Schießen:Schlechtes Gewissen

Schießen: Der Zeitraum zur Planung eines Weltcups sei in diesem Jahr viel zu knapp gewesen, findet der DSB.

Der Zeitraum zur Planung eines Weltcups sei in diesem Jahr viel zu knapp gewesen, findet der DSB.

(Foto: Claus Schunk)

Der Weltcup legt 2021 keine Station in Garching mehr ein. Der Deutsche Schützenbund macht dafür neue, kostspielige Vorschriften des internationalen Verbands verantwortlich.

Von Theo Harzer

Die Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück beschreibt der Bayerische Sportschützenbund auf seiner Homepage als "die größte und modernste zivile Schießsportanlage weltweit". Umso erstaunlicher mutete die Meldung des Deutschen Schützenbunds (DSB) an, dass der Schieß-Weltcup 2021, anders als in den Vorjahren, nicht Station in München machen würde. Seit die Anlage für die Olympischen Spiele 1972 erbaut wurde, war sie mehr als 30 Mal Austragungsort für diesen Wettbewerb.

Der Vizepräsident des DSB, Gerhard Furnier, sprach von "allgemeinen Anforderungen und finanziellen Auflagen", die den Verband davon abhielten, den Weltcup nach München zu holen. Demnach stellte die International Shooting Sport Federation (ISSF) derart hohe Forderungen an die Ausrichter, dass "es, nach den Grundsätzen eines ehrbaren Kaufmannes, nicht guten Gewissens machbar ist, sich zu bewerben", wie Jörg Brokamp, Bundesgeschäftsführer des DSB, nun präzisierte.

Unter anderem soll der Veranstalter die Produktion eines TV-Signals gewährleisten

Die Verbände konnten sich bis März, pandemiebedingt dann bis Juli bei der ISSF bewerben. "Für uns war das Problem, dass nicht erkennbar war, auf welcher Basis: Es gab zu diesem Zeitpunkt keine Organisationsrichtlinien, und auch der Entwurf eines Ausrichtervertrags lag nicht vor", sagt Brokamp. Die Bewerber wussten damals also gar nicht, welche Verpflichtungen auf die Veranstalter zukamen: "Die Bedingungen des Ausrichtervertrags wurden erst in der Sitzung entschieden, als auch die Vergabe stattfand. Das sagt doch alles." Diese war Anfang September.

Was aber bereits kommuniziert worden war: Der ISSF übertrug den Veranstaltern Aufgaben, die bei früheren Weltcups nicht in deren Zuständigkeitsbereich lagen. "Vor allem die Produktion eines TV-Signals für die Veranstaltung", erklärt Brokamp. "Das war ein diametraler Wechsel, weil der Weltverband das in der Vergangenheit selbst übernommen hat." Nun wäre es Aufgabe des DSB gewesen, ein weltweites Signal zur Verfügung zu stellen. Die Kosten die damit verbunden wären, kann der Verband nicht verantworten: "Wir reden da über eine sechsstellige Zahl. Das können wir nicht ausgleichen", sagt Brokamp. "Auf der anderen Seite meint der ISSF, den Organisator entlasten zu können, indem er Jury-Personal übernimmt, aber das steht in keinem Verhältnis." Der DSB habe eine Verantwortung gegenüber den Verbandsmitgliedern und deren Beiträgen, denn: "Der Weltcup hat sich immer selbst getragen. Das heißt, wir waren nicht in einer Förderung vonseiten des Bundes oder des Landes, das war eine komplett ohne öffentliche Mittel durchgeführte Veranstaltung."

Für 2022 sind ein paralympischer Weltcup im Sportschießen und die Bogenschießen-EM geplant

Außerdem sei der Zeitraum zur Planung eines Weltcups in diesem Jahr viel zu knapp gewesen. Neun Monate wären dem Planungsstab des DSB nun geblieben, um eine Sportveranstaltung zu organisieren, die fast die Größenordnung von Olympischen Winterspielen hat: "Wir haben 2000 Leute, jetzt nehmen sie mal die Teilnehmerzahl von Olympischen Winterspielen, da sind die bei ungefähr 2500 bis 3000. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen", meint Brokamp. In so kurzer Zeit Unterkünfte und Transport für 2000 Sportler zu organisieren, sei fast ein Ding des Unmöglichen, besonders in München. Außerdem stehen 2021 noch die Olympischen Spiele in Tokio an, was die Saison zusätzlich verkürzt, und die Pandemie gibt es ja auch noch. Das ist eine ganze Reihe an Unwägbarkeiten.

Die Garchinger Schießsportanlage wird vom DSB natürlich weiter als Bundesstützpunkt genutzt. Und auch international soll in Garching in den nächsten Jahren einiges passieren: Für 2022 plant man einen paralympischen Weltcup im Sportschießen, im gleichen Jahr soll dort noch die Bogenschießen-EM stattfinden, und 2023 "besteht eine Planung, in Richtung olympischer EM Sportschießen zu gehen", kündigt Brokamp an. Und der Weltcup? Wird man den in Zukunft wieder in München sehen? Ausschließen will Brokamp das nicht: "Sollte sich das wieder ändern, im Bereich des ISSF, dann sind wir auch wieder mit einem Weltcup in München dabei, das ist gar keine Frage." Bis dahin wird es auf der größten und modernsten Sportschießanlage der Welt kleinere Höhepunkte geben.

© SZ vom 24.09.2020
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