Reitsport:Der Wassergraben ist wieder geöffnet

Lisa Maria Klössinger Pferd Daktari Pferd International 2019 München Dressurreiten 23 CDI 5*

Lisa-Maria Klössinger und ihr 16-jähriger Daktari sind diesmal in der Dressur in Riem das Maß der Dinge. Auch die Ampfingerin hatte eine lange Turnierpause hinter sich.

(Foto: Lackovic/Imago)

Bei der bayerischen Meisterschaft in Springreiten und Dressur gibt es einige Überraschungen.

Von Sabine Neumann

Eine Meisterschaftsehrung kann lang werden. 90 Reiterinnen und Reiter standen am Sonntagnachmittag aufgereiht auf dem Hufeisenplatz der Olympia-Reitanlage in Riem, von jeder Klasse die ersten sechs. Während die einen noch auf ihre Medaillen warteten, warfen andere die ersten Titelträger bereits lachend und kreischend in den Wassergraben. Wer Gold um den Hals hat, geht baden, so ist das bei den Reitern. Die abschließende Ehrenrunde war früher der berühmt-berüchtigte Höhepunkt der Zeremonie. Dann bebte die Erde, es wurde schnell, oft viel zu schnell. In diesem Jahr sahen die Corona-Regeln für die bayerischen Meisterschaften eine Ehrung ohne Pferde und Ponys vor.

Anja Steindl hatte Glück, der neuen Meisterin der für Damen offenen Herrenkonkurrenz blieb der dreckige Wassergraben erspart, stattdessen gab es eine Sektdusche. Die 28-Jährige aus Thurnsberg gewann bei ihrem ersten Start in dieser Klasse überraschend Gold. Aus den zwei Wertungsprüfungen an den Vortagen brachte sie nur vier Strafpunkte mit. Im Finale gelangen ihr mit Little Lucie zwei fehlerfreie Umläufe in der schnellsten Zeit. Gleich der erste Sieg auf Zwei-Sterne-S-Niveau brachte Steindl den Meistertitel. In der reinen Damen-Konkurrenz gab es in Maximiliane Ruppert (Wurmannsquick) auf Libertino ebenfalls eine Überraschungssiegerin.

"Das war kein Pech, das war ein Reiterfehler", kommentierte Soenke Kohrock seinen Patzer im Finale

Der erfahrene Soenke Kohrock (Ingolstadt) brachte das Kunststück fertig, als einziger fehlerfrei ins Finale zu kommen, noch dazu mit zwei Pferden. Für die Endrunde wählte er Casiletti CM. Doch ein Abwurf im ersten Umlauf kostete den Favoriten die Goldmedaille. "Das war kein Pech, das war ein Reiterfehler", kommentierte der viermalige Bayernchampion. Dass er mit einem fehlerfreien zweiten Umlauf noch Bronze gewann, war ein kleiner Trost. Martin Schäufler (Gilching) hätte mit drei Zeitfehlern Zweiter werden können, im zweiten Umlauf kam noch ein vierter dazu. Der bayerische Landestrainer für Junioren und Junge Reiter freute sich dennoch über Silber. "Ich bin immer nur von Tag zu Tag geritten. Damit habe ich gar nicht gerechnet", staunte er. Schäuflers Fokus war auf die Vorbereitung seiner Schüler gerichtet. Die bedankten sich auf Reiterart - und tauften ihren "besten Trainer der Welt" im Wassergraben.

Während der Sport in Bayern im Lockdown lag, fuhren viele Amateure und Berufsreiter mit ihren Schützlingen auf Turniere nach Österreich. "Da konnten wir uns gut auf die Meisterschaften vorbereiten", berichtete Schäufler. Die Veranstaltungen waren unkomplizierter organisiert, allerdings ist ein Turnierwochenende im Ausland teurer als daheim. Im Nachwuchssport geben Eltern inzwischen nicht selten ein Vermögen für Pferde und Trainer aus, um ihre Kinder kaderfähig zu machen. In Bayern und Baden-Württemberg durften nach dem Lockdown zunächst nur Kader- und Berufsreiter auf Turnieren starten. Um Talenten Startmöglichkeiten zu eröffnen, stellten die Verbände regionale Perspektivkader auf, was mangels Transparenz ein umstrittenes Vorgehen war.

In der Dressur waren trotz langer Turnierpause Lisa-Maria Klössinger (Ampfing) und ihr 16-jähriger Daktari das Maß der Dinge. Schon nach der Intermediaire II und dem Grand Prix lagen die U25-Doppel-Europameister und Piaff-Förderpreis-Sieger von 2017 auf Goldkurs. In der frisch nach vorne gerittenen Grand Prix-Kür gelang dann alles. 80,875 Prozent vergaben die Richter. "Daktari hatte heute richtig Spaß", fand Klössinger. Franz Trischberger vom Hofgut Allerer (Landkreis Miesbach) und James Bond trotzten zu "Skyfall" dem Platzregen und gewannen Silber. Geertje Hesse-Wadenspanner (Gut Weiglschweig) gewann Bronze mit Doctor Davidson.

Lisa Müller hätte mit Gut Wettlkams D'avie FRH eine Medaillenchance gehabt, wollte dem jungen Hengst in Absprache mit Trainerin Isabell Werth aber keinen dritten Prüfungstag abverlangen. "D'avie hat genug getan. Die Meisterschaft ist für uns zweitrangig. Er soll Erfahrung sammeln", sagte die 31-Jährige. Auch mit ihrem zweiten Pferd Quantum Vis, das sie erst seit kurzem besitzt, startete sie nicht am Sonntag. Für Thomas Müller hatte das vorzeitige EM-Aus immerhin etwas Gutes. Er konnte seine Frau Lisa in Riem unterstützen.

© SZ/lib/sewi
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