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Stilblog Modezirkus: Statement-Ketten:Ausrufezeichen am Hals

Zum schwarzen Kleid und weißen Top: Statement-Ketten machen jedes schlichte Outfit zum modischen Ausrufezeichen. Wie lassen sich die schweren, auffälligen XXL-Colliers tragen und kombinieren? Die Antwort in unserem Stilblog.

Fashion Zoo

Ethno-Statement: Weißes Seidentop zu Kette mit Goldfäden und Glasperlen. (Top: privat; Kette: Zara)

(Foto: Daniel Hofer)

Es wird Abend im Schmuckkästchen. Die zarte Goldkette kuschelt sich eng an das hauchdünne Silberarmband. Die filigranen Creolen flüstern leise mit den winzigen Perlen. "Gute Nacht", wispert das Goldkettchen, als jäh die Schatulle aufgerissen wird. Grelles Neonlicht dringt hinein.

"Moin erstmal", poltert der Eindringling - und lässt sich mit einem Rumms auf den roten Samt plumpsen. "Oh nein", kreischt das Äpfelchen-Collier, bevor es zerquetscht wird, "eine S-T-A-T-E-M-E-N-T-K-E-T-T-E."

Statement-Ketten sind das Ausrufezeichen unter den Accessoires. Die Egozentriker unter den Schmuckstücken. Zumeist sind es kurze und sehr breite XXL-Colliers. Hauptsache groß und auffällig, ein "zuviel" gibt es nicht. Die Ketten gibt es aus jedem erdenklichen Material: Silber, Gold, Holz, Metall, Leder, Stoff und Plastik. Sie sind besetzt mit Perlen und Glassteinen, behängt mit Blumen und Federn - oder gleich mit allem zusammen. Sie geben sich puristisch aus kühlem Metall oder anschmiegsam aus Seide und Stoffresten. Sie stören sich nicht an der Kombination unechter riesiger Schmucksteine in den Farben des Regenbogens mit Plastiksteinen in Pastelltönen. Sie lassen sich mit Seidenbändern binden oder finden im Nacken Halt unter Zuhilfenahme großer Karabiner.

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Lässiges Statement: Neonbunte Plastikperlen zu schwarzer Lederjacke und grauem Used-Top. (Top und Jacke: privat; Kette: Zara)

(Foto: Daniel Hofer)

Vor drei Jahren tauchten die Statement-Ketten wieder vermehrt auf den Laufstegen dieser Welt auf - und lösten die langen, dünnen Ketten ab. Ihr Siegeszug durch die Schmuckschatullen der Nation und die Beliebtheit in allen Altersklassen erklärt sich Modebloggerin Jana Windoffer so: "Sie sind ein Allrounder, total variabel. Jeder - unabhänig von Alter, Figur oder Modestil - kann sie tragen. Auch ein einfaches Outfit aus Jeans und T-Shirt bekommt dadurch einen modischen, aufregenden Anstrich."

Minimalistische Mode erzeugt perfekte Kontraste zu den opulenten Stücken, die am schönsten als Hingucker auf einfachen Kleidern und unifarbenen Oberteilen wirken. "Zurückhaltende Farben wie schwarz und weiß eignen sich perfekt", sagt Windoffer. So schaffen es diese auffälligen Ketten auch das einfachste und preiswerteste Outfit aufzuwerten. Ob lässig kombiniert zu Jeans und Top oder als elegantes I-Tüpfelchen zum schwarzen Kleid, Statement-Ketten machen jedes Outfit zu etwas Besonderem.

Party-Statement: Mehrreihige Perlenkette zu pinkem Kleid und Lederjacke. (Kleid: Ted Baker; Jacke: French Connection; Kette: DIY)

(Foto: Daniel Hofer)

Praktisch: Allzu große Gedanken über Kombinationsmöglichkeiten muss sich die Trägerin nicht machen. "Zu Shirts in einer zurückhaltenden Farbe passen so gut wie alle Statement-Ketten", sagt Jana Windoffer. Achten sollte man jedoch darauf, dass die Kette nicht auf nackter Haut, sondern auf Stoff auffliegt. Das sieht hochwertiger und stimmiger aus. Auch auf allzuviel Schnickschnack am Kragen wie Volants, Schleifen oder besonders auffällige Krägen sollte man verzichten. Ebenso auf gemusterte Stoffe und Applikationen. Seide und dünne Baumwolle sind eine ideale Unterlage für die Statement-Ketten, aber auch ein grober Strickpullover (aber bitte einfarbig) dient als schöne Leinwand.

