Sportpolitik Semenyas Trotz

Neue Strecke: Caster Semenya (li.) und Francine Niyonsaba (2. v. l.), zwei Läuferinnen mit intersexuellen Anlagen, starten über 2000 Meter in Montreuil, Frankreich.

(Foto: Philippe Wojazer/Reuters)

Die Leichtathletin aus Südafrika gewinnt erneut und kritisiert den Weltverband. Statt sich in die Debatte um Testosteronwerte von Läuferinnen zu verbeißen, solle sich die IAAF um das akute Dopingproblem in dem Sport kümmern.

Olympiasiegerin Caster Semenya hat den Leichtathletik-Weltverband IAAF erneut scharf kritisiert. Statt sich in die Debatte um erhöhte Testosteronwerte von Läuferinnen zu verbeißen, solle sich die IAAF um das akute Dopingproblem in dem Sport kümmern. "Ich bin doch kein Idiot. Warum sollte ich Drogen nehmen? Ich bin eine saubere Athletin", sagte die 28 Jahre alte Südafrikanerin nach ihrem Sieg in einem 2000-Meter-Rennen am Dienstagabend in der Nähe von Paris.

Die IAAF hatte Anfang Mai eine Regel eingeführt, mit der Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen festgesetzt wurden. Damit soll ein vermeintlicher Vorteil dieser Läuferinnen verhindert werden. Der Internationale Sportgerichtshof hatte die Regel bestätigt, dagegen war die zweimalige 800-Meter-Olympiasiegerin beim Schweizer Bundesgericht vorgegangen. Semenya errang zuletzt einen Teilerfolg und darf bis auf weiteres wieder auf Strecken zwischen 400 und einer Meile (1609 Meter) antreten, ohne sich der dafür vorgeschriebenen Hormonbehandlung zu unterziehen. Ob sie auch bei der WM Ende September auf ihrer Paradestrecke antreten kann, hängt vom Ausgang der Berufung gegen das Cas-Urteil ab. Südafrikas Verband hatte Semenya zuletzt ins vorläufige WM-Aufgebot berufen.

Wie akut das Dopingproblem in der Leichtathletik ist, verdeutlichten zwei Meldungen vom Mittwoch: Demnach steht der frühere russische Hochsprung-Olympiasieger Andrej Silnow, mittlerweile Vize-Präsident des noch immer von der IAAF suspendierten russischen Verbands, unter Dopingverdacht, wie russische Medien berichteten. Zudem wurde der kenianische Marathonläufer Felix Kirwa nach einem Positivtest auf Stychnin für neun Monate suspendiert.