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Volleyball:"Es wurde viel Erde verbrannt"

Manohar Faupel, Manager der insolventen Eltmanner, über die Gründe für das plötzliche Aus und eine surreale Abschlussparty mit Konfettiröhren.

Eltmanns Volleyballer waren vor dieser Saison mit großen Hoffnungen in die erste Liga aufgestiegen. Sie wollten sich etablieren und wagten auch deshalb den Schritt in die Bamberger Brose Arena. Kurz vor Weihnachten mussten sie Insolvenz anmelden, die Bundesliga (VBL) erlaubte dem Klub immerhin, die Saison zu beenden. Dann kam das Coronavirus, die Spielzeit wurde abgebrochen. Am frühen Dienstagabend teilte Eltmanns Spielbetriebs-Gesellschaft mit, dass sie trotz aller Bemühungen erneut zahlungsunfähig ist. Der Klub steht vor einem Scherbenhaufen. Wie es dazu kam und wie es weitergeht, erklärt Eltmanns Manager Manohar Faupel im SZ-Interview.

Herr Faupel, Eltmanns Volleyballer sind zahlungsunfähig, der Klub hat seinen Spielern, dem Trainer und allen weiteren Mitarbeitern gekündigt. Warum?

Manohar Faupel: Ein Hauptsponsor von uns sieht sich aufgrund der Corona-Krise nicht mehr in der Lage, seine vertraglich zugesicherten Sponsorengelder in voller Höhe zu bezahlen. Die Nachricht kam in der vorherigen Woche überraschend. Zusätzlich haben wir gegenüber einem unserer Gesellschafter zum Teil längerfristige Forderungen in erheblicher Höhe, die er noch nicht beglichen hat. In Summe geht es um einen fast sechsstelligen Betrag, der uns in der aktuellen Liquidität massiv fehlt. Damit sollten zum Großteil noch ausstehende Gehälter gezahlt werden. Es ist leider ein Desaster, was hier passiert ist. Neben dem wirtschaftlichen Schaden wurde in der Bundesliga und in der Region sportlich viel Erde verbrannt.

Dabei schien Eltmann nach dem kurz vor Weihnachten gestellten Insolvenzantrag auf dem richtigen Weg zu sein.

Ja. Zwar musste jedes bestellte Essen für die Volleyballprofis, jeder Bus, der sie zu Auswärtsspielen gebracht hat, in den letzten Wochen und Monaten vom vorläufigen Insolvenzverwalter freigegeben werden. Aber die Zusammenarbeit mit ihm funktionierte sehr gut. Wir haben bis zuletzt alle Anstrengungen unternommen, den Spielbetrieb bundesligakonform durchzuführen und die Gehälter zu bedienen. Das war auch klare Bedingung der VBL, um eine Lizenz für die neue Saison zu erteilen - ob in der ersten oder zweiten Liga. Durch die erneute Insolvenz hat der Insolvenzverwalter letztlich aber keine Möglichkeit mehr gesehen und zum Wochenende alle Arbeitsverträge aufgekündigt. Von den Kündigungen habe ich erst erfahren, als ich vom Trainer und Spielern am Samstag angerufen wurde, weil sie das Schreiben im Briefkasten hatten. Das ist sehr unprofessionell.

Manohar Faupel Eltmann

„Ein Desaster“: Eltmanns Manager Manohar Faupel, 47, kam nach drei Jahren bei Ligakonkurrent Bühl erst Ende September nach Franken – und steht vor einem Scherbenhaufen.

(Foto: privat/oh)

Wie geht es nun weiter?

An diesem Donnerstag sollte ohnehin voraussichtlich das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Wir müssten nun alle Gesellschafter mit ins Boot holen, also den Hauptverein, der die Lizenz hält, und die weiteren Einzelpersonen. Sie müssten nun Leistungen erbringen, denn die Insolvenz in der Insolvenz ist für niemanden von Vorteil, auch nicht für den Hauptverein. Aber ob das passiert, ist in der derzeitigen Lage fraglich. Zudem steht ja noch eine Geldstrafe der VBL wegen des Insolvenzantrags im Raum. Sie steht im Lizenzstatut, und es steht zu befürchten, dass sie mit dem erneuten Umfallen der Spielbetriebsgesellschaft in voller Höhe anfällt.

