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Hobbygärtner:Manche mögen's heiß

Trockenheit, Starkregen, Hitze: Der Klimawandel ist für Gartenbesitzer eine riesige Herausforderung. Sieben Tipps für Strauch und Wiese.

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Ein Präriegarten ist pflegeleicht und trotzdem farbenfroh.

(Foto: imago/blickwinkel)

Wochenlange Trockenheit lässt den Rasen braun werden, zwischendurch gibt es Starkregen, der ganze Beete wegschwemmt. Hagel durchlöchert den Salat, unerwarteter Frost vernichtet Obstblüten. Manche Laubbäume verlieren schon im Hochsommer ihre Blätter. Andererseits bewirken steigende Temperaturen und kürzere Winter überraschende Neuzugänge in den Beeten. In deutschen Gärten gedeihen Kiwis, Maracuja und sogar Bananenstauden. "Seit einigen Jahren verändern sich unsere Gärten spürbar durch die Wetterextreme", sagt die Landschaftsarchitektin Petra Pelz. Sie gestaltet einen Klimawandel-Schaugarten für die Buga 2021 in Erfurt und bietet Onlinekurse zum Thema an. "Der Klimawandel brennt vielen Hobbygärtnern auf der Seele", sagt sie. Es gibt aber einige Tipps und Tricks, wie man den Garten klimawandelfest machen kann.

Blumen und Stauden

Hortensien und Rhododendren kommen mit Hitze und Trockenheit nicht gut zurecht, sie brauchen gemäßigte Temperaturen und viel Wasser. Das sei aber kein Grund, komplett auf die beliebten Stauden zu verzichten, findet Gartendesigner Alexander Koch, man müsse sie nur richtig pflanzen, im Schatten oder Halbschatten, sowie ausreichend wässern und düngen. Alternativ kann man gut mit entsprechenden Sorten arbeiten, die mehr Trockenheit vertragen, etwa Fetthenne, Bergminze und Lavendel. "Dann sieht der Garten vielleicht etwas wilder aus und nicht so prächtig, aber das hat auch etwas", sagt die Gartenexpertin Petra Pelz. Auch Katzenminze, Duftnesseln, Sonnenhut, Goldrute, Prachtscharte und verschiedene Astern-Arten sind gut geeignet für sonnige, trockene Standorte, sie brauchen kaum Pflege und müssen eigentlich nicht bewässert werden. Lavendel, Minzen und Duftnesseln bringen Farbe in den Garten und locken Insekten an. Die Aussichten für Rosen sind übrigens gar nicht so schlecht, durch die Trockenheit werden Pilzkrankheiten zur geringeren Gefahr.

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Hart im Nehmen: Die Agave kommt mit wenig Wasser aus.

(Foto: imago images/Nature Picture Library)

Bäume und Sträucher

Bestimmte Baumarten haben es schwerer, wenn es heiß und trocken ist. Bäume mit hohem Wasserbedarf wie Eschen, Erlen, Linden, Birken und Fichten leiden unter heißen Sommern. In der Folge sterben Triebe ab, sie sind anfälliger für Schädlinge und verlieren das Laub schon im August. Als Bäume mit Zukunft sehen Experten Arten, die mit längeren regenarmen Perioden auskommen, etwa Ginkgo, Kornelkirsche, Wacholder und bestimmte Kiefern. Auch manche Magnolien und viele Fliederarten kommen gut mit Trockenheit klar, manche Magnoliensorten sind allerdings frostempfindlich. Lars Kasper hat sich mit seiner "Baumschule für Klimawandelgehölze" auf dieses Thema spezialisiert. Er züchtet hitzeresistente Bäume wie die Libanon-Zeder, den Amberbaum, Maulbeerbäume, den Trompetenbaum und andere exotische Gehölze. "Ziemlich in Mode gekommen ist der Lederhülsenbaum, auch Gleditschie genannt", sagt der Gartenarchitekt Alexander Koch, "er sieht ein bisschen aus wie eine Akazie, verträgt extreme Hitze und wächst auch auf den kärgsten Böden."

Gemüse und Obst

Selbstversorgung ist in, Hobbygärtner bauen Kräuterspiralen, Hochbeete und kultivieren Kartoffeln auf Mini-Äckern. Wer keinen Garten hat, pflanzt Tomaten im Kübel auf dem Balkon oder zieht Basilikum und Kresse auf dem Fensterbrett. Doch der Klimawandel bedroht auch typische Gemüse- und Obstsorten. Gurken, Spinat und Kohlrabi vertragen Hitze und Trockenheit nicht gut. Fruchtgemüse wie Kürbis, Zucchini, Tomaten, Paprika und Auberginen sind vergleichsweise unempfindlich gegen hohe Temperaturen, Wurzelgemüse wie Möhren, Rüben oder Rettich ebenfalls. Und mancherorts sieht man sogar Kiwis, Melonen und Feigen gedeihen. Eine größere Rolle spielen alte Obst- und Gemüsesorten, die oft robuster sind als hochgezüchtete neue Sorten und mit extremen Wetterereignissen besser klarkommen. Dass die kürzeren Winter auch für den Hobbygärtner Vorteile bringen, zeigt der Wiener Wintergemüse-Pionier Wolfgang Palme: Er pflanzt im Spätherbst Salat, Kohl und Wurzelgemüse und erntet das Gemüse mitten im tiefsten Winter.

Wasser und Schatten

Lange Hitzeperioden im Frühling und im Sommer, unwetterartige Regenfälle zwischendurch - Wetterextreme sind eine Herausforderung im Garten. Erfordert das neue Bewässerungskonzepte? Baumärkte bieten ausgeklügelte Systeme an, die den Garten computergesteuert und vollautomatisch feucht halten. "Wenn es irgendwann wie in Kalifornien verboten wird, den Garten zu wässern, dann muss man sich die Sache noch mal überlegen", sagt Gartenarchitekt Alexander Koch, aber bei den derzeitigen Bedingungen reiche es, Regenwasser zu speichern. Gartenbesitzer, die ganz sicher gehen wollen, lassen sich für mehrere Tausend Euro riesige Zisternen mit 10000 Liter Fassungsvermögen einbauen. "Das Gros der Gärten wird allerdings nicht komplett bewässert werden können", sagt Gartendesignerin Petra Pelz, "in der Summe wird das schnell zu teuer und unökologisch." Besser wäre umzudenken und es zuzulassen, dass sich der Garten den klimatischen Bedingungen anpasst. Was nicht bedeutet, dass man keine durstigen Pflanzen haben kann, wenn man sie entsprechend pflegt.

Nützlinge und Schädlinge

Der Klimawandel hilft Minimonstern wie dem Buchsbaumzünsler und dem Eichenprozessionsspinner. Die Kirschessigfliege breitet sich aus und bedroht Stein- und Beerenobst. Marmorierte Baumwanzen aus China befallen Gemüse und Obst. Die Grüne Reiswanze vernichtet Ernten. Bienen und andere nützliche Insekten dagegen verschwinden. Wie kann man als Hobbygärtner mit diesen Veränderungen umgehen? Bei großen einheimischen Bäumen, die von Schädlingen befallen sind, wird es schwierig. Rosskastanien etwa leiden unter der Kastanienminiermotte, die sich durch die heißen Sommer immer mehr ausbreitet. Wirksame Insektizide sind für den Hausgebrauch nicht zugelassen. Der Eichenprozessionsspinner ist in manchen Regionen ein massives Problem, ihre Nester dürfen nur von Experten in Schutzkleidung entfernt werden, weil sie schwerste Allergien und Verätzungen auslösen können. Im Gemüse- und Obstgarten kann man, je nach Schädlingsart, etwas gegen die Eindringlinge tun. Freizeitgärtner können sich beim Julius-Kühn-Institut informieren, wie man die Schädlinge fachgerecht bekämpft.

Gräser und Kräuter

"Versteppung" ist eigentlich ein negativ besetzter Begriff. Doch die gezielte, kleinräumige Versteppung des Gartens kann angesichts der sich ändernden Klimabedingungen eine schöne Sache sein. Stauden und Gräser, die eigentlich in der amerikanischen Prärie oder im Mittelmeerraum wachsen, lassen sich auch in deutschen Gärten gut einsetzen. Denn sie sind pflegeleicht, hitzeresistent und halten lange Trockenperioden aus, ohne dass man sie laufend bewässern und düngen muss. "Trockenheitsliebende Gräser und Kräuter sind Kandidaten, die gut in den klimafesten Garten passen", sagt die Gartenarchitektin Petra Pelz. Als Beispiele nennt sie Arten wie Steppensalbei, Schafgarbe, Reiherfedergräser und Disteln sowie die typischen Mittelmeer-Kräuter Thymian, Rosmarin und Salbei. Zum "Präriegarten" passen stilistisch auch anspruchslose Stauden und Gräser wie Pampasgras, Agaven, Berg-Astern, Fetthenne, Katzenminzen, Kugeldisteln und Wolfsmilch. Die Steppenbereiche sollte man mit Sand und Kies gegen Staunässe schützen.

Rasen und Wiesen

Grillen, chillen, Fußballspielen - der Rasen ist der Lieblingsteppich des deutschen Hobbygärtners. Doch Dürre und Hitze setzen den Grünflächen zu. Wer braune Stellen verhindern will, muss die Wiese bewässern oder auf Gras umsteigen, das besonders tief wurzelt. Es gibt speziell gezüchtete Rasensorten, die Hitzestress besser vertragen. Mischungen mit einem hohen Anteil an Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea) und Rot-Schwingel (Festuca rubra) sind robuster als Standardmischungen und halten längere Trockenperioden aus. Oder man verzichtet auf Rasenflächen und pflanzt mehr Sträucher und Stauden. Ein Tipp für den gestressten Rasen: Einfach mal in Ruhe zu lassen und nicht so oft mähen. "Man muss eigentlich nichts tun außer warten", sagt der Gartenarchitekt Alexander Koch vom Büro Koch + Koch. Je nach Standort gedeihen dann zwischen den Gräsern Kräuter und Blumen, die Insekten anlocken. Das ist dann kein Rasen mehr, sondern eine bunte Wiese.

© SZ vom 16.05.2020
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