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Snooker:Taschen voll

Schon vor vielen Jahren wurde Judd Trump als baldiger Dominator gepriesen. Mit dem Sieg bei der Weltmeiserschaft ist es nun so weit.

Von Carsten Scheele, Sheffield/München

Ist dieser Mann nun der beste Snookerspieler der Welt? Wer Judd Trump am Montag im WM-Finale zuguckte, der konnte eigentlich nur zu diesem Urteil kommen. Was der mit 29 Jahren noch sehr junge Brite am Tisch des Crucible Theatre in Sheffield lieferte, war eine wahre Schau - und wer auf der Suche nach dem perfekten Snookerspiel ist, der sah, dass Trump in den vergangenen Tagen verdammt nah dran war.

Es war eine sehr kurze Finalsession, 18:9 gegen einen keineswegs schlecht aufgelegten John Higgins, der manchmal nicht fassen konnte, was Trump da fabrizierte. Als Trump in den frühen Abendstunden den silbrigen Pokal in die Luft reckte, war der neue Weltmeister selbst noch ganz baff. Es fühle sich "ein bisschen zu gut an, um wahr zu sein", raunte Trump. Er sei geradezu "schockiert. Mir fehlen die Worte, wie gut ich gespielt habe".

Auch sein Finalgegner Higgins, selbst viermaliger Weltmeister, lobte: "Das war brillant und nur der erste von vielen WM-Titeln für ihn." Ob es deprimierend gewesen sei, in diesem Match Trumps Gegner gewesen zu sein? Ach was, scherzte Higgins, er habe "das Glück gehabt, dass ich nicht fürs Ticket bezahlen musste".

Trump, der Mann aus Whitchurch, Bristol, hatte tatsächlich grandios gespielt. Er überragte mit seiner Spielballkontrolle, baute famose Breaks, lochte Bälle, denen der Weg in die Tasche eigentlich verbaut zu sein schien. Mit seinen Safeties, den sicher abgelegten Bällen am Tischrand, zwang er Higgins oft in besonders unangenehme Situationen. Überhaupt fand Trump, was im Snooker eine besondere Leistung ist, stets die richtige Dosis an Risiko. Trump ist nun das elfte Mitglied im Club der Triple Crown, jener Spieler also, die die drei bedeutendsten Turniere gewonnen haben: die UK Championship, das Masters und eben die Weltmeisterschaft. "Für den Rest meiner Karriere kann ich mich nun entspannt zurücklehnen", sagte Trump, auch das war bloß ein Scherz.

SHEFFIELD ENGLAND APRIL 30 Judd Trump of England plays a shot in the quarter final match agains

Volle Konzentration: Statt Flüchtigkeitsfehlern führt Judd Trump sein komplettes Repertoire an Technik und Tricks vor und besiegt John Higgins 18:9.

(Foto: imago)

Er habe "harte Zeiten" hinter sich, erzählte Trump. Dem ist zweifellos so, denn Trump hatte über viele Jahre hinweg als Spieler gegolten, der aus seinem Talent, das schon in frühen Jahren zwischen "sehr groß" und "riesig" gehandelt wurde, nicht genug gemacht hat. Spätestens nach seiner zunächst besten Saison 2011/12, als er die UK Championship gewann und auch die Weltrangliste anführte, galt er als Kronprinz von Branchenprimus Ronnie O'Sullivan, konnte diesem Ruf aber nie gerecht werden. Mal scheiterte er an Arroganz, ging am Tisch viel zu großes Risiko ein - mal verlor er in wichtigen Phasen die Nerven. O'Sullivan durfte genüsslich kommentieren, dass es mit der Wachablösung wohl noch nicht so weit sei, weil Trump so regelmäßig unter dem eigenen Niveau blieb.

Nun hat er dieses Phlegma abgelegt. Im Januar hat Trump bereits das Masters in London gewonnen, jetzt also die WM, als jüngster Spieler seit Neil Robertson 2010, mit 29 Jahren. Im Finale machte sich das Gefühl breit, dass kein Ball an diesem Abend zu schwierig für ihn sein würde: Trump spielte sieben Centuries, also 100 Punkte oder mehr in Serie, lochte die langen Bälle über den gesamten Tisch hinweg. Streute sogar den einen oder anderen Trickshot ein, lochte mit dem Arm hinterm Rücken, was diesmal nicht Ausdruck seiner Arroganz aus früheren Tagen, sondern seiner neu erworbenen Lockerheit war. Mancher Beobachter fühlte sich bereits an die ganz Großen der Szene erinnert: an Stephen Hendry, den siebenfachen Weltmeister, an Steve Davies oder O'Sullivan, der Trump in besonderer Weise adelte. "Was Trump gezeigt hat, war besser als alles, was Hendry oder ich je gespielt haben", lobte O'Sullivan in der BBC.

Snooker-WM-Finals der vergangenen 10 Jahre

2010 Neil Robertson (Australien) - Graeme Dott (Schottland) 18:13

2011 John Higgins (Schottland) - Judd Trump (England) 18:15

2012 Ronnie O'Sullivan (England) - Ali Carter (England) 18:11

2013 Ronnie O'Sullivan - Barry Hawkins (England) 18:12

2014 Mark Selby (England) - Ronnie O'Sullivan 18:14

2015 Stuart Bingham (England) - Shaun Murphy (England) 18:15

2016 Selby - Ding Junhui (China) 18:14

2017 Selby - Higgins (Schottland) 18:15

2018 Mark Williams (Wales) - Higgins 18:16

2019 Trump - Higgins 18: 9

Ob Trump nun der beste Spieler der Welt sei? "Er hat das Zeug, Snooker auf das nächste Niveau zu heben", sagte O'Sullivan, "endlich ist die Last auf seinen Schultern weg." Es scheint, als sei auch O'Sullivan bereit, seinem Kronprinzen das Feld zu überlassen.

© SZ vom 08.05.2019

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