3-D-Druck Direkt auf den Fuß

Sieht aus wie im Science-Fiction-Film, steht aber bei Adidas: Dieses Ding kann Schuhsohlen drucken.

(Foto: Adidas)

Sneakers könnten bald aus dem 3-D-Drucker kommen - und damit auch wieder aus Europa. Mit dieser Technik wäre es möglich, für jeden Kunden den perfekten Schuh herzustellen.

Von Nikola Noske

Ein Paar Schuhe richtig einzulaufen, kann lange dauern. Bis nichts mehr drückt und scheuert, drohen Blasen und wunde Stellen. Logisch, sagt der Kölner Start-up-Gründer Timo Marks, die Schuhgrößen der Hersteller seien völlig überholt. "Jeder Mensch hat verschieden geformte und oft auch unterschiedlich große Füße."

Vor vier Jahren begann der 33-Jährige deshalb damit, nach dem perfekt passenden Schuh zu suchen und einer Möglichkeit, ihn herzustellen. Seine Lösung: 3-D-Scan und -Druck. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete Marks 2013 das Start-up Die Schuhleister in Köln. Die Firma bietet Schuhherstellern weltweit Software für den 3-D-Scan an, mit denen sie ihren Kunden die Füße vermessen können. Auf Basis der Daten stellen die Schuhleister dann individuell 3-D-gedruckte Einlagen und Leisten her, also das Gerüst, um das später der Schuh gearbeitet wird. Damit können die Hersteller für jeden Kunden einen individuellen Schuh produzieren.

Solche Maßschuhe sind viel mehr als eine modische Extravaganz: Gerade im Sport können sie die Leistungen des Athleten optimieren und senken zugleich das Verletzungsrisiko. "Durch präzise Vermessung per 3-D-Scan oder Laufanalysen bekommt der Schuh einen orthopädischen Wert", sagt Einzelhandelsexpertin Janine Seitz vom Zukunftsinstitut in Frankfurt. "Das passt zum Gesundheits- und Fitnesstrend." Und der Markt ist riesig: Weltweit werden jährlich Turnschuhe für rund 69 Milliarden Euro verkauft. Die Produktion per 3-D-Druck hat also Potenzial.

Auch große Hersteller wie Nike und New Balance experimentieren deshalb zunehmend mit 3-D-Druck. Adidas hat angekündigt, bis Ende dieses Jahres 5000 Paar Schuhe produzieren zu wollen, deren Sohlen komplett aus dem Drucker kommen. Auch in der Speedfactory in Ansbach setzt Adidas die Technik ein. Dort sollen bis Ende nächsten Jahres 500 000 Paar vom Band laufen. Ein weiteres solches Werk soll in Atlanta in den USA entstehen. Um die Füße der Kunden exakt vermessen zu können, entwickelt der Sporthersteller gemeinsam mit dem US-Start-up Carbon Möglichkeiten zur Laufanalyse.

Das Verfahren ist für die Massenproduktion noch zu teuer

Die Schuhleister aus Köln produzieren dagegen noch in vergleichsweise geringen Mengen. 2016 hat das Start-up nach eigenen Angaben mehrere Tausend Leisten verkauft. Da die Produktion vor Ort stattfinde, könne man aber schnell reagieren, wenn die Nachfrage steige, sagt Marks.

Genau diese Möglichkeit schätzen auch die Konzerne. Die Produktion mit dem 3-D-Drucker verkürzt die Zeitspanne vom Entwurf eines Schuhs bis zu seinem Verkauf. Bisher dauert das etwa 18 Monate, vor allem weil hauptsächlich in China produziert wird - weit weg vom Endkunden. Kämen die Schuhe aus dem 3-D-Drucker um die Ecke, würden die Wege kürzer. Zugleich wäre der gesamte Prozess nachhaltiger als bisher, weil auch der CO₂-Ausstoß sinkt, wenn die Tranportwege kurz sind.

Anders als bei der Arbeit mit der Fräse, werde zudem nur so viel Material verwendet, wie wirklich gebraucht wird, sagt Schuhleister-Gründer Marks. Nicht zuletzt kann der Kunststoff später geschreddert und wieder neu gedruckt werden. Darauf setzt auch Adidas. "Und wenn die Schuhe für jeden Kunden individuell angefertigt werden, wird auch nicht mehr zu viel produziert", sagt Marks.

Bisher ist der 3-D-Druck für die Massenproduktion noch zu teuer, vor allem wegen des Rohstoffs: Meist kommen gummiartige Stoffe, sogenannte thermoplastische Elastomere, zum Einsatz, sagt Udo Sonnenberg vom Verband 3-D-Druck. Die Preise dafür seien noch so hoch, dass es für die Unternehmen günstiger sei, im Ausland zu produzieren. Zugleich seien die Kunden nicht dazu bereit, so viel Geld für Sportschuhe zu zahlen. "Wenn die Preise für die Produkte etwas fallen, könnte eine große Nachfragen entstehen", sagt Sonnenberg aber.