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Live-Ticker:Diesmal trifft nicht nur Lewandowski

FC Bayern Muenchen v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Da lässt es sich gut strahlen: Robert Lewandowski mit David Alaba nach seinem Treffer zum 5:1.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Stürmer schießt erst spät sein Tor beim 6:1 gegen Mainz, Schalke gewinnt mit einem Treffer 3:0 - und das Eigentor wird zum Spieltags-Trend. Der Live-Blog zum Nachlesen.

Von Sebastian Fischer und Christopher Gerards

Vor dem Spiel, 15 Uhr: Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie wie Uli Hoeneß eher selten bis nie ins Internet geschaut haben und jetzt zufällig hier reinlesen: Seit dieser Saison begleiten wir aus der SZ-Sportredaktion in München den Bundesliga-Spieltag in einem Live-Ticker. Heute konzentrieren wir uns - ohne die restlichen Partien aus dem Auge zu verlieren - auf das Spiel des FC Bayern gegen den FSV Mainz 05, was zunächst nicht viel spannender klingt als Manchester City gegen Brighton & Hove Albion.

Aber natürlich ist Bayern-gegen-Mainz an diesem Samstag in Wahrheit die Bühne für Tag eins der Abschiedstour von Hoeneß als Präsident, nachdem er gestern seinen Rückzug erklärt und den Einzug von Oliver Kahn in den Vorstand offiziell angekündigt hat. Und deshalb kann natürlich einiges passieren: Kommt Kahn vielleicht schon in der 72. Minute für Manuel Neuer? Und was sagt dann Karl-Heinz Rummenigge dazu? Sie werden es hier erfahren.

Vor dem Spiel, 15.11 Uhr: Die Aufstellung des FC Bayern: Michael Cuisance ist weiterhin ohne Stammplatz, dafür spielen vier andere Neue von Anfang an. Unter anderem Philippe Coutinho und Ivan Perisic, die vergangene Woche auf Schalke beide für Thomas Müller beziehungsweise Serge Gnabry eingewechselt wurden. Thomas Müller und Serge Gnabry, das der Vollständigkeit halber, sitzen nun auf der Bank.

Vor dem Spiel, 15.18 Uhr: "Ivan ist im Saft", hat Kovac auch im Interview bei Sky gesagt. Und wir können zwar bestätigen, dass Erfrischungen an diesem vielleicht letzten heißen Tag des Jahres in München gut tun, aber das klingt doch nach einer sehr klebrigen Angelegenheit.

Vor dem Spiel, 15.28 Uhr: Da dies ja ein Bundesliga-Liveticker ist, fühlen wir uns verpflichtet, Ihnen diese Nachricht aus England nicht vorzuenthalten: Im Premier-League-Spiel gegen Manchester United hat eben der FC Southampton zum 1:1 ausgeglichen. Kevin Danso (davor Augsburg) flankte, Jannik Vestergaard (davor Mönchengladbach) köpfte, Trainer Ralph Hasenhüttl (davor Leipzig) freute sich. Die Bundesliga also so etwas wie das Hoffenheim Europas: eine Ausbildungsliga.

1. Minute Mainz 05 hat angestoßen. Daneben gibt es noch nichts Wesentliches zu berichten.

4. Minute: Und fast gibt es dann doch was Wesentliches zu berichten. Robert Lewandowski schnappt sich den Ball nach einem halben Fehlpass von Coutinho und verpasst das 1:0 wirklich sehr knapp. Es läuft derzeit einfach nicht bei ihm.

6. Minute: 1:0 für Mainz 05! Bayern-Zugang Benjamin Pavard, Weltmeister mit Frankreich, allerdings auch Absteiger mit Stuttgart, lässt im Strafraum Jean-Paul Boëtius ganz frei zum Kopfball kommen, der trifft, und plötzlich ist es sehr ruhig in der Arena. Ronaël Pierre-Gabriel hatte übrigens geflankt. Wird jetzt Olivër Kahn eingewechselt?

10. Minute: Die Klasse der Franzosen in Mainz ist eine der spannendsten Geschichten der Bundesliga, in jedem Sommer holt Manager Rouven Schröder mindestens ein Talent aus dem Nachbarland hinzu, in diesem Jahr erwähnten Vorbereiter Pierre-Gabriel aus Monaco. Aber beim FC Bayern war im Sommer so viel los, da kann man ja nicht alles mitbekommen.

15. Minute: Der FC Bayern ist jetzt natürlich damit befasst, schnell auszugleichen. Ungünstigerweise kommen die Flanken noch nicht so richtig an, und in Sachen Passgenauigkeit sah das auch schonmal besser aus. Mainz steht sicher. Eine gute Mannschaft eben.

17. Minute: Nur ganz kurz, weil ich gerne mal meinen Jugendverein Fortuna Köln in diesem Ticker erwähnen möchte: In Wolfsburg ist gerade der SC Paderborn in Führung gegangen, durch ein Tor eines Spieler aus meiner kicker-Managerelf, den Spielmacher Cauly Oliveira Souza, Zugang vom MSV Duisburg, davor bei... genau.

