Medizinische Ausnahmen:Spanischer Spitzenwert

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Seit russische Hacker die medizinischen Profile vieler Athleten ins Netz stellen, wird über Ausnahmegenehmigungen diskutiert, mit denen Sportler verbotene Mittel nehmen dürfen. Dabei fällt auf: Spanien genehmigt besonders viele dieser sogenannten TUEs.

Von Johannes Aumüller und Javier Cáceres

Spanien hat in diversen Bereichen des Sports eine exponierte Position inne, aber nun scheint diese Aussage auch ein Thema zu betreffen, das weniger Lob als vielmehr Argwohn hervorruft. So weist das Land einen erstaunlichen Wert auf, wenn es um die in den vergangenen Tagen intensiv diskutierten Therapeutic Use Exemptions (TUE) für Athleten geht, also die Ausnahmegenehmigungen für eine auf der Dopingliste stehende Substanz.

Auslöser der Aufregung sind Veröffentlichungen der Hackergruppe "Fancy Bears" über TUEs für diverse amerikanische und europäische Top-Athleten. Diese Ausnahmegenehmigungen sind grundsätzlich nichts Illegales und kein Dopingverstoß. Aber sie bieten laut Experten auch die Möglichkeit zum Missbrauch - und die Chance, über diesen Umweg eine verbotene Substanz zur Leistungssteigerung nehmen zu können. In der Tat stieg die Zahl der TUEs gemäß Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zuletzt stark an. 2013 gab es noch 636 Fälle, 2015 waren im Meldesystem Adams bereits 1330 genehmigte TUEs vermerkt.

In Deutschland gibt es die meisten TUEs für Fußballer

Es ist schwierig, diese Zahl genau nach Ländern oder Sportarten aufzuschlüsseln. Das liegt vor allem daran, dass es grundsätzlich zwei Stellen gibt, an denen die Athleten TUEs einreichen können: bei der jeweiligen nationalen Anti-Doping-Agentur sowie beim jeweiligen internationalen Sportfachverband. Je nach Land und Sportart richten sich die Athleten unterschiedlich stark an die eine oder andere Stelle. Zudem teilen nicht alle Agenturen und Verbände ihre Daten öffentlich mit.

Aber in jedem Fall sind die vielen Anfragen nach TUEs bei der spanischen Agentur für den Gesundheitsschutz (AEPSAD) bemerkenswert. Aus einer Meldung der Sportzeitung Marca geht hervor, dass dort im vergangenen Jahr 179 Anträge bewilligt worden seien. Eine größere Zahl ist von keiner anderen nationalen Anti-Doping-Agentur einer führenden Sportnation bekannt. Das amerikanische Pendant gewährte im Vorjahr 116 Ausnahmegenehmigungen, das britische 100. Bei der deutschen Anti-Doping-Agentur waren es 51, die meisten gab es für Sportler aus dem Deutschen Fußball-Bund, dem Deutschen Behindertensportverband (je neun) sowie dem Deutschen Eishockey-Verband (acht). In Russland ist in der letzten veröffentlichen Statistik die Rede von 17 TUEs, in Frankreich etwa wenden sich die Athleten traditionell an die Fachverbände.

Bei den Fachverbänden wiederum fällt unter anderem die hohe Zahl an Ausnahmegenehmigungen beim Tennis auf. Ungefähr 100 Anträge, so teilt der Weltverband ITF mit, gebe es jährlich, circa die Hälfte davon würde genehmigt. Der Schwimmverband spricht von knapp 30 Anträgen, die Leichtathletik-Föderation von 20 bis 25 pro Jahr. Und der Rad-Weltverband verzeichnet nach eigenen Angaben einen immensen Rückgang von 239 genehmigten TUEs im Jahr 2009 bis auf 13 im vergangenen Jahr.

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