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Volleyball:Kater nach der Quarantäne

Hachings Volleyballer haben sich bei ihrer Bundesliga-Rückkehr auf einen stimmungsvollen Heimstart gegen Meister Berlin gefreut. Doch nach einer unfreiwilligen Pause herrscht Ernüchterung.

Von Sebastian Winter

Unterhachings Volleyballer wussten, was auf sie zukommt in dieser Saison. Sie sind mit dem VC Olympia Berlin das jüngste Team der Bundesliga und haben als Nachfolger der sportlich erfolgreichen Alpenvolleys, die sich im April mit ihrem Innsbrucker Finanzier und Manager Hannes Kronthaler zurückgezogen hatten, in ihrem ersten Jahr eher bescheidene sportliche Ziele. Das Gute für sie ist, dass laut Beschluss der Volleyball-Bundesliga in dieser Corona-Saison kein Verein absteigen wird. Das nimmt der Mannschaft von Trainer Patrick Steuerwald viel Druck. Aber Kapitän Roy Friedrich sagte schon bei der Teampräsentation am 1. Oktober in der Bavaria Filmstadt, dass sie erst mal "ordentlich auf die Fresse" kriegen würden.

Das Problem war nur, dass die Hachinger sich gar nicht beweisen durften beim Saisonauftakt. Stattdessen verbrachten die zumeist sehr jungen Spieler die erste Oktoberhälfte in Quarantäne, nachdem es bei besagter Mannschaftsvorstellung, samt Führung durch die engen Kulissengänge des Kinohits "Das Boot", zwei Coronafälle im Begleittross gegeben hatte. Die erste Partie in Bühl am vergangenen Sonntag wurde auf 4. November verschoben, im Einvernehmen mit Liga und Gegner - weil Unterhaching quasi direkt aus der Quarantäne ins Spiel hätte gehen müssen.

Einer der Älteren in den Reihen des zweitjüngsten Bundesligateams: der 26-jährige Außenangreifer George Alexandru Zahar (l.), der bereits seit zwei Saisons in Unterhaching spielt.

(Foto: Claus Schunk)

Seit einer Woche dürfen immerhin alle 40 betroffenen Personen - unter anderem der Unterhachinger Bürgermeister - wieder aus dem Haus, weitere Positivfälle sind nicht aufgetreten. Damit ist das Heimspiel gegen die Berlin Volleys an diesem Sonntag (16 Uhr) nun Hachings erster Auftritt in dieser Saison. Aber unter welchen Voraussetzungen? "Die beiden fehlenden Wochen kann man nicht einfach wieder aufholen", sagt Trainer Patrick Steuerwald, "wir sind erst mal froh, uns wieder schnell bewegen zu können nach zwei Wochen zwischen Couch und Kühlschrank."

Eigentlich sollte die Rückkehr in die erste Liga mit dem Duell gegen den deutschen Serienmeister aus der Hauptstadt gebührend gefeiert werden, in Erinnerung an die glorreichen Hachinger Zeiten mit vier Pokalsiegen zwischen 2009 und 2013. Doch nun sehen auch die Rahmenbedingungen eher trist aus. Statt wie gedacht 250 Zuschauer dürfen gegen Berlin - Stand Freitag - nur 150 in die Halle. Einen öffentlichen Ticketverkauf wird es daher nicht geben, Eintrittskarten gehen an Familienangehörige und Geldgeber; das VIP-Catering fällt auch aus. "Wir haben uns das anders vorgestellt. Das ist nicht nur wegen der fehlenden Einnahmen, sondern auch wegen der fehlenden Stimmung ernüchternd", sagte TSV-Geschäftsführer Mihai Paduretu, der die Fäden des neuen, alten Erstligisten im Hintergrund zieht.