19. Minute: Coutinho (nie bei Fortuna Köln) hat nun schon seine ersten Pässe in einem Bundesliga-Heimspiel gespielt, seine erste Ecke geschlagen und David Alaba den Ball zum Einwurf überlassen. Was für ein Tag.

21. Minute: Während Mainz immer noch recht sicher steht und sich gerade sogar mal wieder nach vorne wagte, läuft bei den Bayern noch sehr wenig zusammen. Sinnbildlich: Rechtsverteidiger Pavard, auf dieser Position nicht unverantwortlich für den Spielaufbau, hat nach zwanzig Minuten schon vier Fehlpässe gespielt.

25. Minute: Ein paar Worte zu Joshua Kimmich, der heute auf seiner Wunschposition auf der Sechs spielen darf. Die große Verantwortung hat er bislang dazu genutzt, eine gelbe Karte zu sehen und dem Schiedsrichter danach seine Meinung ins Gesicht zu schreien. Ein wenig wie bei einem Jugendlichen, den man endlich mal alleine mit den Kumpels in die Stadt lässt. Und dann geht er Häuserwände ansprayen.

28. Minute: Dass Sie jetzt schon ein paar Minuten nichts mehr über Chancen oder Torschüsse gelesen haben, liegt daran, dass es in diesem Spiel gerade wenig Chancen oder Torschüsse gibt. Der FC Bayern wird nochmal ein bisschen gefährlich, weil Danny Latza einen Steilpass in die falsche Richtung spielt. Aber das führt letztlich nur zu einer Ecke.

29. Minute: "Das war eine Torchance", hören wir nun Sky-Kommentator Wolff Fuss sagen und können nur zustimmen. Perisic ist sehr frei vor Torwart Müller, schießt aber links vorbei. Ändert nichts an der Interpretation: klare Torchance.

33. Minute: Coutinho verliert den ersten Machtkampf beim FC Bayern, darf einen Freistoß aus bester Position am Strafraumrand nicht ausführen. Alaba schießt. Müller hält.

35. Minute: Nach einer Flanke von Perisic die beste Torchance für die Bayern bislang: Der Mainzer Verteidiger Niakhaté verlängert den Ball an den Pfosten.

36. Minute: Und dann steht es 1:1. Perisic flankt von links in die Mitte, und dort steht Benjamin Pavard und trifft volley. So schön hat er wahrscheinlich nicht mehr getroffen seit dem Viertelfinale bei der WM gegen Argentinien. Es wäre an dieser Stelle übrigens nicht ganz angebracht zu sagen, dass er sich damit für seine Top-Leistung heute belohnt.

43. Minute: Das Spiel befindet sich jetzt in einer Phase, in der Coman beim Konter den Ball verliert, in der Coutinho einen zu harten Steilpass auf Perisic spielt und in der David Alaba ebenfalls fehlerhaft Richtung Perisic passt. Andererseits zeigt das auch, wie oft der FC Bayern am Ball ist.

45. Minute: Tor für den FC Bayern, David Alaba trifft per Freistoß zum 2:1. Es sind solche Momente, die einem dann doch immer wieder in Erinnerung rufen, dass Kritik am FC Bayern meistens Kritik auf recht hohem Niveau ist. Spielen ja doch ein paar ziemlich gute Fußballer mit, zum Beispiel dieser Alaba, der seit Jahren gefühlt nicht mehr so richtig auffällt, aber dann doch immer wieder auch wunderbare Freistöße in den Winkel zwirbelt. Und gleich danach fällt fast das 3:1 durch Thiago.

Halbzeit: Der FC Bayern hat also das Spiel gedreht und gezeigt, dass auch Menschen Tore schießen können, deren Name nicht Robert Lewandowski ist. Hier und da gab's ein paar Fehler zu viel, aber wie gesagt: Es steht 2:1. Und Coutinho? Wenn er dribbelt sieht das weiterhin sehr hübsch aus, so richtig geprägt hat er das Spiel aber nicht. Ist halt noch relativ frisch dabei.

Halbzeit auf allen Plätzen: Es scheint sich der Trend zum Eigentor durchzusetzen. Köln liegt in Freiburg zurück, weil Rafael Czichos den Ball unbedrängt im eigenen Fünfmeterraum ins eigene Tor drischt. Berlin liegt auf Schalke zurück, weil Niklas Stark den Ball unbedrängt im eigenen Fünfmeterraum ins eigene Tor drischt. So viel Defätismus am Samstagnachmittag gibt es sonst nur beim unfreiwilligen Ikea-Shopping auf dem Weg zur Hot-Dog-Zielgeraden.

46. Minute: Die zweite Halbzeit läuft. Ebenso einige Spieler.

47. Minute: Sandro Schwarz brachte zur Halbzeit Pierre Kunde für Danny Latza. Wir sind zwar logischerweise unparteiisch, aber schön wäre es ja schon, wenn gleich mit dem Ausgleichstor Kunde zum König werden würde.