Wie hoch ist die Strafe?

32 000 Euro - und der Ausschluss aus den Lizenzligen für die nächsten Jahre, also aus erster und zweiter Liga. Die Geldstrafe kann die Spielbetriebs-GmbH nicht zahlen, weil sie durch die neuerliche Insolvenz platt ist. Dafür muss der Verein als Lizenznehmer dann aufkommen. Das ist eine schwere Bürde und macht es für Eltmanns Zukunft noch schwieriger.

Was hat Eltmann denn überhaupt so an den Abgrund gedrängt?

Der Umzug in die Bamberger Brose Arena war nur einer von mehreren Faktoren. Gegen die Berlin Volleys hatten wir dort 2600 Zuschauer, es war ein tolles Spiel. Aber selbst an diesem Abend im Dezember haben wir nichts verdient - weil sehr viel über Freikarten lief. Im Schnitt kamen 1000 Fans in die Arena, damit kannst du als Aufsteiger nicht wirtschaften. Zugleich haben wir gegen die übermächtigen Bamberger Basketballer um Aufmerksamkeit gekämpft. Und dass unser Spielerkader für einen Aufsteiger finanziell überambitioniert war, hat sicher auch nicht geholfen, wirtschaftlich auf Kurs zu bleiben.

Deutschland - Frankfurt - 19.01.2020 / Volleyball - Hessen - 1. Bundesliga - Herren Saison 2019/2020 / United Volleys F

Ein Bild fürs Klubarchiv: Die Eltmanner Volleyballer (in rot) werden künftig nicht mehr in den Bundesliga-Hallen, wie hier bei den United Volleys Frankfurt, antreten.

(Foto: Marcel Lorenz/imago)

Die Situation ist umso bitterer für Eltmann, weil die VBL entschieden hat, dass es nach dem Saisonabbruch keinen Regelabsteiger in die zweite Liga gibt. Damit wäre Eltmann sportlich betrachtet Erstligist geblieben, obwohl der Klub Letzter war.

Aber durch die Corona-Situation wäre es nun noch schwieriger gewesen, das Budget für die erste Liga zusammenzubekommen. Die Sponsoren haben ihre eigenen Probleme, der Markt in Bamberg hat für uns ohnehin nicht mehr existiert, da wir künftig nur mit der Georg-Schäfer-Sporthalle in Eltmann geplant hätten. Und in Eltmann ist es ebenfalls schwierig: Heitec und Oshino, unsere wichtigsten Sponsoren, sind im Automobilsektor unterwegs. Woher hätten die 500 000 Euro kommen sollen, die es für die erste Liga braucht?

Sind Eltmanns Spieler alle abgereist?

Wir haben alle auswärtigen Spieler zwischen dem 14. und 18. März über die Grenze gebracht. Nach Österreich, Frankreich, Holland, Polen, in die Slowakei, nach Serbien, Brasilien und Japan. Das war teils abenteuerlich. Unser Franzose Carlos Anthony ist zwei Stunden vor Schließung über die Grenze gerutscht. Und Tomas Halanda aus der Slowakei habe ich Sonntagnacht nach Passau gefahren, bevor die Grenze nach Österreich zumachte. Sein Vater kam mit dem Auto aus Bratislava, und sie sind sofort wieder los, um es noch nach Hause zu schaffen. Das war ein heißer Ritt, aber noch Glück im Vergleich zu anderen Klubs, bei denen mancher Profi gestrandet ist.

Einen gemeinsamen Saisonabschluss gab es demzufolge auch nicht mehr?

Doch. Die Mannschaft hatte einen guten Riecher und sich gleich den Freitagabend nach dem Saisonabbruch für ein letztes, gemeinsames Abendessen in Bamberg ausgesucht - obwohl keiner erwartet hat, dass es dann so schnell gehen würde. Nach dem Restaurantbesuch haben wir auf dem Parkplatz noch ein paar Konfettiröhren gezündet. Das war eine Riesenschweinerei, aber auch eine Mordsgaudi und irgendwie ein surrealer Abschluss dieser verrückten Saison. Es ist tragisch, dass selbst diese Aktion vor der Insolvenz völlig verblasst.

© SZ vom 01.04.2020

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