bedeckt München 26°

Tennis:"Scharapowa ist hinter ihrem Schutzwall angenehm"

Maria Sharapova

Tennisspielerin Maria Scharapowa, 29.

(Foto: Aaron Favila/AP)

Das Turnier in Stuttgart ist das beliebteste auf der Frauentour. Turnierdirektor Markus Günthardt erklärt, warum - und spricht über die Eigenheiten der Spielerinnen.

Das Tennisturnier in Stuttgart ist in den vergangenen neun Jahren sechsmal zum beliebtesten Turnier der Frauentour gewählt worden. Abgestimmt haben die Spielerinnen. Deshalb macht es die Auszeichnung in den Augen des Turnierdirektors Markus Günthardt noch wertvoller. Im Interview erklärt der Schweizer, wie man das schafft, ohne dafür verrückte Wünsche erfüllen zu müssen.

SZ: Herr Günthardt, gibt es eigentlich die Betthupferl noch, die jeden Abend auf dem Kopfkissen der Spielerinnen lagen, als das Turnier noch in Filderstadt ausgespielt worden ist?

Markus Günthardt: Selbstverständlich. Als wir 2006 von Filderstadt nach Stuttgart umgezogen sind, waren ja viele Werte aufgebaut worden, die wir nicht verlieren wollten. Wir haben den Standortwechsel immer als Riesenchance gesehen, aber auch als Challenge, weil wir die Nähe der Spielerinnen zum Publikum, die familiäre Atmosphäre bewahren wollten. Interessanterweise habe ich gerade mitgekommen, dass eine Spielerin, deren Namen mir gerade entfallen ist, beim Turnier in Miami einer anderen Spielerin von den Betthupferln vorgeschwärmt hat. Es sind diese kleinen Geschichten, die uns helfen, Jahr für Jahr die besten Spielerinnen nach Stuttgart locken zu können.

Was finden die Spielerinnen denn jeden Abend auf dem Kopfkissen?

Unsere Geschenke sind nicht wertvoll, was den Kaufpreis anbelangt. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was wir in diesem Jahr alles im Angebot haben. Früher habe ich die auch noch regelmäßig gekriegt, aber mittlerweile werde ich übergangen. Unsere Sponsoren lassen sich immer etwas Schönes einfallen, es sind meist ganz nützliche Dinge, wie zum Beispiel ein Reiseladegerät fürs Handy. Ich will ja nicht irgendetwas schenken, sondern die Spielerinnen sollen es hinterher ja auch nutzen können.

Die Annehmlichkeiten hören nicht beim Betthupferl auf. Die Spielerinnen können sich die Woche über jeden Tag einen neuen Sportwagen des Hauptsponsors ausleihen und damit in der Gegend herumfahren.

Es geht hier um Spitzenathleten. Wir wollen, dass sie alle wieder kommen und hier Topleistung bringen. Deshalb bieten wir ihnen perfekte Bedingungen. Bei den Herren würde ich auch so vorgehen, vielleicht würde ich ihnen kein Betthupferl aufs Kopfkissen legen. Unsere Strategie folgt einer klaren Logik, wir bieten einen guten Court, ein Hotel gleich neben der Halle und genügend Möglichkeiten zum Trainieren. Es muss alles einfach sein, aber nicht übertrieben. Das Gesamtpaket muss in sich stimmig sein. Das ist das Geheimnis. Mehr nicht.

Sporticker Kerber ringt Kvitova nieder
Sporticker
Tennis

Kerber ringt Kvitova nieder

Tennisspielerin steht nach schwierigem Spiel im Finale von Stuttgart. Darmstadt-Stürmer Wagner meint, Fußballer verdienen teilweise zu wenig. Miroslav Klose soll vor einem Transfer in die USA stehen.

Und das Auto?

