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Werdende Mütter bei Olympia:Schneller, höher, schwanger

Amelie Kober und Kristie Moore zeigen, dass Olympia und Schwangerschaft vereinbar sind. Die Namensfindung allerdings sollte bitte nichts mit Sport zu tun haben.

Michael Neudecker

Magda Julin, natürlich, wer erinnert sich nicht an Magda Julin? Schwedin, wenn auch geboren in Frankreich, Olympiasiegerin im Eiskunstlaufen. Und zwar überraschende Olympiasiegerin, Mensch, war das eine Sensation, Magda Julin hatte ja noch nie einen Wettkampf gewonnen, bevor sie in Antwerpen siegte, 1920.

Damals gab es noch keine Winterspiele, weshalb Eiskunstlaufen während der Sommerspiele ausgetragen wurde, genau wie Eishockey und übrigens auch Tauziehen. Und Magda Julin war so etwas wie eine Pionierin für alle Sport treibenden Frauen: Sie war bei ihrem Sieg im dritten Monat schwanger.

Das US-Fachmagazin Glamour hat jetzt wieder an Magda Julin erinnert, schließlich ist es nun einmal an der Zeit, nach all den Themen, die die Winterspiele 2010 von Vancouver aufgeworfen haben, sich endlich einer wirklich wichtigen Frage zu widmen: "Pregnant and competing in the Olympics: Is it safe?" Schwanger und Olympiateilnehmer, ist das sicher?

Die Kanadierin Kristie Moore hat kürzlich erzählt, sie sei im sechsten Monat schwanger, was den Sportinformationsdienst (sid) zu der Feststellung veranlasste, Moore habe "einen Olympia-Rekord der besonderen Art aufgestellt", nie sei "eine Sportlerin am Fuße des Olymp schwangerer" gewesen. Kristie Moore ist Curlerin, könnte man nun sagen, bitteschön, Curlerin. Aber das wäre unfair, Curling ist nämlich wesentlich anstrengender als es aussieht, 30 Kilo Druck auf dem Besen, permanent wischen und dabei schnell gehen - "Woo, what a workout!", schreibt die Glamour zu Recht.

Schwanger im sechsten Monat, das allerdings sei doch gar nichts, wandte sogleich die schwedische Curlerin Anette Norberg ein, sie habe schon bei einer Weltmeisterschaft gespielt, "da war ich im achten Monat".

Die Snowboarderin Amelie Kober hat nun nach ihrem Ausscheiden im Parallel-Slalom auch in die Kameras gesagt, dass sie schwanger ist; und die deutsche Skeleton-Fahrerin Diana Sartor war während Turin 2006 im dritten Monat. Mit ihrem öffentlichen Bekenntnis löste Sartor damals eine ernste Debatte in Deutschland aus, an deren Ende einige Leute forderten, man sollte es Schwangeren verbieten, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Sartor sagte erst kürzlich, sie wäre als Schwangere wohl auch in Whistler gefahren.

Bevor nun eine erneute Welle der Entrüstung durch das Land geht, sei darauf hingewiesen, dass es noch weitere schwangere Beispiele aus der olympischen Geschichte gibt, woran man erkennen kann, dass schwanger sein und gleichzeitig Olympiateilnehmerin gar nichts Besonderes ist - wenn auch bislang niemand so schwanger war wie Kristie Moore, da hat der sid schon Recht.

Die Antwort auf die Eingangsfrage also wäre: Ja, es ist sicher, es ist kein Problem, schwanger bei Olympia zu sein, zumindest im Winter, wo es solche kinderunfreundlichen Sportarten wie Boxen oder Springreiten nicht gibt. Auch Amelie Kober berichtete den Kameras, ihr Arzt habe ihr Grünes Licht gegeben.

Bei Curlerin Kristie Moore war das Gesundheitsrisiko sowieso überschaubar, sie hat meistens zugeschaut bei diesen Spielen, sie ist Ersatzfrau. Und was den Namen des Babys angeht, so wird es wohl eher etwas bürgerliches werden. Sich dabei von ihrem Sport inspirieren zu lassen, lehnte sie jedenfalls ab, komisch eigentlich, die genannten Vorschläge klangen doch nicht schlecht: Rock, Skip, oder auch Hammer. Quatchi wäre vielleicht auch noch eine Idee, so heißt eines der Maskottchen der Spiele, aber das wird Kristie Moore schon selbst wissen.

© sueddeutsche.de/hec
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