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Nordische Kombination:Einsame Spitzen

Reibungslose Übergabe: Fabian Rießle (rechts) schickt Teamkollege Johannes Rydzek mit großem Vorsprung auf die nächste Staffel-Runde.

(Foto: Markku Ulander/AFP)

Die deutschen Männer gewinnen klar in der Staffel - trotz Mängeln. Fraglich bleibt, ob das Team in dieser Saison weiterhin derartig auftrumpft.

Die Bilder ließen vermuten, dass sich im Sommer nichts verändert hat in der Nordischen Kombination. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang hatten die Deutschen die Konkurrenz ja deklassiert, was zum Abschluss im Staffelwettkampf so richtig deutlich wurde. Da skateten die Läufer von Trainer Hermann Weinbuch auf und davon und absolvierten acht einsame Runden zu Gold. Diesen Sonntag, zum Auftakt des Weltcups in Kuusamo/Finnland lief es ähnlich: Es war kalt, dunkel und für Deutschlands Staffelläufer einsam an der Spitze.

Mehr als eine Minute hinter Vinzenz Geiger kam Japans Schlussläufer Akito Watabe, an. Weitere 40 Sekunden dahinter erreichte der letzte Norweger das Ziel. Österreichs Team, das in der Vorbereitung mit talentierten Kombinierern wieder Hoffnung schöpfte, wurde im Teamwettkampf doch wieder abgehängt.

Doch so überragend, wie diese Staffelentscheidung wirkte, war der Sieg nicht. Am Vormittag, nach dem Springen, waren die Deutschen noch auf Rang vier gelegen, mit mehr als einer Minute Rückstand - ihre Sprünge waren nicht perfekt. Vorgerückt sind sie dann in der Startreihenfolge fürs Langlaufrennen nur, weil die Sprünge des Norwegers Jarl-Magnus Riiber und des Österreichers Lukas Greiderer aus der Wertung genommen wurden, womit sie jeweils um zirka zwei Minuten zurückfielen. Riiber und Greiderer hatten keine regelkonformen Sprunganzüge getragen. Meistens wird dabei ein zu weiter Schnitt angemahnt, wodurch der Flug weiter geht. Für die Deutschen war der Weg plötzlich frei.

Fraglich bleibt dennoch, ob Weinbuchs Team in dieser Saison, in der die WM im Februar nebenan in Seefeld in Österreich stattfindet, weiterhin derartig auftrumpft. Zwingend ist das nicht. Im vergangenen Winter benötigte es drei Monate, um sicher und weit zu springen. Erst in den ersten Wettkämpfen bei Olympia gelang Eric Frenzel ein technisch korrekter Sprung, die anderen im Team zogen dann nach. Nun weisen Anlauf, Absprung und Flugphase abermals noch Mängel auf, im windigen Durchgang am Samstag taten sich alle Deutschen schwer, nur Johannes Rydzek erreichte im ersten Einzel noch Platz drei. Fabian Rießle und Eric Frenzel fielen mit Rang 28 und 31 beim Sieg von Mario Seidl (Österreich) aussichtslos zurück.

Sicher ist also nur eines: "Läuferisch sind wir richtig stark", sagt Weinbuch. Im Springen aber noch nicht, und den Gefallen, in falschen Sprunganzügen anzutreten, den werden die Gegner den Deutschen wohl nicht mehr tun.

© SZ vom 26.11.2018

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