Sporthilfe:Rente statt Prämien

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Laura Dahlmeier

Zahltag: Olympiasieger wie Laura Dahlmeier könnten künftig geringere Prämien für Medaillen bekommen.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Die deutsche Sporthilfe will Athleten künftig konstanter und höher fördern, dafür geringere Medaillenprämien zahlen - und hofft auf mehr Geld vom Bund.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Vor ein paar Wochen konnte Michael Ilgner, der Chef der Sporthilfe-Stiftung, auf eine Rekordzahl verweisen. 15,2 Millionen Euro schüttete seine Organisation in ihrem Jubiläumsjahr an Athleten aus. Der Etat, der vor allem auf Zuwendungen aus der Wirtschaft und Fundraising fußt, wuchs zuletzt zwar, aber nur in einem überschaubaren und für die Sporthilfe-Pläne nicht ausreichenden Umfang. Und deswegen verstärkt sich nun der Blick auf eine andere Einnahmequelle: den Bund. Doch ob das so kommt und vor allem, in welchem Umfang, ist noch unklar.

Seit geraumer Zeit ist eine konkrete Zahl im Gespräch: zwölf bis 14 Millionen Euro. So steht es in einer Wunschliste, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ans Bundesinnenministerium, den Hauptgeldgeber des Spitzensports, übersandt hat, und deren Einzelposten sich auf bis zu 100 Millionen Euro addieren. DOSB-Präsident Alfons Hörmann machte diese Zahl kürzlich selbst öffentlich. Das war insofern erstaunlich, als die unmittelbare Förderung der Athleten gar nicht Sache des DOSB ist, sondern der Sporthilfe - und weil es zwischen den Häusern schon manchen Disput und manches machtpolitische Gerangel gab. Offenkundig spielt das auch jetzt wieder eine Rolle.

Das Innenministerium (BMI) selbst gibt sich in der Angelegenheit noch deutlich zurückhaltender. Es bestätigt zwar, dass in der Wunschliste des DOSB dieser Betrag "für die verbesserte Ausstattung der Athleten durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe aufgeführt" sei. Ansonsten teilt es jedoch nur mit, die Sporthilfe habe "erste Überlegungen übermittelt".

Die Sporthilfe-Verantwortlichen wiederum wollen sich zu Zahlen derzeit gar nicht äußern, sondern nur zu angedachten Vorhaben. "Wir sehen in drei Projekten besonders akuten Finanzierungsbedarf", sagt Vorstandschef Ilgner: Diese seien "das Thema Altersvorsorge, die Unterstützung bei der dualen Karriere, und dafür zu sorgen, dass künftig alle Kaderathleten, die bereits in der Weltspitze sind oder die Perspektive haben, dort anzukommen, Geld von der Sporthilfe bekommen können. Bisher ist das nur bei circa 70 Prozent der Fall".

Die Sporthilfe will lieber konstant fördern als einmal belohnen

Der Kampf ums Geld ist permanent ein großes Thema im Spitzensport. Im Zuge der vereinbarten Leistungssportreform sollen die jährlichen Mittel des BMI für den Spitzensport von derzeit 169 Millionen Euro enorm ansteigen. Bisher flossen die Bundesgelder aber nur an die Fachverbände - nicht an die Sporthilfe und die Athleten. Nur vor gut einem Jahrzehnt half der Bund bei einer Etat-Lücke mal aus, er zahlte einmalig einen Betrag von einer Million Euro. Zudem gibt es seit Kurzem eine mit circa 600 000 Euro geförderte Aktion namens "Sprungbrett", die Athleten in der Phase nach der Karriere unterstützen soll. Der Bund kann Zuwendungen an Organisationen wie die Sporthilfe formal nun mal nicht einfach so durchdrücken, er muss gewisse haushaltsrechtliche Vorgaben beachten. Und noch vor einem knappen Jahr verwies das Ministerium bei Anfragen zum Thema darauf, dass gemäß dem neuen Konzept Zahlungen an die Sporthilfe nicht vorgesehen seien.

Das scheint in dieser strengen Form nicht mehr zu gelten. Insbesondere bei der Altersvorsorge, also einer Art Rente für Athleten, scheint alles bereitet zu sein, wie aus der Berliner Politik zu vernehmen ist. Der neue Koalitionsvertrag von Union und SPD hat es bereits als Ziel formuliert. Bei der Sporthilfe wiederum gibt es schon seit geraumer Zeit ein fertiges Konzept. Nach SZ-Informationen ergibt sich aus den internen Kalkulationen, dass es auf eine Summe von circa drei bis vier Millionen Euro jährlich hinauslaufen dürfte.

Ob darüber hinaus ebenfalls Geld fließt, ist unklar. Dabei gibt es in der Grundausstattung erheblichen Nachholbedarf. Die Sporthilfe unterstützt Athleten, die nicht bei Zoll, Bundeswehr oder -polizei angestellt sind. Die Top-Sportler, also diejenigen, die weltweit zu den besten Acht ihrer Disziplin gehören, erhalten 300 Euro pro Monat. Inklusive verschiedener Zusatzleistungen kann ein Athlet schon mal auf einen vierstelligen Betrag kommen, aber das ist derzeit eher die Ausnahme. Das Ziel der Sporthilfe ist es, dass dies die Regel wird. Athletensprecher Max Hartung sagte zu Jahresbeginn, dass es in einer Großstadt wie Köln schon 1500 Euro sein müssten, um gut über die Runden zu kommen.

Es kann gut sein, dass es am Ende bei Weitem nicht die zwölf bis 14 Millionen Euro Aufstockung aus dem Bundesinnenministerium werden, die der DOSB auf seiner Wunschliste vermerkt hat. Und in jedem Fall dürfte es darauf hinauslaufen, dass die Sporthilfe auch Prioritäten verschiebt, etwa beim Thema Olympia-Prämien.

Derzeit gibt es bei Olympischen und Paralympischen Spielen für Gold 20 000 Euro, für Silber 15 000 Euro und für Bronze 10 000 Euro. Knapp eine Million Euro schüttete die Sporthilfe nach den jüngsten Spielen in Pyeongchang aus. Doch Sporthilfe-Chef Ilgner erwägt Veränderungen. "Wir haben in Deutschland - glücklicherweise - ein anderes Gesellschaftssystem und berufliche Perspektiven als in Weißrussland oder Usbekistan. Eine kontinuierlich höhere Förderung ist daher in meinen Augen sinnvoller und dringlicher als eine Karotte, die wir einmal hinhalten", sagt er. "Wenn es am Ende so ist, dass das Geld nicht für alle Projekte reicht, hat das Thema Olympia-Prämien für uns nicht die oberste Priorität."

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