"Die Statement-Kette sollte locker auf dem Schlüsselbein aufliegen", sagt Modebloggerin Windhoffer. Zu eng anliegende Ketten können die Proportionen schnell ungünstig aussehen lassen. Und weil Statement-Ketten am liebsten ganz allein im Rampenlicht stehen, sollte anderer Schmuck wie auffällige Ohrringe oder breite Armreifen in der heimischen Schatulle verbleiben. Schuhe oder Gürtel, die eine Farbe der Kette aufgreifen, lassen sich jedoch optimal kombinieren. Praktischerweise lassen sich mittlerweile sogar Tops und Kleider kaufen, auf denen die Statement-Ketten bereits fest an- oder aufgenäht sind. Allerdings sind diese meist nicht allzu strapazierfähig und leiden nach mehreren Wäschen. Außerdem können sich - je nach Verarbeitung - Teile der Kette lösen und die Waschmaschine beschädigen. Wer jedoch gerne seine Kleidung von Hand pflegt oder in die Reinigung gibt, wird mit diesen Stücken glücklich.

Mode-Zirkus

Glitzer-Statement: Langärmeliges Kleid und Kragenkette mit Kristallen. (Kleid: Hallhuber; Kette: Zara)

(Foto: Daniel Hofer)

Ketten mit vielen Strasssteinen - gerne in Blumenform - eignen sich besonders gut für festliche Anlässe, wohingegen die einfarbige Kette auch im Büro getragen werden kann. Modebloggerin Jana Windoffer ermutigt auch zu Materialexperimenten: "Meine Lieblingsstatement-Kette ist zum Beispiel aus einem schmalen Gummischlauch, der aus einem Fahrradschlauch geschnitten wurde." Wer kreativ ist und ein bisschen Zeit hat, kann sich seine Statement-Ketten auch im Do-it-your-self-Verfahren herstellen.

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Sommer-Statement: Korallfarbene Blumenkette mit weißer Bluse und farblich passender Hose. (Hose und Bluse: privat; Kette: Zara)

(Foto: Daniel Hofer)

Viel Geld für Statement-Ketten muss im Übrigen niemand ausgeben, schöne Modelle gibt es bei den großen Modeketten bereits ab 20 Euro. Dem gab sogar die große Coco Chanel bereits in den Zwanziger Jahren ihren Segen: "Schmuck soll einen nicht wohlhabend erscheinen lassen, sondern schmücken." Darum wird die Erfinderin des kleinen Schwarzen, die stets behängt mit zahlreichen Ketten auftrat, auch mit den Worten zitiert: "Deshalb habe ich immer gerne falschen Schmuck getragen."

Eines sollte jedoch beachtet werden: Da die Ketten, je nach Ausführung, bis zu mehreren hundert Gramm schwer werden können, sollten Nacken- und Rückenmuskulatur regelmäßig trainiert werden - sonst drohen Kopf- und Nackenschmerzen und der Besuch beim Orthopäden.

Die Modebloggerin
Jana Windorfer Instagram

Jana Windoffer, 25, bloggt seit fünf Jahren auf bekleidet.net über Mode und andere Dinge, die das Leben verschönern.

Wissen auch Sie nicht recht, wie mit einem bestimmten Trend umzugehen ist oder haben eine konkrete Frage? Schreiben Sie uns an leben@sz.de - Betreff: Modezirkus.

Produktionshilfe

Die Fotos in diesem Blog sind mit freundlicher Unterstützung und in den Räumlichkeiten von Oberpollinger München entstanden.

© SZ.de/jst/olkl
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