bedeckt München 24°

Radsport:Nach dem Training gibt es Pfannkuchen und Buttermilch

Das Geld hat Mahamba bei einem Rennen in Kisangani, im Norden der Demokratischen Republik Kongo, gewonnen, obwohl er schlecht abschnitt. Er fuhr damals mit einem Mountainbike gegen Rennräder. Seit er selbst eines hat, versteht er sich als Profi und spekuliert auf eine internationale Karriere. Sein Teamkollege Jimmy Muhindo ist 2016 Meister im Kongo geworden. Er trainiert jetzt mit dem Nationalteam und ist ständig in anderen Ländern Afrikas unterwegs. Mahamba träumt von Größerem: "Vielleicht schaffe ich es zur Tour de France." Er hat gehört, dass die Fahrer dort richtig gut bezahlt würden, dass sie ihr Bike sogar geschenkt bekämen. Nur eine kleine Weile würde der Kongolese in Europa bleiben. "Danach komme ich zurück. Ich lade Freunde und Familie ein. Wir werden feiern und glücklich sein", sinniert Mahamba.

Zunächst aber muss er zusehen, wie er das Training ohne Unfall übersteht. Auch da hilft Papa Makongo. Der schwingt sich in Trainingshose und Stiefeln auf seine 1150er BMW, knipst Warnblinker und Sirene an. Dann fährt er los, verscheucht die gefährlichen Gegner von der Straße. Seine Jungs schnaufen hinterher, geben alles.

Makongo bezahlt ständig Arztrechnungen aus der eigenen Tasche, nicht nur wegen der vielen Unfälle. Letztens hat er 1000 Dollar gegeben, damit ein Fahrer eine verschleppte Malaria behandeln lassen konnte. Für die Besten im Team hat er nun eine Krankenversicherung abgeschlossen, für alle reicht das Geld nicht. Der Klub kann nicht einmal regelmäßig Fahrer zu Wettbewerben schicken. Die Flugtickets sind teuer im riesigen Kongo. Das Land ist so groß wie Westeuropa. Aber wenn einer teilnehmen kann, holen die Jungs aus Goma oft Platz eins oder zwei.

Eine Mahlzeit bis zum nächsten Morgen

konkox

Für gewöhnlich sind die Straßen der Millionen-Metropole immer noch eher staubig.

(Foto: Raupp)

Jeden Tag nach dem Training lädt Gönner Makongo die Fahrer zu Pfannkuchen und Buttermilch in ein Café ein. Für viele bleibt es die einzige Mahlzeit bis zum nächsten Morgen. Die Sportler quetschen sich in der baufälligen Bude auf Holzbänke, sie lachen, posieren in Siegerposen. Der Wirt schenkt die Milch von einem Kanister aus. "Premium Motor Oil" steht darauf. Joël Kyaviro kümmert das nicht. Der kleine Bruder des Kongo-Champions schaufelt Zucker ins Glas und trinkt gierig.

Seine Kollegen nennen ihn "Grasfresser", seit er bei einem Training in Ruanda das Rad in eine Wiese warf und Gras in sich hinein stopfte. Der Hunger war einfach zu groß. Im nahen Nachbarland Ruanda üben die Sportler oft: Teerstraßen, Hügel, keine Milizen, ideal für das Training.

Coach Makongo fährt aber auch gern in Goma Rad, um den Menschen zu zeigen, dass es etwas anderes als Gewalt gibt. Am Anfang haben ihn alle ungläubig angestarrt. Dann traf er Mahamba, den heutigen Co-Trainer. Dem arbeitslosen Mann war langweilig. Er sparte für ein Lastenrad, mit dem die Leute normalerweise Wasser in Kanistern vom Kivusee holen und in die Wohnviertel schleppen. Mahamba trainierte damit und überzeugte ein paar Kumpels, mitzumachen. Nun fahren sie für den Goma Cycling Club.