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Radsport:Ortsdurchfahrt gesperrt

UCI-Tour Mailand-Sanremo

Der frühere Cross-Weltmeister Wout van Aert.

(Foto: Dirk Waem/dpa)

Bei Mailand-Sanremo siegt Wout van Aert unter ungewöhnlichen Rahmenbedingungen - nach heftigen Unwettern in Alessandria muss kurzfristig sogar die Strecke umgebaut werden.

Der frühere Cross-Weltmeister Wout van Aert () ist nach der langen Corona-Zwangspause im Radsport der Mann der Stunde. Nur eine Woche nach seinem überzeugenden Sieg beim Schotterrennen Strade Bianche feierte der 25-jährige Belgier bei Mailand - Sanremo auch seinen ersten großen Klassiker-Sieg. Van Aert setzte sich am Samstag bei der 111. Auflage des Rennens, die wegen der Corona-Pandemie vom Frühjahr in den Hochsommer verlegt worden war, im Sprint gegen den französischen Vorjahressieger Julian Alaphilippe durch. Das Duo hatte sich beim Anstieg zum Poggio abgesetzt und nach 305 Kilometern - der längsten Distanz in der Geschichte von Mailand-Sanremo - einige Sekunden Vorsprung ins Ziel gerettet. "Ich bin super glücklich, das ist unglaublich. So in den zweiten Teil der Saison zu starten, ist schon verrückt", sagte van Aert, der für den ersten belgischen Sieg seit Andrei Tchmil 1999 sorgte.

Die Vorentscheidung fiel beim letzten Anstieg, als Alaphilippe attackierte und eine Lücke im Fahrerfeld aufriss. Nur van Aert konnte folgen, die erste große Verfolgergruppe kam nicht mehr ganz heran. So blieb für den Australier Michael Matthews vom deutschen Sunweb-Team nur der dritte Platz, der dreimalige Weltmeister Peter Sagan aus der Slowakei vom Team Bora-hansgrohe folgte direkt dahinter.

Deutsche Fahrer spielten bei der Entscheidung keine Rolle. Klassikerspezialist John Degenkolb, der in Sanremo 2015 triumphiert hatte, fehlte diesmal genauso wie Nils Politt, der Zweitplatzierte von Paris - Roubaix aus dem Vorjahr. Degenkolb bereitet sich gerade bei der Polen-Rundfahrt auf die Tour de France vor. Politt ist bei der Tour de l'Ain unterwegs.

Alles war anders diesmal bei Mailand - Sanremo. Temperaturen von über 30 Grad sorgten auf dem langen Weg für eine schweißtreibende Angelegenheit. Auch die Strecke musste stark verändert werden. Allein die 130 Kilometer lange Fahrt an der Ligurischen Küste entlang musste entfallen, da sich in der Tourismus-Saison viele Orte querstellten. So ging es diesmal mehr durch das Landesinnere. Außerdem musste kurzfristig noch eine Umleitung eingebaut werden. Die heftigen Unwetter in Alessandria in den vergangenen Tagen machten eine Ortsdurchfahrt unmöglich, wodurch die Distanz von 299 auf 305 Kilometer anwuchs. Die letzten 40 Kilometer der Strecke blieben aber gleich; da ging es bei den Anstiegen Cipressa und Poggio zur Sache. Bereits am nächsten Samstag wartet ein weiterer Klassiker, wenn die Lombardei-Rundfahrt ansteht. Sie findet normalerweise im Herbst statt, wurde nun aber im komplett überarbeiteten Rennkalender vorverlegt.

© SZ vom 10.08.2020 / dpa

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