Unser Hauptsponsor Porsche hat weltweit eine große Magnetwirkung und ist auch ein Partner, der den Spielerinnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten möchte. Aber ich stelle immer häufiger fest, dass sich nicht vornehmlich die Spielerinnen aus dem Fuhrpark bedienen, sondern ihre Trainer. Der Coach ist für mich genauso wichtig wie die Spielerin, weil er sie bei der Turnierplanung stark beeinflusst. Deshalb behandeln wir die Trainer auch großzügiger als bei anderen Turnieren. Wir waschen ihnen zum Beispiel wie den Spielerinnen jeden Abend die schmutzigen Klamotten und legen sie ihnen am nächsten Morgen frisch gebügelt wieder ins Hotelzimmer. Wenn sich der Trainer wohlfühlt, dann fühlt sich oft auch die Spielerin wohl. Deshalb bezahlen wir ihm auch noch das Zimmer.

Und das Auto würden Spielerin und Trainer am liebsten auch gleich behalten?

Das wollen sie alle gerne mitnehmen. Aber diesen Wunsch hat mir gegenüber noch niemand geäußert. Das würde natürlich auch nicht gehen.

Was war denn der extravaganteste Wunsch einer Spielerin, dem Sie begegnet sind?

Da fällt mir im Moment überhaupt kein Beispiel ein. Ich hatte bisher nie eine Spielerin, bei der ich dachte, die spinnt. Am Ende des Tages sind das alle junge Frauen, die gut erzogen sind. Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Es ist häufiger das direkte Umfeld, das sie verrückt macht.

Und Sie haben auch nichts Verrücktes mit den beiden Ausnahmeerscheinungen Serena Williams und Maria Scharapowa erlebt?

Die beiden waren sogar sehr pflegeleicht. Besonders Maria erwies sich als angenehmer Mensch, wenn man erst einmal ihren Schutzwall umgangen hat. Dann findet man eine ganz normale Frau vor, die sich an ihre Zusagen zu 150 Prozent hält.

Überhaupt keine Sonderwünsche?

Im Gegenteil. Von ihr habe ich sogar mal einen Abschiedsbrief bekommen, was wirklich nicht oft passiert. Sie hat sich dafür bedankt, wie großartig alles war und dass wir keinen Unterschied machen würden zwischen ihr, dem Superstar, und anderen Spielerinnen. Das war mir ein sehr wichtiges Kompliment, weil ich Scharapowa nicht anders behandeln möchte als eine Spielerin aus der Qualifikation. Vielleicht gibt es mal für die prominentere ein Zimmer mehr. Aber mehr nicht. Diese gleiche Behandlung ist ein Grundprinzip von mir. Das sind auch die Details, die alle Spielerinnen in Stuttgart so schätzen.

Hilft es bei der Betreuung auch, dass Sie selbst ein Weltklassespieler waren?

Ich war ja nie eine Spielerin. Aber man möchte seinen Ex-Kollegen, auch wenn sie aus einer anderen Generation kommen, ein perfektes Umfeld bieten. Ich habe natürlich ein Gefühl dafür entwickelt und kann besser beurteilen, was nötig und was absoluter Blödsinn ist. Wichtig ist, dass wir die Spielerinnen als ganz normale Menschen behandeln.

Deshalb essen die Spielerinnen auch mit den Gästen gemeinsam im Vip-Raum?

Liebe geht wirklich durch den Magen. Das habe ich gelernt. Viele dachten ja, dass ich verrückt sei, als ich den Vip-Raum zum Spielerrestaurant umfunktioniert habe. Die Spielerinnen stellen sich mittlerweile freiwillig in die Schlange, um schneller bedient zu werden. Mich ärgert es inzwischen sogar, dass sie, wenn sie über Stuttgart sprechen, zuerst an das herausragende Essen denken.

Sporticker Suspendierte Scharapowa vielleicht doch zu Olympia?
Sporticker

Tennis

Suspendierte Scharapowa vielleicht doch zu Olympia?

Trotz Dopingdebatte könnte die Tennisspielerin in Rio antreten. Klitschkos Rückkampf gegen Tyson Fury findet in Manchester statt. Deutsche Tennisfrauen gewinnen in Stuttgart.