Nordische Kombination:Der Motor läuft

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Nordische Kombination: Fliegt voran: Kaum hat der Winter der Kombinierer begonnen, übernimmt Julian Schmid die Spitzenposition im Ranking.

Fliegt voran: Kaum hat der Winter der Kombinierer begonnen, übernimmt Julian Schmid die Spitzenposition im Ranking.

(Foto: Markku Ulander/dpa)

Der DSV hat viele erfolgreiche Nordische Kombinierer. Am besten ist derzeit der junge Julian Schmid - er hatte sich schon als Kind nach dem richtigen Trainer erkundigt.

Die entscheidende Abbiegung seiner Karriere hat Julian Schmid noch im Grundschulalter genommen. Wie so oft halfen ihm außer seiner eigenen Initiative glückliche Umstände. Schmid wusste, was er lernen wollte, nämlich Langlaufen, und zwar richtig langlaufen, und er hatte Glück. Die meisten haben Freunde, deren Väter Schreiner oder Uni-Professor oder Großhandelskaufmann sind. Schmids Freund aber hatte einen Vater, der war Andi Bauer.

Bauer diente damals dem DSV als Skisprungtrainer, war zuständig für die Nordische Kombination, genauer gesagt das Skispringen. Schmid hatte einen Volltreffer gelandet, lernte erstmal Langlaufen, begann im Rahmen der Ausbildung in den unteren Klassen des Deutschen Skiverbands. Er feilte an der Balance auf den dünnen Latten, an seiner Lauftechnik. Dann schulte er sich weiter und lernte irgendwann auch das Skispringen. Und weil Schmid offenbar fortwährend weiterlernt, hat er seine Kondition und Schnellkraft gestärkt, seine Renneinteilung verbessert, an diesem Wochenende seinen ersten Weltcupsieg errungen und sich zunächst auch an die Weltcupspitze gesetzt.

In Ruka, im fernen Nordfinnland, ist der mittlerweile 23 Jahre alte Schmid am Freitag zum Auftakt des Winters allen davongelaufen. Er hat da einen Wettkampf hingelegt, vom dem er - vielleicht als Trainer - später einmal selbst einem Jungen oder einem Mädchen erzählen kann, die von ihm lernen wollen. Denn Schmids Sieg in Ruka ist eine Vorlage dafür, wie man es richtig macht. Es gehe ja, so könnte Schmid später vielleicht einmal erläutern, um Skispringen und Langlaufen: Und bei der ersten Disziplin habe er den Absprung extrem gut getroffen, also den Druckpunkt der Schanze dazu genutzt, um möglichst hoch und schnell zu fliegen, worauf er nur knapp hinter dem Japaner Ryota Yamamoto platziert gewesen sei, der für ihn in der Loipe dann aber kein großes Problem darstellte.

Er war im Sommer der Stärkste, sagt Trainer Weinbuch, und hat jetzt noch "eins draufgesetzt"

Schmids Trainer, Hermann Weinbuch, der schon viele Sieger in diesem Sport hervorgebracht oder eben weiter gefördert hat, sagte jedenfalls nach diesem Tag über Schmid: "Er ist sehr ehrgeizig." Denn Schmid sei schon im Sommer der Stärkste gewesen. Als der Winter kam, habe Schmid, so Weinbuch, "nochmal eins draufgesetzt". Und weil er sich auch den Laufpart des Auftritts richtig eingeteilt hat, weil er sich erst im Pulk schonte und dann in der zweiten Runde anzog, sei der Erfolg überhaupt möglich gewesen. "Es war schwer, den Motor anzuwerfen", sagte Schmid selbst, "aber ich habe auf meinen Zielsprint vertraut."

Damals, als er noch an seinen Grundlagen arbeiten musste, da lernte Schmid wohl, dass Geduld auch zur Ausbildung gehört. Nach der Schülerphase erreichte er erste Erfolge als junger Erwachsener. Er wurde Junioren-Weltmeister, wurde 14. und 16. in Weltcup-Wettbewerben, war regelmäßig dabei, konnte aber zunächst nicht Fuß fassen. Wieder wurde er zurückgestuft in den Continental Cup, siegte zweimal, bis es dann irgendwann so weit war. Im Olympiawinter 21/22 zahlte sich Julian Schmids Geduld aus: Im Dezember stand er erstmals auf einem Weltcup-Podest, als Dritter. Dann ging alles schnell. Das nächste Jahr begann, Schmid steigerte sich, gehörte zum Olympiateam und kam im Februar aus Peking mit einer Medaille zurück, Teamsilber.

Dabei hatten ihn aber auch die anderen erfahrenen Kombinierer mitgezogen, Eric Frenzel, Vinzenz Geiger und Manuel Faißt. Ein Jahr später, nach einem Sommer voller Übungseinheiten, mit Fleiß und Ehrgeiz, hat Schmid also den nächsten Schritt gemacht. Während gerade die anderen, auch die Erfahrenen, noch an ihrer Bestform tüfteln, steckt Schmid schon mittendrin. Trainer Weinbuch sagt: "Peu à peu ist er von einem Jahr zum anderen stärker geworden."

Das klingt nach einem Schüler, der früh wusste, was er wollte, der sich als Schüler schon nach seinem künftigen Broterwerb erkundigte, den Einstieg schaffte und sich immer weiter fortgebildet hat. Trainer Weinbuch, der ja einige Erfahrung hat, schließt daraus: "Wir werden noch viel Freude mit ihm haben."

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