Unterhachings Bundesliga-Auftaktprogramm

25.10., 16 Uhr Unterhaching - Berlin Volleys

31.10., 19 Uhr Giesen - Unterhaching

04.11., 19 Uhr Bühl - Unterhaching

08.11., 16 Uhr Frankfurt - Unterhaching

15.11., 16 Uhr Unterhaching - Friedrichshafen

29.11., 16 Uhr Unterhaching - Lüneburg

05.12., 16 Uhr VCO Berlin - Unterhaching

06.12., 16 Uhr Königs Wusterh. - Haching

13.12., 16 Uhr Unterhaching - Herrsching

20.12., 18 Uhr Düren - Unterhaching

Sein Sohn Eric, der Zuspieler, zählt im Kader mit 21 Jahren zu den Älteren, acht Spieler sind Jahrgang 2000 und jünger, nur vier haben Erstligaerfahrung: Kapitän Friedrich, Blocker Benjamin Thom sowie die Brüder Jonas und Benedikt Sagstetter. Letzterer war allerdings vor der Quarantänepause umgeknickt und hat durch die Bänderverletzung noch mehr Trainingsrückstand als alle anderen. "Wir haben keine Chance gegen Berlin, da machen wir uns keine Illusionen", sagt Steuerwald: "Selbst deren Bank ist zu stark für uns. Die Jungs sollen Spaß haben und lernen."

Lernen können sie beispielsweise von den beiden Berlinern Sergej Grankin und Pierre Pujol, die zu den besten Stellern der Welt zählen. Grankin, Olympiasieger von 2012, gilt als Spitzenverdiener in der Bundesliga, während die Unterhachinger laut den Verantwortlichen allenfalls Fahrtkosten bekommen oder ein kleines Taschengeld, indem sie zusätzlich Jugendliche aus ihrem Verein trainieren.

Aber Lernen funktioniert eben nur über viele Wiederholungen in diesem Sport - und diese Wiederholungen hat die Quarantänezeit zunichte gemacht. "Die Grundlagen fehlen jetzt wieder", sagt Steuerwald, der durch die Pause kurz vor dem Start weitere Risiken sieht: "Dadurch steigt auch die Verletzungsgefahr. Aber leider werden wir uns daran gewöhnen müssen. Das war wohl nur ein erster Vorgeschmack."

Hachings Coach Steuerwald findet den Flickenteppich der Quarantäneregeln ungerecht

Dass längst nicht nur Unterhaching betroffen ist, zeigen weitere Fälle in der Volleyball-Bundesliga. Beim VC Olympia Berlin hatten sich sechs Spieler während der Junioren-Europameisterschaft in Brno (Tschechien) mit dem Coronavirus infiziert, bei den Frauen waren zuletzt Stuttgart und Straubing in Quarantäne. Die Straubingerinnen waren vor zwei Wochen gerade vor ihrem Hotel in Wiesbaden, wo sie tags darauf hätten spielen sollen, angekommen, als sie die Nachricht eines Positivtests im Teamumfeld erreichte. Die Partie fiel aus, Straubings Delegation fuhr zurück, vier Spielerinnen mussten in Quarantäne, alle wurden negativ getestet. Dennoch musste auch das Heimspiel gegen Schwerin verlegt werden, es soll nun am Samstag stattfinden. Nur zwei Tage, nachdem die Vier aus der Quarantäne entlassen wurden. "In den vergangenen zwei Wochen war kein reguläres Training möglich", sagt Trainer Benedikt Frank.

Die harten Quarantäneregeln, die es in Bayern gibt, gelten in manch anderem Bundesland nicht, betroffene Spieler können dort teilweise schon nach dem ersten Negativtest zum Mannschaftstraining zurückkehren. Unterhachings Coach Steuerwald nervt der Flickenteppich nicht nur, er findet ihn ungerecht: "Es ist doch ein Unterschied, ob man ein paar Tage nicht zusammen trainiert oder zwei Wochen. Schlussendlich ermöglichen die aktuellen Regelungen keinen fairen Wettbewerb."

© SZ vom 24.10.2020
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