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Tennis:Erleichtert in der Apotheke

Negativer Coronatest, positive Turnierbilanz: Der Schweizer Marc-Andrea Hüsler, 24, bezwang im spannenden Finale von Ismaning den Niederländer Botic van de Zandschulp.

(Foto: Claus Schunk)

Die Veranstalter des Tennis-Challengers in Ismaning ziehen ein positives Fazit.

Von Sebastian Winter

Am Montagmorgen sind auch die letzten Tennisprofis aus Ismaning abgereist, von München aus flogen Marc-Andrea Hüsler und Botic van de Zandschulp weiter nach Hamburg, zum nächsten ATP-Stopp. Der Schweizer Hüsler und der Niederländer van de Zandschulp hatten sich tags zuvor im Finale des mit knapp 45 000 Euro dotierten Challenger-Turniers, das zur zweiten Liga der weltweiten Tennisserie zählt, ein dramatisches Spiel auf dem hellroten Teppich geliefert. 7:6, 6:7 und 7:5 gewann Hüsler die Partie, die coronabedingt nicht einmal 100 Zuschauer in der Halle verfolgten. Immerhin hatten sich noch mehr als 1000 Interessierte den Livestream angesehen. Die Überraschungsfinalisten haben nun einen Sprung in der Weltrangliste gemacht, beide stehen um Platz 150 herum, die Top 100 sind nicht mehr allzu weit entfernt. Und die sind schließlich das erklärte Ziel fast jedes Spielers, der bei diesen kleineren ATP-Turnieren mitmacht. Für den einzigen Erfolg aus deutscher Sicht war der Lemgoer Andre Begemann verantwortlich, der mit seinem niederländischen Partner David Pel das Doppelfinale gewann.

Turnierveranstalter Peter Aurnhammer ist am Montag erleichtert, aber auch ziemlich gerädert in seine Apotheke in Ismaning zurückgekehrt. Er zog ein positives Fazit der Open, die im vierten Jahr die wohl größte Herausforderung für die Organisatoren bedeutete. "Wir hatten ein tolles Teilnehmerfeld, insgesamt muss man hoch zufrieden sein. Aber das Thema Corona hat doch einen kräftigen Wermutstropfen hineingespült", sagte Aurnhammer, der auch Vizepräsident des Bayerischen Tennis-Verbandes ist. Mehr als 300 Corona-Tests wurden den Spielern, Schiedsrichtern und Helfern abgenommen, 200 Flaschen Desinfektionsmittel verbraucht. Die Proben wurden von dem beauftragten Medizinunternehmen per Auto extra in dessen Hauptsitz nach Brügge gebracht und dort untersucht. "Nächtelang haben wir gezittert deswegen", sagt Aurnhammer, letztendlich waren alle Ergebnisse negativ, die Anlage des TC Ismaning also komplett coronafrei. "Trotzdem drückt das den Spaß. Und auch die Zuschauerzahlen waren natürlich unbefriedigend."

Auf der Tribüne finden normalerweise bis zu 800 Zuschauer Platz, in den vergangenen Jahren waren die Finalspiele immer ausverkauft. Nach den Vorgaben der Behörden hätten in diesem Jahr 200 Fans zugelassen werden dürfen. Doch die Veranstalter entschieden, nur exakt 88 auf die Ränge zu lassen - um die Abstandsregeln auch wirklich einhalten zu können. Einen freien Ticketverkauf gab es nicht, daher waren nur Sponsoren, Klub- und Familienmitglieder live dabei. "Ich hatte so viele Anfragen während der ganzen Woche. Und es ist einfach unbefriedigend, wenn man immer nur absagen kann", sagt Aurnhammer.

Im nächsten Jahr, hofft der Apotheker, wird es kein Virus mehr geben, das die Spiele in Ismaning überlagert. Die Verantwortlichen wünschen sich, die Open eine Woche nach hinten zu verlegen. Dann wäre auch die Konkurrenz durch andere ATP-Turniere nicht mehr so hoch - und das Teilnehmerfeld womöglich noch etwas stärker. Eine weitere Option ist ein Freiluftturnier im September. Peter Aurnhammer ist aber erst einmal froh, dass alles vorbei ist. Hinsichtlich des Challengers im mittelfränkischen Eckental, das am 31. Oktober starten soll, bei immer weiter steigenden Corona-Zahlen, sagt er: "Mit denen möchte ich nicht tauschen."

© SZ vom 27.10.2020

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