s. Oliver Würzburg Gute Nacht

Letzter Auftritt der Saison: Fynn Fischer (vorne, gegen Cliff Alexander) und seine Würzburger verloren bei Brose Bamberg zum Hauptrundenabschluss 65:97.

(Foto: Imago)

Würzburg stürzt am letzten Spieltag der Hauptrunde aus den Playoff-Rängen. Geschäftsführer Liebler hält die Saison aber für gelungen.

Von Sebastian Leisgang

Jetzt also können es sich die Würzburger mit einem Kaltgetränk und vielleicht mit Knabberzeug vor dem Fernseher gemütlich machen und auf der Couch verfolgen, wie die anderen noch ein bisschen Basketball spielen. Sie selbst haben ja auch in diesem Jahr vorzeitig Dienstschluss und werden nicht mehr im Fernsehen zu sehen sein, wenn die deutsche Meisterschaft in den Playoffs ausgespielt wird. Nach dem 65:97 (32:57) am Sonntagabend in Bamberg steht fest: Für die Würzburger ist die Saison einmal mehr nach der Hauptrunde beendet. Andererseits: Sie sind in Europa ja ins Endspiel gekommen. Gut, nur im Europe Cup, einem Wettbewerb, der sich dem Eurocup zwar zum Verwechseln ähnlich anhört, der aber nur viertklassig ist und Mannschaften mit lustigen Namen wie Södertälje Kings und Rosa Radom in seinem Teilnehmerfeld geführt hat. Aber: Immerhin.

Platz neun in der Bundesliga, Finalist im Europe Cup: Wie also ist diese Würzburger Saison zu bewerten?

Steffen Liebler, 35, muss bei dieser Frage nicht lange überlegen. Er sei zwar ein bisschen enttäuscht, das schon, "aber wir können stolz darauf sein, was wir erreicht haben", sagt der Geschäftsführer. Dann führt er die Errungenschaften im Einzelnen aus: "Wir haben in ganz Europa auf uns aufmerksam gemacht, und in der Bundesliga haben wir uns nach dem Saisonstart zurückgekämpft und uns eine realistische Chance auf die Playoffs erarbeitet." Auch das gehörte ja zu dieser Würzburger Saison: ein ausgewachsener Fehlstart mit sechs Niederlagen in den ersten acht Spielen. Eine Bilanz, die Trainer Denis Wucherer gar veranlasste, die Männlichkeit seiner Spieler zu hinterfragen. Oder zumindest: ihnen fehlende Härte und Aggressivität anzulasten.

Dann aber meldete sich die Mannschaft mit einer Siegesserie zurück - und verpasste am Ende doch die Playoffs. So stellt sich jetzt auch die Frage: Haben sich die Würzburger vergaloppiert? Haben sie sich den neunten Rang selbst zuzuschreiben, indem sie aus freien Stücken eine Wildcard erwarben, um im Europe Cup zu spielen? Liebler verneint. Er findet vielmehr: "Der europäische Wettbewerb hatte einen Mehrwert für uns, weil wir durch ihn in den Rhythmus gekommen sind. Dadurch kamen die Siege in der Bundesliga überhaupt erst zustande."

"Der Trainer bleibt nächstes Jahr und hoffentlich noch länger"

Nach der Niederlage in Bamberg habe er "eine gute Nacht gehabt", sagt Liebler. Die Saison habe ihm Spaß gemacht, und ja, er freue sich auch schon auf die nächste. Dass die Mannschaft nur eines der 16 Duelle mit den ersten Acht der Tabelle gewonnen hat und deshalb zu Recht an den Playoffs vorbeigeschrammt ist? Fast schon nebensächlich. "Die Playoffs sind ein Erfolg", sagt Liebler, "deshalb wäre es erst mal positiv gewesen, sie zu erreichen, aber es wäre bei unserer Personalsituation dann sowieso schwierig geworden, einen Sieg einzufahren." Auch diese Frage treibt die Würzburger ja noch um: was bloß möglich gewesen wäre, hätte Gabriel Olaseni nicht gefehlt, der auf den letzten Metern der Saison ebenso verletzt war wie Johannes Richter und, das war wohl am schwerwiegendsten, Jordan Hulls, der beste Werfer der Mannschaft und MVP der Europe-Cup-Saison. "Ich glaube schon, dass das eine große Rolle gespielt hat", mutmaßt Liebler.

Mit Wucherers Vorgänger Dirk Bauermann hatten die Würzburger eine praktische Zweckgemeinschaft unterhalten, eine Symbiose. Sie boten Bauermann die Gelegenheit, nach Stationen in Litauen und Russland in die Bundesliga zurückzukehren - und machten sich im Gegenzug den Namen, Ruhm und Ehre des früheren Bundestrainers zunutze, um selbst all das zu erlangen. Jetzt aber, mit Wucherer, soll es kein pragmatisches Bündnis sein, keine Beziehung, die schon bald wieder zur Scheidung führt, sondern vielmehr echte Liebe.

"Der Trainer bleibt nächstes Jahr und hoffentlich noch länger", betont Liebler und knüpft seine Hoffnung auf Kontinuität auch an das Spieleraufgebot. Hulls hat seinen Arbeitsvertrag bereits um zwei Jahre verlängert, nun sind die Verantwortlichen bestrebt, auch Xavier Cooks, Devin Oliver und Joshua Obiesie zu einem Ja-Wort zu bewegen. "Wir werden daran arbeiten, den Kader im Kern zusammenzuhalten und punktuell zu ergänzen", sagt Liebler und formuliert in diesem Zuge das Ansinnen, "mit einer eingespielten Mannschaft in die neue Saison" zu gehen. Dann könnte das Spieljahr diesmal auch für Würzburg am ersten Spieltag beginnen - und nicht erst nach dem ersten Saisonviertel, wenn der Umbruch bewältigt und das Team auf der Höhe ist.