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Ladies & Gentlemen:Die Schuhe des Sommers

Ein relativ günstiger Sneaker für Banker und ein relativ teurer FlipFlop für alle, die ihren Urlaub stornieren mussten - zwei fragwürdige Schuhtrends im Vergleich.

(Foto: The Row)

Für sie: Urlaubsplazebo

Gerade noch wollten alle Mules von Bottega Veneta tragen, und zwar mit hohem, schmalem Absatz und stark gepolstertem Flechtwerk auf dem Fußrücken. Diese Daisy-Duck-Modelle sind zuletzt ganz rasch in der modischen Bedeutungslosigkeit verschwunden. Weil es wegen der Corona-Pandemie keine Daisy-Duck-Versammlungen (Fashion Weeks) mehr gibt. Aber glücklicherweise gibt es eine It-Alternative. Das Modell, um das sich die Fashion People in diesem Sommer kloppen, ist das Gegenteil eines Stöckelschuhs. Es macht beim Laufen ein floppendes Ich-bin-auf-dem-Weg-zum-Strand-Geräusch, auch wenn das Ziel nur der Balkon ist, und es heißt Ginza. Der Clou an diesem Zehentrenner vom Label The Row ist die Plateau-Sohle. Die nicht mehr ganz Instagramtauglichen unter uns wissen: Sie ist natürlich eine alte Schlappe. Wir trugen sie schon mal in den späten Neunzigerjahren, was man nur deshalb vor Augen hat, weil die x-te Wiederholung aller Friends-Staffeln eine gute Lockdown-Beschäftigung war. Und siehe da, der Plateau-Flip-Flop sah zu schmalen Midiröcken ganz schön gut aus. Obenrum Stadt, untenrum Strand, Monica und Rachel machten den Zuhause-Bleiben-Look schon damals vor! Zugegeben, Ginzas sind nicht ganz billig (sie kosten 780 Euro). Ist das nicht völlig out of touch in diesen unsicheren Zeiten, tun es nicht auch ein paar ganz normale Flipflops? Auf keinen Fall. Der Grat zwischen Lässigkeit und Nachlässigkeit ist zwei Zentimeter schmal. Zu viel Bodenhaftung bringt jetzt auch niemanden weiter. Julia Werner

(Foto: Ebay)

Für ihn: Fersengeld

Der Stan-Smith-Schuh von Adidas ist ja längst so eine Art Skoda Octavia unter den Turnschuhen geworden. Allgegenwärtig, zuverlässig und man kommt damit überallhin. Ein Basic-Accessoire mit mäßigem Fußklima, über das kein Mensch mehr ernsthaft reden möchte. Dass nun die Deutsche Bank für ihre Mitarbeiter zum 150-jährigen Bestehen ein Modell davon auflegen ließ, bringt die Treter diesen Sommer noch mal ins Rampenlicht. 80 Euro pro Paar kostet die Sonderedition für die Belegschaft, wobei das "Sonder" in einem seitlichen Banklogo und der eingefärbten Fersenkappe besteht. Der Vorgang wirft schon Fragen auf, zum Beispiel: Wird sich der Stan Smith davon je wieder erholen oder ist er außerhalb des Bankenviertels jetzt endgültig erledigt? Ist es eigentlich sehr schofel, seine Mitarbeiter eine Jubiläumsgabe kaufen zu lassen? Oder ist es das einzig Richtige, angesichts der jahrelangen miesen Bilanzen und der Probleme der Bank? Sicher, ihr Unisex-Charakter und ihre Neutralität sprechen durchaus für die Schuhe als Geschenk, auch wenn die Vorstellung von Hunderten überdynamischen Bankern in weißen Sneakers zu Suitsupply-Anzügen eher gruselig ist. Als Symbol sind die perlweißen Schuhe aber interessant. Sie erzeugen ja in etwa den gleichen Effekt wie die weißen Handschuhe der Damen vor 150 Jahren, suggerieren also innere und äußere Reinheit und fungieren sozusagen als Puffer zur Außenwelt. Also in der Metaebene genau das richtige Schuhwerk, wenn man auch mittelfristig weiter durch den Sumpf waten muss. Max Scharnigg

© SZ vom 20.06.2020

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