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Ladies & Gentlemen:Gib alles für Instagram!

Wie ertragen die Promis den Lockdown? Na, zum Beispiel mit fröhlichem Aktionismus im Netz - zwei Beispiele: Halle Berry zeigt ihr Kissen-Outfit, David Beckham seine Sofakleidung.

Schön mit Kissen

(Foto: Instagram)

In den Villenvierteln dieser Welt ist gerade die #PillowChallenge angesagt, und dort ist es egal, ob die Herausforderung anderer Menschen das Überleben in einem Flüchtlingscamp ist. Die privilegierte Frau, von der wir ja bis kurz vor Corona noch dachten, sie würde die Welt retten, ist im Survival-Mode. Da kann sie schon mal alles vergessen und plötzlich Söder sexy finden, wenn der Boutiquen-Eröffnungschampagner nicht mehr sprudelt und man trotzdem bei guter Laune bleiben muss. Neben der üblichen Selbstoptimierung ist jetzt ja das Wichtigste, positiv zu sein und sich darauf zu besinnen, dass man daheim nicht so viel braucht, um sich als Stilikone zu inszenieren. Nur ein puderfarbenes Schlafzimmer oder einen großen Garten, außerdem ein riesiges Kopfkissen und einen Gürtel von Gucci oder Hermès, um daraus ein Minidress entstehen zu lassen, das aussieht wie vom Designer drapiert. Halle Berry hat auch schon mitgemacht, wie wir hier sehen. Die wahre Mutprobe wäre ja zu zeigen, wie die Bettzeugkreation von hinten aussieht, das ist aber ein anderes Thema. Man darf in Zeiten wie diesen natürlich nicht den Humor verlieren, weswegen Frauen machen sollen, was sie wollen. Lustig improvisiert sehen diese Kissen-Outfits allerdings gar nicht aus, sondern immer perfekt hingestylt. Klar: worauf soll man als Frau in diesen Tagen sonst stolz sein als auf den Taillenumfang, der offensichtlich noch unter dem eines flauschigen Kissens liegt? Feminismus ist kein Krisenhashtag, kommt aber irgendwann wieder in Mode, keine Sorge. Julia Werner

Schön zum Kicken

(Foto: Getty)

Wenn nicht alles täuscht, ist David Beckham ein netter Kerl. Als er neulich mit einer verunstalteten Skulptur bei laufender Kamera reingelegt wurde, dauerte es jedenfalls lange, bis er auch nur ein bisschen unwirsch wurde. Aber warum sollte er auch eine kurze Lunte haben? Nach spätkapitalistischen Maßstäben hat er alles erreicht - er wurde von den Genen bevorzugt, wird von Fans und seiner Bank geliebt, hat eine erfolgreiche Frau und eine Menge wohlgeratener Kinder. Ein paar Stunden dieses Buttercreme-Lebens stellt er jetzt auf Instagram zum Verkauf. Im Rahmen der "AllInChallenge" verlosen sich Prominente dort selbst und spenden das eingeworbene Geld für die Armenspeisung, die in den USA derzeit rasanten Zulauf hat. Beckham bietet in breitestem Arbeiterenglisch folgendes: Er und vier Freunde treten gegen die Clique des Höchstbietenden an, danach gibt's ein paar Bier im neuen Soccer-Stadion in Miami. Ein netter Nachmittag mit Kumpels also, vorgeschlagen natürlich nicht im üblichen Slim-Fit-Anzug, sondern in Sofakleidung, die so tut, als wäre er einer von uns. Denn zwangloses Kicken gehört zu den wenigen Dingen, die Männer auf der ganzen Welt, jeden Alters und Geldbeutels verbindet. Fünf gegen Fünf aufs kleine Feld, das ist eine Essenz des Mannseins. Das ist, worauf jeder zu jeder Zeit Lust haben muss, inkl. Bänderriss am Schluss. Gegen den Ball treten ist eine Zivilisationserrungenschaft, die derzeit besonders kostbar scheint - womöglich sogar in dem sechsstelligen Bereich, den dieser Kick wert sein wird. Max Scharnigg

© SZ vom 25.04.2020

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