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Super-Bowl-Gewinner Tom Brady:Coolness lässt sich nicht in Statistiken packen

"Dein ganzes Leben lang erzählen dir Menschen, was für ein toller Athlet du bist", erinnerte sich Brady jüngst an die Gespräche mit dem Psychologen Greg Harden in Michigan: "Er ist wahrscheinlich der Erste, der dir sagt: 'Nun, vielleicht gehörst du wirklich nicht auf dieses Spielfeld. Wenn es einfach wäre, dann wäre es nichts Besonderes.'" Statt mit seinen Schwächen zu hadern solle sich Brady auf seine Stärken konzentrieren, riet Harden ihm.

Nach zehn Jahren wieder ein Triumph für die New England Patriots

Ergebnisse des Finalspiels um die Meisterschaft in der nordamerikanischen Football-Liga NFL seit dem Jahr 2001:

2001 Baltimore R. - New York G. 34:7

2002 New England P. - St. Louis R. 20:17

2003 Tampa Bay B. - Oakland R. 48:21

2004 New England P. - Carolina P. 32:29

2005 New England P. - Philadelphia E. 24:21

2006 Pittsburgh S. - Seattle S. 21:10

2007 Indianapolis C. - Chicago B. 29:17

2008 New York G. - New England 17:14

2009 Pittsburgh S. - Arizona C. 27:23

2010 New Orleans S. - Indianapolis C. 31:17

2011 Green Bay P. - Pittsburgh S. 31:25

2012 New York G. - New England P. 21:17

2013 Baltimore R. - San Francisco 34:31

2014 Seattle S. - Denver B. 43:8

2015 New England P. - Seattle S. 28:24

Er sei engagiert und ehrgeizig, dazu in kniffligen Situationen ruhiger als andere. Es funktionierte: Vom sechsten Spieltag an ging es - im denkwürdigen Herbst 1999 - bergauf für Brady. Brady bekam aufgrund seiner Leistungen im letzten Uni-Jahr tatsächlich einen Profivertrag, die Patriots wählten ihn im Jahr 2000 an 199. Stelle seines Jahrgangs aus. Er sollte der Ersatzmann des Ersatzmanns des Ersatzmanns sein. Am Ende der Saison war Brady schon der zweite Quarterback; während der folgenden Spielzeit wurde er Stammspieler und führte seinen Verein zum Titel - wie auch 2004, wie auch 2005. Brady wurde reich, berühmt, jedoch genoss er nicht jenen überwältigenden Respekt wie er Spielmachern wie Montana, Bradshaw oder Joe Namath entgegengebracht wurde.

Brady wirkt oft wie ein All-American-Boy mit strahlendem Lächeln und schöner Ehefrau (das brasilianische Model Gisele Bündchen), doch dieser Eindruck täuscht. Er ist ein Football-Nerd, der mit Patriots-Trainer Bill Belichick stundenlang Videos mit Spielzügen betrachtet und mit seinem persönlichen Trainer Alex Guerrero abseits des Trainings an seinem Körper arbeitet. Zwei Mal pro Tag, sieben Tage die Woche. Bradys Frühstück besteht aus einem Grünkohl-Shake. Rohe Makronen und Avocado-Eis empfindet er als Leckereien. Der Psychologe Harden sagt heute über ihn: "Der Bursche kann noch immer nicht laufen, aber keiner kann ihn fangen. Niemand ist in der Lage, das Herz und die Gedanken dieses Jungen zu messen."

Brady hat nur ein Problem: Er spielt nicht nur deshalb Football, weil er es so gute kann, sondern weil ihn kaum etwas anderes interessiert. Was nach der Karriere kommt? "Das wird hart für mich. Was soll ich denn tun? Tauchen lernen?" Sein Vertrag gilt noch drei Spielzeiten, die Patriots können ihn allerdings jederzeit kündigen. Und das treibt Brady an: Die Angst davor, nicht mehr Football spielen zu dürfen. Also macht er weiter, auch wenn es jede Saison schwieriger wird. Wenn es einfach wäre, dann wäre es nichts Besonderes.

© SZ vom 03.02.2015
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