Volleyball-EM:Erst gegen 10 000 verloren

Lesezeit: 2 min

Volleyball EM - Deutschland - Polen

Bei der EM im vergangenen Sommer überzeugten die deutschen Frauen um Louisa Lippmann (Mitte) in der Gruppenphase, scheiterten dann aber im Viertelfinale unglücklich mit 2:3 an Polen.

(Foto: Grzegorz Michalowski/dpa)

Deutschlands Volleyballerinnen ziehen trotz des Aus im Viertelfinale ein positives EM-Fazit.

Von Ulrich Hartmann, Lodz/München

"Besuche Polen!", stand am Mittwochabend sehr freundlich in riesigen Buchstaben neben dem Volleyballfeld in der Atlas-Arena von Lodz. Die deutschen Volleyballerinnen haben genau dies getan, um bei der Europameisterschaft ins Halbfinale einzuziehen, aber als sie im Viertelfinale gegen die Gastgeberinnen spielen mussten, erklangen bei jedem ihrer Aufschläge gellende Pfiffe von knapp 10 000 polnischen Zuschauern, und das war dann natürlich nicht mehr ganz so freundlich.

Die deutschen Volleyballerinnen haben gegen all die Pfiffe und gegen die teils baumlangen Kontrahentinnen mehr als zwei Stunden lang tapfer und phasenweise glänzend gespielt, aber am Ende haben sie doch mit 2:3 verloren und sind aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Etwa vier Stunden später wurden sie schon aus ihrem Hotel abgeholt und zum Flughafen nach Warschau gefahren. Mittlerweile sind sie alle wieder daheim. So schnell geht das. Man sagt dazu: Ein Traum ist geplatzt.

Nach der Enttäuschung wird die Erkenntnis bleiben, dass sie eine gute EM gespielt haben. Sie haben sechs Spiele gewonnen, unter anderem gegen Russland und im Achtelfinale gegen Slowenien. Gegen Polen waren sie physisch unterlegen, hatten weniger Erfahrung, trotzdem zeigten sie sich spielerisch phasenweise gleichwertig. Bundestrainer Felix Koslowski sagte stolz: "Wir haben bei dieser EM nur ein einziges Spiel verloren, und das vor zehntausend polnischen Zuschauern in Lodz - solch ein Spiel gewinnen die Polinnen nicht, wenn sie es nicht in Lodz spielen."

Dieser Satz könnte noch relevant werden für die deutschen Volleyballerinnen. Im Januar werden sie versuchen, sich im finalen europäischen Qualifikationsturnier noch für Olympia in Tokio zu qualifizieren, und dabei könnten sie dann bereits wieder auf Polen treffen. Deutschland, Polen, die Türkei und die Niederlande (und sogar noch vier weitere Nationen) dürfen dann noch genau einen einzigen Olympiateilnehmer ausspielen. Das wird schwierig, aber Koslowski sagte nach den vielen positiven Erkenntnissen bei der EM: "Dieses Ziel ist realistischer geworden."

Bei der EM spielt im Halbfinale Titelverteidiger Serbien gegen Italien, die Polinnen treffen auf die Türkei, was für sie schon deshalb schwierig wird, weil die letzten vier Spiele der EM in Ankara ausgetragen werden. Diese Partien können sich die deutschen Spielerinnen zwar nur noch im Fernsehen anschauen, Koslowski findet aber, dass sie dann ruhig auch ein bisschen stolz sein dürfen. "Sie haben emotional alles reingehauen und jedes Quäntchen Power herausgequetscht." Viel mehr kann man von einem EM-Auftritt eigentlich nicht erwarten.

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