige der nun beanstandeten Messverfahren sind in Japan illegal, in den USA dagegen Standard. Die Ergebnisse der vom japanischen Transportminister ebenfalls angeordneten Überprüfungen von Fahrzeugen der Marken Audi, Volkswagen und Volvo stehen noch aus. Bei 17 überprüften Autoherstellern wurden keine Mängel festgestellt.

Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, lobt Tokio, meint aber: "Deutsche, europäische, asiatische und amerikanische Autounternehmen betrügen bei Emissionen leider alle. Wir haben bei eigenen Messungen seit dem Frühjahr 2016 viel zu hohe Emissionen bei Kia, Hyundai, Mazda und Toyota Diesel-Pkw aufgedeckt."