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Mode aus toten Tieren:"Prada hat meine Idee aufgegriffen"

Sie sind zweifache Mutter. Was halten Ihre Kinder von dem, was die Mama im Atelier macht?

Meine Kinder fanden die Sachen immer toll. Ich hatte auch schon viele Schulklassen in meinen Ausstellungen zu Besuch, die sich das alles sehr interessiert angesehen haben. Meiner Erfahrung nach beginnen gerade Mädchen erst in der Pubertät, sich vor toten Tieren zu ekeln.

Was müsste man beispielsweise für die Pferdehufschuhe hinlegen?

Die kosten 3900 Euro. Für den Arbeitsaufwand, der dahintersteckt, ist das nicht viel. Egal ob Kuh oder Pferd, es ist immer eine Riesenaktion, die Knochen aus den Hufen herauszuholen.

Und wie funktioniert das mit dem Verkauf? Bestellen Kunden bei Ihnen Modelle, die Sie dann nach Maß anfertigen?

Grundsätzlich sind alle meine Entwürfe Prototypen, Unikate, die nach meiner Schuhgröße gefertigt werden. Prinzipiell gibt es aber schon die Möglichkeit, dass ich auf Bestellung arbeite.

Sie haben auch prominente Kundschaft.

Das stimmt. Einmal rief die Stylistin der New Yorker Performance-Künstlerin Marina Abramović an und fragte nach Taubenschuhen für ein Fotoshooting. Ich musste leider ablehnen, weil die gewünschten Exemplare gerade in einer Ausstellung standen. Dass sich meine Arbeit bis zu ihr herumgesprochen hat, macht mich trotzdem sehr stolz.

Auch Lady Gaga soll ja bereits Ihre Schuhe getragen haben ...

Das ist ein Irrtum, der sich seit Jahren hartnäckig in den Medien hält. Die Wahrheit ist: Sie hätte sie gerne getragen.

Wie meinen Sie das?

Sie hat bereits zweimal versucht, Schuhe bei mir zu bestellen. Genau genommen hat ihre Stylistin Kontakt mit mir aufgenommen, nachdem sie 2006 oder 2007 mein erstes Paar Hufschuhe bei einer Kunstaustellung in New York gesehen hatte. Sie wollte unbedingt, dass Lady Gaga bei ihrem nächsten Videodreh meine Pferdehufschuhe trägt. Meine damalige Galeristin verschickte die Schuhe, sie passten jedoch nicht. Beim zweiten Mal rief mich die Agentur von Lady Gaga an, weil sie für die Video Music Awards 2010 zu ihrem Fleischkleid Hufschuhe tragen wollte. Die musste ich dann kurzfristig noch mal ändern: Die Information, dass Lady Gaga Schuhgröße 39 hat, kam ein bisschen spät. Ich habe die Schuhe dann noch rechtzeitig in die USA geschickt, doch dann wollte der Zoll sie nicht freigeben. Angeblich, weil das Leder kontaminiert sei. Am Ende hat Lady Gaga die Schuhe also nie getragen. Leider.

In der Modewelt haben Ihre Schuhkreationen trotzdem Eindruck hinterlassen.

Das stimmt wohl. Alexander McQueen hat noch vor seinem Tod ganz ähnliche Schuhe in Anlehnung an meine Hufschuhe präsentiert. Ich habe auf die Idee ja kein Patent. Prada hat die Idee mit dem Revolver-Absatz im vergangenen Frühjahr aufgegriffen. Das muss man einfach akzeptieren. Für die Fashion Week in Berlin werde ich auf jeden Fall ein neues Paar Schuhe entwerfen.

Eine abschließende Frage noch: Sie haben ein eigenes Pferd. Werden Sie seine Hufe auch zu Schuhen verarbeiten, wenn es einmal stirbt?

Das weiß ich noch nicht genau. Ausschließen würde ich es jedenfalls nicht.

© Süddeutsche.de/vs/woja
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