Pferdesport:Ein Preis für Harmonie

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Reitsportturnier, Munich Indoors, Olympiahalle

Junges Publikum bei den Munich Indoors. Sie finden in diesem Jahr zum 21. Mal in der Olympiahalle statt.

(Foto: Florian Peljak)

Bei den Munich Indoors wird auch ein Fairnesspreis vergeben. Hierbei steht nicht die herausragende Leistung der Dressurreiter im Viereck im Mittelpunkt, sondern die Zufriedenheit der Tiere oder die fairste Reitweise.

Von Nadine Regel

Am Abreitplatz in der Olympiahalle sieht man Dressurpferde, die zufrieden aussehen. Sie wirken gelassen, ihre Ohren bewegen sich lebhaft in alle Richtungen, ihr Rücken ist entspannt, der Schweif schwingt locker mit. "Die Zerrbilder von früher will man nicht mehr haben, als die Tiere noch mit groben Hilfen malträtiert wurden", sagt Johann Speth. Rollkur sei eines der Schlagwörter. Bei dieser Trainingsmethode wird das Pferd durch Einsatz der Zügel so eingestellt, dass sich dessen Hals stark wölbt. "Das ist weitgehend vorbei", sagt Speth.

Speth ist bei den Munich Indoors - einem der wichtigsten Wettbewerbe im deutschen Reitsport - vor allem als Pferdekenner im Einsatz. Er gehörte jahrzehntelang der berittenen Polizei an und war genauso lange als Turnierrichter tätig. Seit Donnerstag beurteilt Speth bei den 21. Munich Indoors die Harmonie zwischen Pferd und Reiter in der Dressur. Denn am Wochenende werden nicht nur hochdotierte Preise in Dressur und Springreiten vergeben, sondern auch die Auszeichnung "Champion of Honour".

Hierbei steht nicht die herausragende Leistung der Dressurreiter im Viereck im Mittelpunkt, sondern die Zufriedenheit der Tiere, die fairste Reitweise und die Kollegialität der Reiter untereinander. Dafür sitzt der 77-Jährige mit seinen Kollegen am Abreitplatz, beobachtet Pferd und Reiter und notiert sich die Einzelbewertungen.

"Es ist eine Herausforderung, die Ränge zu füllen."

Bei den Munich Indoors messen sich in diesem Jahr zum 21. Mal Pferd und Reiter aus 19 Nationen in den Disziplinen Springreiten und Dressur. Der Veranstalter Volker Wulff erwartet bis zu 35 000 Besucher - etwa 15 Prozent mehr als im Vorjahr. 10 000 Menschen passen in die Halle. "Es ist schon eine Herausforderung, die Ränge zu füllen", sagt Wulff. Erfahrungsgemäß gelingt das nur am Samstag, weil dann das Programm am vielfältigsten ist: Dressurkür, Showeinlage, Wettbewerbe im Springreiten, Zeitspringen und die Siegerehrung des Champion of Honour. Am Sonntag Nachmittag wird der Sieger der Riders-Tour ermittelt, einer Turnierserie im Springreiten. Mit 75 000 Euro ist dieser Preis der höchste der Veranstaltung.

Der "Champion of Honour" ist zwar niedriger dotiert, aber mit einem wichtigen Thema im Reitsport verknüpft. "Damit wollen wir den besonders liebevollen, netten Umgang mit den Pferden honorieren", sagt Wulff, 61. Zu Beginn seien die Reiter sehr skeptisch gewesen, sie hätten sich bevormundet gefühlt. Mittlerweile sei der Preis anerkannt. "Auf einer Pressekonferenz hat Simone Blum gesagt, dass es schön wäre, wenn es den Preis auch im Springreiten gäbe", erzählt Wulff.

Bei so großen Turnieren wie den Indoors werde sehr stark darauf geachtet, dass es den Tieren gut gehe. Das beginnt schon beim Vet-Check, der vor den Wettbewerben von Tierärzten und Richtern durchgeführt wird. "Wenn da ein Pferd untaktmäßig geht oder sogar lahmt, wird das direkt überprüft", sagt Wulff. Bei den kleineren Turnieren passiere das nicht so intensiv, weil sich die Veranstalter es nicht leisten könnten. Doch auch hier gibt es Richter, die Aufsicht am Abreitplatz haben. In den letzten zehn bis 15 Jahren sei das System engmaschiger geworden, um die herauszufiltern, die nicht artgerecht mit ihren Tieren umgingen.

"Die Profis wissen, wie sie mit ihren Pferden umzugehen haben", sagt Speth. Es gebe aber oft Reiter, die aus Unverständnis und Unvermögen etwas falsch machten. Oder ihre Möglichkeiten falsch einschätzten. "Wer gibt schon gern zu, dass er nicht so versiert ist", sagt Speth mit hochgezogenen Augenbrauen. Oft würden Reiter grob, wenn ihr eigenes Können nicht ausreiche. Aber "dem Partner Pferd gegenüber" solle man fair bleiben.

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