Wasserspringen:Beeindruckende EM-Bilanz

Wasserspringen: Gewann EM-Gold vom Dreimeterbrett: Tina Punzel.

Gewann EM-Gold vom Dreimeterbrett: Tina Punzel.

(Foto: Attila Kisbenedek/AFP)

Federn, Absprung - und mit Schwung in den olympischen Sommer: Die deutschen Wasserspringer um Patrick Hausding präsentierten in Budapest eine Reihe makelloser Vorführungen und sorgten für eine beeindruckende Medaillenbilanz. Weder Reisestrapazen noch eine lange Wettkampfpause trübten die Konzentration der Wasserakrobaten: "Ich bin super glücklich. Als Team können wir wirklich gestärkt nach Tokio fahren", befand Europameisterin Tina Punzel (Foto). Die 25-jährige Athletin aus Dresden gewann acht Jahre nach ihrem ersten Sieg vom Dreimeterbrett erneut die Goldmedaille in der olympischen Disziplin. Am Sonntag legte sie mit Partnerin Lena Hentschel im Synchronspringen noch nach: Gold mit hauchdünnem Vorsprung von 0,09 Punkten. "Wir haben lange trainiert, ohne zu wissen, wo genau wir stehen", sagte Punzel. Jetzt gibt es einen Richtwert: Acht Medaillen - in Europa zählen sie zu den Besten.

Patrick Hausding, 32, darf sich sogar als Europas Sprung-Souverän bezeichnen. In Budapest sammelte der Olympiadritte aus Berlin seine EM-Titel Nummer 16 und 17 - vom Einmeterbrett sowie im Synchronwettbewerb vom Dreimeterbrett. Weil er zudem Bronze jeweils im Team und im Turm-Synchronwettbewerb gewann, erhöhte der Rekordeuropameister seine Medaillenausbeute auf 37 Plaketten. Diese Zahlen seien "ziemlich surreal", fand er, "ich weiß nicht, wie viele Athleten dazu in der Zukunft fähig sein werden". Für seinen Synchronpartner Timo Barthel ist Hausding "ein Idol". Deshalb war Barthel nach dem Bronzesprung vom Turm tief berührt; es war seine erste Medaille. "Ich bin super stolz, dass ich überhaupt an der Seite von Patrick springen durfte", sagte er.

Als weiteres Highlight im deutschen Verband wurde auch Martin Wolframs dritter Platz vom Dreimeterbrett gewertet. Der oft verletzte Dresdner, der sich seit 2012 allein an der Schulter vier Operationen unterziehen musste, weiß spätestens jetzt, dass sein erzwungener Umstieg vom Turm auf das Brett der richtige Schritt war. "Das hat mich selbst überrascht", sagte er nach seinen Bronzesprüngen. Der leicht angeschlagene Hausding wurde in diesem Wettbewerb nur Neunter, die vielen Wettkämpfe hätten ihn "geschlaucht", erklärte er.

Zumal hinter dem deutschen Team eine Ochsentour lag: Vom Trainingslager in Dresden ging es nach Tokio zur Olympia-Qualifikation und von dort über Frankfurt direkt nach Budapest. Die Pause nach der Rückkehr in Deutschland wird nun kurz: Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin vom 4. bis 6. Juni müssen Hausding und seine Sprungkolleginnen und -kollegen wieder antreten. Dort werden die erkämpften Olympia-Quotenplätze an die Athleten personenbezogen vergeben.

Und so bleibt vorerst nach einem von Ungewissheiten geprägten Jahr das Fazit von Europameisterin Tina Punzel: "Ich denke, wir haben die 15 Monate gut genutzt, und ich freue mich jetzt auf den Sommer."

© SZ vom 17.05.2021 / sid
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