Olympia in Peking 2008Schlimme Nudeln

Olympische Momente brauchen keinen Michael Phelps: Fünf SZ-Reporter erzählen aus Peking kleine Geschichten vom Rande des großen Sports.

Sondermüll-Kekse

Es waren natürlich grüne Spiele. Das konnte man zwar in den ersten Tagen wegen des Smogs nicht so gut sehen. Aber immerhin standen die künstlich angelegten Parks mit ihren kerzengeraden Baumschulenbäumen in voller Pracht, was durchaus auf Kosten der Wasserversorgung in anderen Provinzen ging, was wiederum die olympische Familie wenig kümmerte.

Außerdem gab es Mülltrennung: Tonnen aus Karton, die den Verbraucher aufforderten, seinen Müll in recyclebaren und nicht recyclebaren Müll zu unterteilen. Was genau wo hinein gehörte, blieb allerdings bis zum Schluss ein Rätsel. Zumal es für den Fehlkauf manch chinesischen Keksprodukts einen eigenen Karton mit der Aufschrift "chemischer Sondermüll" gebraucht hätte. Oft stand man mit seinem Müll ratlos vor den Tonnen, schaute hinein und überlegte, in welche nun der Pappbecher zu werfen sei und in welche die Plastikflasche. Denn in der einen Tonne lagen Pappbecher und Plastikflaschen, und in der anderen auch.

Einmal gesellte sich ein freundlicher chinesischer Volunteer dazu und fragte, ob er helfen könne. Könne er, was denn nun wo hinein gehöre. Da zeigte der Volunteer ein Lächeln des Bedauerns und sagte, man solle sich darüber den Kopf nicht zerbrechen. Es sei ohnehin schon egal.

Text: Thomas Hahn

Foto: AP

4. September 2008, 11:022008-09-04 11:02:00 ©