Tennis in Stuttgart:Beschwingt ins deutsche Duell

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WTA-Turnier in Stuttgart

Hat einen besonderen Blick auf die Dinge: Andrea Petkovic bei ihrem Erstrundenduell gegen die Spanierin Sara Torribes Tormo.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die deutlich gelassener wirkende Andrea Petkovic trifft am Donnerstag in Stuttgart auf ihre alte Weggefährtin Angelique Kerber.

Von Gerald Kleffmann, Stuttgart

"Being John Malkovich" war eine fantastische, manchmal sehr schwarze Filmkomödie. John Cusack schlüpfte in der Rolle eines gewissen Craig Schwartz in den Kopf des real existierenden Schauspielers Malkovich und betrachtete die Welt aus dessen Perspektive. Sollte wieder mal etwas Ähnliches in Erwägung gezogen werden, böte sich "Being Andrea Petkovic" an. In den Gehirnzellen der deutschen Tennisspielerin geht es auch sehr speziell zur Sache. Sie weiß das selbst.

Beim Turnier in Stuttgart hat sie sich gerade ein delikates Duell für diesen Donnerstag erspielt. Nach dem 6:3, 6:4 in der ersten Runde gegen die Spanierin Sara Sorribes Tormo trifft die 31-Jährige auf ihre langjährige Weggefährtin Angelique Kerber, wobei sich die Wege der beiden in den vergangenen Jahren etwas anders entwickelt haben. Petkovic ist aktuell 71. der Weltrangliste und genießt als Ü30-Spielerin nach eigener Aussage ihr verlängertes Tourleben. Kerber, ebenfalls 31, hat als dreimalige Grand-Slam-Siegerin noch deutlich höhere Ziele. Petkovic bewundert ihre Rivalin für deren Entwicklung so sehr, dass sie Kerber selbst als Gegnerin auf dem Platz "am liebsten abklatschen würde", wenn diese gegen sie einen Ball entlang der Linie schlagen würde. Petkovic hat einen Blick auf die Dinge wie keine Zweite. Sie kann sich von außen als fremdes Wesen betrachten.

Bei Mediengesprächen reicht oft ein Stichwort und Petkovic lässt Horden von Impulsreferaten folgen. Sie schafft den Spagat, in einer Sitzung über den auch mit ihrer Hilfe geschafften Klassenverbleib der deutschen Fed-Cup-Frauen zu dozieren, dann ihre Liebe zum Schreiben darzulegen - sie fertigt gerade ein Buch an - und nebenbei Spielerinnen zu würdigen, die ihre Karrieren beenden wie Agnieszka Radwanska, 30, oder Lucie Safarova, 32. Petkovic sagt: "30 ist das neue 20, außerdem sehen wir alle aus wie 20, die Haut ist blendend, weil wir uns immer eingecremt haben." Ihr Spaß am Palaver darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst ihr Tennis noch ist. "Auch als Ü30-Spielerin kann man sich verbessern", frotzelte sie über sich und eine ausgetüftelte Korrektur.

Petkovic hat viel daran gearbeitet, "dass ich den Ball früher nehme, dass ich durch den Ball durchgehe, und ich glaube, dadurch beende ich die Punkte auch mehr am Netz". Die Flugkurven ihrer geschlagenen Bälle sind tatsächlich flacher, dahinter steckt der Gedanke, "einfach der Gegnerin noch mehr Zeit wegzunehmen". Die Gelassenheit, mit der sie ihre Erwägungen vorträgt, lässt darauf schließen, dass sie wirklich, nun ja, gelassen geworden ist. Petkovic strahlt längst nicht mehr den Druck aus, sich mal wieder neu erfinden zu müssen, ehe sie sich sinnsuchend für drei Wochen in eine schummrige Bar in New York zurückzieht und den Blues hat.

Kerber ist natürlich die Favoritin, auch wenn sie gerade erkältet war. 8:3 führt die Kielerin im Duell der beiden Frauen. An das erste 2005 in Zagreb konnte sich Petkovic nicht mehr erinnern, ihre Gehirnzellen beschäftigten sich eher mit der Zukunft: "Hoffentlich kann ich sie ein bisschen ärgern, mal gucken. Ich schicke ihr heute schon mal ein paar SMS."

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