Tischtennis:Titel Nummer 75 in der Schwebe

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Tischtennis: Im Ungewissen: Noch ist offen, ob Düsseldorfs Topprofi Timo Boll mit seiner Mannschaft die aktuelle Champions-League-Trophäe behalten darf.

Im Ungewissen: Noch ist offen, ob Düsseldorfs Topprofi Timo Boll mit seiner Mannschaft die aktuelle Champions-League-Trophäe behalten darf.

(Foto: MaJo/Imago)

Borussia Düsseldorf muss nach einem stattgegebenen Einspruch zweier russischer Klubs um den Champions-League-Sieg bangen.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Noch steht der vor zwei Monaten gefeierte Champions-League-Triumph als 75. Titel der Vereinsgeschichte auf der Internetseite von Borussia Düsseldorf. Noch steht die Champions-League-Trophäe in einer Vitrine im Düsseldorfer Tischtennis-Zentrum. Doch noch weiß niemand, ob die Borussia um Spitzenspieler Timo Boll den siebten Champions-League-Titel ihrer Klubhistorie behalten darf oder ob für 2022 womöglich gar kein Titelträger in die Siegerliste dieses europäischen Wettbewerbs eingetragen wird.

Das Sportgericht der Europäischen Tischtennis-Union (ETTU) hat einem Einspruch der vom Verband ausgeschlossenen russischen Champions-League-Halbfinalduellanten Orenburg und Jekaterinburg stattgegeben. Es hat deren Ausschluss aus dem Wettbewerb ebenso für ungültig erklärt wie den von der ETTU beschlossenen Titelgewinn Borussia Düsseldorfs.

Jetzt wartet die Branche gespannt auf eine Entscheidung des Verbands, ob das Halbfinale zwischen Orenburg und Jekaterinburg sowie ein Finale gegen Düsseldorf nachgeholt werden, ob der Wettbewerb nachträglich abgebrochen oder ob Düsseldorf doch wieder zum Sieger erklärt wird, indem die ETTU die Angelegenheit nämlich vom Internationalen Sportgerichtshof Cas klären lässt. "Ich hoffe, dass wir den Titel zurückbekommen", sagt Borussias Manager Andreas Preuß, "aber wir würden auch akzeptieren, wenn es nicht so wäre." Es sei ohnehin ein "trauriger Titel" gewesen. Ohne Endspiel, bereits als Halbfinalsieger gegen den 1. FC Saarbrücken, war Düsseldorf zum Champions-League-Sieger erklärt worden.

Orenburg und Jekaterinburg bekamen Recht vom Board of Appeal der ETTU

Anfang März, der russische Einmarsch in die Ukraine war gerade ein paar Tage alt, trat bei der ETTU der Russe Igor Levitin als Präsident zurück, und alle russischen und belarussischen Vereine wurden von den Wettbewerben ausgeschlossen. Eine Stunde bevor Düsseldorfs Halbfinal-Rückspiel gegen Saarbrücken begann, drang durch, dass der Sieger dieses Halbfinals wohl bereits Champions-League-Sieger sein würde. Es dauerte zwar noch zwei Wochen, ehe sich die ETTU zu dieser Entscheidung durchrang, doch seither wähnten sich die Düsseldorfer als Champions-League-Titelträger.

Die russischen Vereine Fakel Gazprom Orenburg and TTSC UMMC Jekaterinburg legten allerdings Einspruch ein. Und sie bekamen Recht vom Board of Appeal der ETTU. Das Gremium untersagte dem Verband, "Klubmannschaften wie Vertreter ihrer Länder" zu behandeln. Also wurde angeordnet, das Halbfinale der beiden russischen Klubs ebenso auszutragen wie anschließend das Endspiel gegen Düsseldorf. Dies, so teilte die deutsche ETTU-Vizepräsidentin Heike Ahlert aus Schleswig mit, halte man im Verband allerdings für "keine Option."

Ein Spiel gegen einen russischen Gegner schließen die Düsseldorfer kategorisch aus. Borussia-Manager Preuß interessiert dann auch mehr, was das ETTU-Sportgerichtsurteil für die kommende Champions-League-Saison bedeutet. Sie beginnt bereits in drei Monaten, und es deutet wenig daraufhin, dass sich das Problem mit dem Krieg und der Teilnahmeberechtigung russischer Teams bis zum August von selbst geklärt haben könnte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde irrtümlich der Eindruck erweckt, das Board of Appeal der ETTU habe seine Entscheidung in dem Fall unter der Leitung des Nürnberger Wirtschaftsjuristen Peter Meyer getroffen. Dies ist nicht der Fall. Meyer steht dem Gremium zwar vor, war mit der Sache wegen der Beteiligung eines deutschen Vereins aber nicht befasst.

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