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Volleyball:Abgesang auf großer Bühne

Es sieht nach Generalprobe aus, was die Kameras in der Innsbrucker Olympiahalle beim 3:0 der Alpenvolleys gegen Giesen einfangen. Das Spiel ist sowohl eines der ersten als auch das letzte der Bundesliga.

Der Donnerstagabend in der Innsbrucker Olympiahalle begann, wie es sich für ein Live-Spiel der Volleyball-Bundesliga im Fernsehen gehört. Der Hallensprecher schmetterte euphorisch die Namen der Spieler ins Mikrofon, diese klatschten einander auf dem Feld ab, laute Musik dröhnte aus den Boxen. Doch sie klang gespenstisch hohl, und was die Kameras filmten, sah nach Generalprobe aus, nicht nach einer Aufführung: Sie glitten über leere Tribünen, hier und da hockte ein Mitarbeiter aus dem Tross der gastgebenden Hypo Tirol Alpenvolleys Haching einsam zwischen hunderten unbesetzten Stühlen.

Zu Beginn des ersten Satzes hatten sich auch die Spieler noch nicht an das Ambiente gewöhnt. Giesens Libero Milorad Kapur drehte nach einer Aktion mit einem Kampfschrei in jene Richtung ab, in der er unter normalen Umständen die eigenen Fans vermutet hätte. Er riss animierend die Arme nach oben - und ließ sie unverrichteter Dinge wieder sinken. Denn es hallte nur wider; von der Musik, vom eigenen Schrei, der Rest: Stille und das Quietschen von Turnschuhen auf Hallenboden.

Das ungefährdete 3:0 (25:22, 25:15, 25:20) der Alpenvolleys gegen Giesen wirkte wie ein höherklassiges Trainingsspiel. Mehr Bedeutung kam ihm letztlich auch nicht mehr zu, weil es nicht nur eines der ersten, sondern zugleich das letzte Geisterspiel in der Volleyball-Bundesliga war. Wegen der exponentiellen Ausbreitung des neuen Coronavirus erging noch am Donnerstagabend der Liga-Beschluss, den Spielbetrieb aller Ligen mit sofortiger Wirkung einzustellen; es wird weder bei den Frauen noch bei den Männern einen deutschen Meister geben.

Hannes Kronthaler, Generalmanager der Alpenvolleys, hatte sich bereits vor der endgültigen Absage zumindest für eine Beendigung der Saison nach der Hauptrunde, also innerhalb der kommenden Woche ausgesprochen. "Ich persönlich glaube, dass es keine Zukunft hat, das so zu spielen. Alle Ligen sind in der finalen Phase, das sollte eigentlich der Höhepunkt sein, und jetzt spielen wir in leeren Hallen", sagte er; und fügte hinzu: "Man muss berücksichtigen, dass ein Team, in dem ein Spieler infiziert ist, sofort ausgeschlossen würde - dann beginnt die Wettbewerbsverzerrung." Hinzu komme die allgemein unklare Gefährdungslage: "Das Problem ist, dass sich niemand richtig auskennt."

Dass sich sein Team nach zuletzt drei Niederlagen zurück in alter Form präsentierte und der eigens für die Playoffs nachverpflichtete Ukrainer Dmytro Shavrak in seinem ersten Match über die volle Zeit eine solide Partie spielte, geriet zur Nebensache. "Natürlich wäre es schön, fertig spielen zu können", sagte Libero Florian Ringseis, noch ehe der Liga-Beschluss publik wurde, "aber wenn sich dadurch irgendwer in Gefahr bringt, ist es nicht sinnvoll."

Tatsächlich war unmittelbar nach dem Abpfiff zu besichtigen, warum die Gefahr bei einer Fortsetzung der Saison unweigerlich zu einem allgegenwärtigen Begleiter geworden wäre: Mittelblocker Saso Stalekar tropfte der Schweiß aus den Haaren, als er und seine Mitspieler einander beim Hüpfen kurz unterhakten, es folgten Handshakes zwischen Offiziellen, Unparteiischen, Trainern und Spielern. So sind die Sitten im Sport, so gehört es sich, Pandemien stoppt man auf diesem Weg jedoch nicht.

© SZ vom 13.03.2020

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