Trabrennen:Lukrative Ausflüge

Trabrennen: Im Rennen um den Bayern-Pokal setzen sich Winnetou Diamant und Micha Brouwer durch.

Im Rennen um den Bayern-Pokal setzen sich Winnetou Diamant und Micha Brouwer durch.

(Foto: Claus Schunk)

Beim Bayern-Pokal, dem Saisonhöhepunkt auf der Daglfinger Trabrennbahn, triumphiert ein junger Holländer, während Routinier Rudi Haller einen Hattrick feiert.

Von Frederik Kastberg

Er hätte locker noch einen Kilometer weiterfahren können, so viel Power hätte sein Pferd noch gehabt, sagte Micha Brouwer nach dem Rennen. Kurz zuvor hatte er den Bayern-Pokal, den sportlichen Höhepunkt im Kalender der Daglfinger Trabrennbahn, für sich entschieden. Ob eine weitere Runde im Sand von Daglfing seinem Pferd Winnetou Diamant so gut getan hätte, sei mal dahingestellt.

Schließlich wirkte der Wallach nach den 3100 Metern des Rennens schon einigermaßen erschöpft, als ihm vor der Siegerehrung der obligatorische blau-weiß karierte Umhang mit der Aufschrift "Bayern-Pokal" übergestreift wurde. 26 250 Euro war dieser Umhang wert, so viel brachte der vierjährige Winnetou Diamant seinen Besitzern mit dem Sieg ein. Mit einem anderen Pferd hatte der gerade mal 21-jährige Brouwer vor zwei Wochen erst völlig überraschend das Finale des deutschen Traber-Derbys in Berlin gewonnen und damit rund 100 000 Euro Preisgeld. "Ein guter Monat", bilanzierte er am Sonntag in München mit einem Grinsen im Gesicht.

Später, beim Verladen seines Sulkys in einen schwarzen Transporter, auf dem in roter Farbe der Name des Trainers Paul Hagoort prangte, schilderte der junge Niederländer, dass sich der Wallach zu Beginn des Rennens nicht gut angefühlt habe. "Ich dachte, dass er heute nicht bei hundert Prozent ist, er war auf den ersten zwei Kilometern etwas schwerfällig unterwegs." Deswegen habe er mit dem Endspurt lange gewartet. Seine Geduld sollte sich auszahlen, mit viel Tempo zog er auf der Zielgeraden noch locker an seinen Konkurrenten vorbei.

Der Favorit Halva von Haithabu verpatzte den Start und war chancenlos

Nichts mit dem Ausgang des Rennens hatte Mitfavorit Halva von Haithabu mit Fahrer Thorsten Tietz zu tun, der sich nach einer Galoppade nach wenigen Metern verabschiedete. Bei einigen der rund 700 Zuschauer an der Strecke machte sich Ernüchterung breit. Es hätten noch 300 Leute mehr an die Strecke kommen dürfen, trotzdem war Sascha Multerer, der Rennsekretär des Münchner Trabrenn- und Zuchtvereins (MTZV), äußerst zufrieden: "Guter Besuch, starker Sport und den besten Umsatz, den wir seit Beginn der Pandemie hatten", fasste er zusammen. 117 000 Euro brachte der Renntag ein. Besonders freute er sich über die Deutschland-Premiere der neuen Rennserie Trotting Classics Tour (TCT) für Zweijährige, die Pferde nach München gelockt habe, "die wir ohne das Rennen sonst nie gesehen hätten". Hier führte Goldhelmträger Michael Nimczyk Yahoo Diamant zum Sieg.

Das Publikum war bunt gemischt am Sonntag, ältere Herren mit Ferngläsern, die über die Stärken ihrer Tiere fachsimpelten und zum Stammpublikum zählten, aber auch manche, die zu dieser Zeit ohne Pandemie eher woanders anzutreffen gewesen wären - am Samstag hätte ja das Oktoberfest begonnen. Ein junger Mann mit blondierten Haaren und aufgeknöpftem Jeans-Hemd etwa, der sich bei zwei Frauen nach Tipps erkundigte und sie dankbar auf seinen Wettschein kritzelte. "Man spart ja Geld, weil keine Wiesn ist, und hier kannst du das Geld verdoppeln", lautete seine Rechnung. Die Tipps der Expertinnen entpuppten sich als gewinnbringend.

Routinier Rudi Haller legte einen lupenreinen Hattrick hin

Ein lohnender Tipp war am Sonntag auch der Münchner Rudi Haller. Dem 56-Jährigen gelangen in drei aufeinanderfolgenden Rennen drei Siege - ein lupenreiner Hattrick, wie man im Fußball sagt. "Das geht fast nicht besser", urteilte er. "Wir hatten gute Pferde, aber es muss trotzdem immer alles passen." Neben den vieren, bei denen er selbst im Sulky saß, hatte der Trainer noch drei weitere Starter dabei, die ebenfalls gute Platzierungen erreichten. Ein solcher Tag komme auch nicht oft vor, sagte er.

Gäste wie Brouwer kann man als Signal deuten, dass es weitergeht in der Sportart, dass junge Leute nachkommen und vielleicht auch junges Publikum anziehen, selbst hier vor den etwas aus der Zeit gefallenen Daglfinger Betonfassaden. Haller zählt eher zur klar überwiegenden Riege altgedienter Routiniers. Am Montagmorgen stand er schon wieder im Stall, um die Pferde auf die nächsten Rennen vorzubereiten. "Es ist ein sehr harter Job, da muss man viel Liebe und Herzblut für das Ganze haben", sagte er. Bis zu 90 Stunden pro Woche verbringe er mit den Pferden, hatte er nach seinem letzten Rennen am Sonntag erschöpft vorgerechnet. Ans Aufhören denke er aber noch lange nicht: "Ein bisschen was geht schon noch."

© SZ/lib
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB