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Turmspringen:10-Meter-Bert tritt ab

Schwimmen: Weltmeisterschaft

Gehören zusammen wie Ernie und Bert: Die Turmspringer Patrick Hausding (oben) und Sascha Klein.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Hausding/Klein, das war seit Jahren das Erfolgsduo im Synchronspringen. Jetzt trennen sich die Wege. Sascha Klein hört auf - mit WM-Bronze.

Das Beziehungs-Aus kam um 19.48 Uhr. Sascha Klein und Patrick Hausding stehen in der Duna Aréna in Budapest, zehn Meter über dem Pool, boxen noch einmal kumpelhaft die Fäuste. Zwei Schritte vor, Umdrehen, Ausbalancieren, Abspringen, Drehungen zaubern, Auftauchen. Kaum Spritzer, wie schon in den fünf Sprüngen zuvor und nachdem die letzten Punkte verteilt sind, weiß auch Sascha Klein: Seine lange Karriere endet tatsächlich mit WM-Bronze.

Der Höhepunkt: 2013 in Barcelona schnappten sie den Chinesen WM-Gold weg

Hausding/Klein, das klang in den vergangenen Jahren nach Ernie und Bert, einem unvergleichlichen Duo. 2008 Olympia-Silber, 2011 WM-Silber und 2013 sogar Gold - wer in den vergangenen zehn Jahren internationale Medaillen erobern wollte, kam an den beiden kaum vorbei, neun Mal in Folge wurden sie Europameister. "Wir waren sehr erfolgreich, das muss uns erst mal jemand nachmachen", sagte Klein nach dem ergatterten WM-Bronze in Budapest. "Wir haben von der letzten Medaille geträumt", meinte sein frischer Ex-Partner Hausding, "dass es dann auch geklappt hat, ist märchenhaft." Was auch für die gemeinsame Zeit gelten kann.

Sascha Klein ist 31 Jahre alt und seit eineinhalb Jahren Vater, eigentlich wollte er schon nach Olympia in Rio aufhören mit dem intensiven Sport und die Energie seiner Familie widmen. Doch Hausding überredete ihn, erst die lukrative Weltserie mitzunehmen. Und dann auch noch diese WM. Es gibt einen Satz von Hausding, der gut beschreibt, warum für einen 31-Jährigen mal Schluss sein muss mit dem Wasserspringen. "Es gibt so Tage, da wachen wir auf und fragen uns gegenseitig: Na, fühlst du dich heute auch wie 60? Nee, eher wie 70", sagte der 28-Jährige damals in Rio. Der Zustand der Schmerzfreiheit kommt in solchen Karrieren im Grunde nicht mehr vor. Tausende Sprünge pro Jahr, mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometer pro Stunde tauchen sie ins Wasser ein - nicht immer gelenkschonend. Doch für Budapest sollte es für Klein noch reichen, es ist ja ein besonderer Ort: 2006 gewann er hier seine erste von 14 EM-Medaillen.

Patrick Hausding hat seinen Partner mit Ernie-hafter Lockerheit oft überstrahlt, doch tatsächlich war es Klein, der vor neun Jahren zuerst für Furore sorgte und in China, dem Mekka der Wasserspringer, über Nacht berühmt wurde: Bei einem Weltcup in Peking zeigte er mit einem viereinhalbfachen Salto vorwärts den schwierigsten Sprung - und gewann. Kleins Bild war groß in den Zeitungen in der Volksrepublik, Fans pilgerten zum Teamhotel. Lutz Buschkow, damals schon Bundestrainer, erklärte Kleins Stärke recht eindrücklich: "Viele können schnell drehen, aber wissen dann nicht mehr, wo oben und unten ist." Sascha Klein wusste das stets und nutzte es sportlich wie mental. Als er mit Hausding bei Olympia 2008 um die Medaillen kämpfte, verpatzte Hausding den vorletzten Sprung, beinahe wären die beiden noch vom Podest gerutscht. Während Hausding fluchte und schimpfte, beruhigte ihn sein Partner. Und dann zeigten sie im letzten Versuch ihren schwierigsten Sprung. Ergebnis: Tageshöchstwertung und Silber. Glücklicher machte sie nur das WM-Gold 2013 in Barcelona, bei dem sie selbst die Chinesen hinter sich ließen - das passiert im Grunde nie.

"Er reißt eine Riesenlücke und lässt sich nur schwer ersetzen", sagte Lutz Buschkow nun, und Klein bedankte sich bei Hausding "für all die Jahre. Ich bin einfach nur glücklich". Da saß Hausding neben ihm, er selber will noch bis Tokio 2020 vom Brett weitermachen, und zog imaginär den Hut. So lässt es sich es sich gut auseinander gehen.

© SZ vom 19.07.2017
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