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Motorrad:Rossis dritter Frühling

Schnelles Motorrad, kluge Taktik: Italiens neunmaliger Weltmeister siegt wieder. In Argentinien har er nun zudem seinen Konkurrenten Marc Marquez düpiert.

Valentino Rossi hat schon 109 Grand-Prix-Siege eingefahren, sein 110. - zugleich der zweite im dritten Rennen dieser Saison - war für den 36 Jahre alten Motorrad-Rennfahrer dennoch wieder etwas Besonderes. Zur Feier des Sieges in Termas de Rio Hondo erschien der neunmalige Champion im Trikot des von ihm verehrten argentinischen Fußball-Stars Diego Maradona auf dem Podest, kniete nieder und küsste das oberste Treppchen. Rossi kommt nun als Gesamtführender zu den Rennen in Europa.

Wohl nur die größten Fans haben dem Yamaha-Piloten einen dritten Frühling zugetraut. Zu dominant war in den vergangenen Jahren Kontrahent Marc Marquez aus Spanien, den Rossi am Sonntag aber mit all seiner Routine demütigte. Einen knappen Fünf-Sekunden-Rückstand fuhr der Italiener in der zweiten Rennhälfte zu und überholte den Spanier dann mit einem gekonnten Manöver. Marquez wollte kontern und fuhr Rossi zweimal ins Heck. Während Rossi die Berührungen ausbalancierte, stürzte der Titelverteidiger und schied aus. "Natürlich wussten wir, dass wir wahrscheinlich im Reifenpoker mit dem extraharten Pneu einen Vorteil haben werden. Deshalb bin ich auch nicht unruhig geworden, als der Vorsprung von Marquez so groß war", beschrieb Rossi seine Strategie.

Nach den zwei Siegen in Katar und Argentinien und dem dritten Rang in Austin/Texas geht der Italiener nun mit großem Vorsprung in der Gesamtwertung in die Europa-Grand-Prix. Vom Favoriten Marquez trennen ihn bereits 30 Punkte. "Es folgen viele Strecken, die ich sehr mag", sagte der 36 Jahre alte Rossi. An den zehnten WM-Triumph seiner Laufbahn mag er indes noch nicht denken. Denn Rossi ist Realist. Die vergangenen Jahre mit nur wenigen Erfolgen haben ihm gezeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann.

Zwei Jahre bei Ducati waren für ihn ein Rückschritt, da die Maschine nicht konkurrenzfähig war. Nach seiner Rückkehr zu Yamaha musste er auch stallintern kämpfen, denn mit Jorge Lorenzo hat er einen ebenbürtigen, aber weitaus jüngeren Kontrahenten. Überhaupt ist der Angriff der jungen Wilden mit Marquez und Lorenzo an der Spitze eine große Herausforderung für den Millionär. Für Rossi spricht, dass er sich dieser stellt und weiter an sich, seinem Fahrstil und der Verbesserung seines Motorrades arbeitet. Daraus könnte sich durchaus eine Rossi-Saison entwickeln, mit der niemand gerechnet hat.