50. Minute: Derweil schießt Berlin auf Schalke, kein Witz, das nächste Eigentor. Rekik zum 2:0 für S04.

54. Minute: Und der FC Bayern erhöht auf 3:1. Benjamin Pavard flankt von rechts in die Mitte, wo Perisic hochspringt und hart genug aufs Tor köpft, dass Müller zwar noch den Ball berühren, ihn aber nicht wegfausten kann. Perisics erstes Bundesliga-Tor seit August 2015, wie Wolff Fuss anmerkt. Seine Durststrecke endet also endlich.

58. Minute: Was im Fernsehen nicht zu sehen ist und wir auch nur vermuten können: Wie auf der Tribüne Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge eine sogenannte "Zwistigkeit" (Edmund Stoiber) austragen. Streitgegenstand: Wo soll das gerahmte Bild hängen, das Rummenigge gestern Hoeneß zum Abschied in der Pressekonferenz schenkte? Kalle: "A la longue wäre es am besten, dieses Scriptum unserer Amicitia gut sichtbar im Foyer an der Säbener Straße zu installieren." Uli: "Scheißdreck!" Sie einigen sich darauf, es Hasan Salihamidzic als Accessoire für sein Büro zu übergeben. Wie gesagt: vermutlich.

62. Minute: Robert Lewandowski gerade fast mit dem 4:1 nach Pass von Coman. Der Angreifer spitzelt den Ball am Torwart vorbei, aber da ist halt noch Niakathé, der den Ball noch rückwärts und volley wegkickt. Das dürfte auch 2023 noch als ziemlich gute Abwehraktion durchgehen.

64. Minute: Das 4:1 für den FC Bayern - diesmal trifft Coman. Ecke Kimmich, der Franzose hält den Fuß rein - und zum vierten Mal läuft in der Arena der Cancan von Jaques Offenbach, was seit dieser Saison ja wieder die Tormelodie der Bayern ist. Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz scheint kein großer Fan von Operetten zu sein. So schaut er jedenfalls.

67. Minute: Der FC Bayern wechselt, Ivan Perisic und Philippe Coutinho verlassen den Platz, dafür dürfen nun Thomas Müller und Alphonso Davies mitkicken. Warum Serge Gnabry weiterhin nicht spielt? Gute Frage.

73. Minute: "Deutscher Fußballmeister FCB", singen die Fans inzwischen in aller Gemütlichkeit, alles wie immer also. Das Spiel lebt noch von der Spannung, ob Robert Lewandowski noch ein Tor schießt. Gerade rutscht er etwas zu spät in eine Flanke von Alphonso Davies und flucht dem Augenschein nach etwas Unanständiges auf Polnisch.

78. Minute: Nun lebt das Spiel allerdings nicht mehr von der Spannung, ob Robert Lewandowski noch ein Tor schießt. Denn Robert Lewandowski trifft zum 5:1. Sein Schuss aus der Drehung wird noch abgefälscht, springt an den Pfosten und von dort ins Tor. Er kommt jetzt auf sechs Saisontore, was am 3. Spieltag ein solider Wert ist.

79. Minute: Michael Cuisance kommt für Thiago. Und, dies ist an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, er hat beide Schuhe offenbar mit einer einwandfreien Schleife zugebunden. In Mönchengladbach hatte er seinen Wechsel angeblich unter anderem mit Trainingseinheiten mit offenen Schuhen provoziert.

80. Minute: Und das 6:1. Alphonso Davies trifft nach Vorlage von Thomas Müller. Wäre es nicht das sechste Münchner Tor gewesen, könnte man sagen, dass Niko Kovac bei seiner Einwechslung eben ein goldenes Händchen hatte. Es war aber das sechste Münchner Tor.

82. Minute: Noch mal ein Kamera-Blick auf die Tribüne, wie das die Regie nach Bayern-Toren ja befiehlt. Rummenigge tippt etwas in sein Handy, schaut wahrscheinlich ins Internet. Uli Hoeneß neben ihm schaut unbeeindruckt weg.

85. Minute: Der Vollständigkeit halber: Inzwischen spielen natürlich sowohl der anfangs wacklige Pavard als auch der früh verwarnte Kimmich eine souveräne Partie. Aber das ist ja jetzt auch gar nicht mehr so kompliziert.

89. Minute: Noch mal ein Blick auf einen anderen Platz, wo sehr viel los ist: Jonjoe Kenny trifft mit dem ersten Schalker Tor des Tages zum 3:0 für Schalke. So effektiv, dass sogar die Gegner doppelt für S04 treffen, waren die Königsblauen wahrscheinlich noch nicht mal unter Domenico Tedesco.

90. Minute + 1: Fast schießt Kimmich noch das 7:1, kurz darauf ist Schluss. Der FC Bayern ist zumindest bis später am Abend Tabellen-Zweiter, der BVB könnte mit einem Sieg gegen Union Berlin wieder vorbeiziehen. Robert Lewandowski führt wieder allein die Torjägerliste an, ist jetzt aber nicht mehr der einzige Münchner Torschütze dieser Bundesliga-Saison. Was sonst noch interessant war? Vielleicht, dass Coutinho zum ersten Mal von Anfang an spielte und Thomas Müller zusehen musste - nach seiner Einwechslung dann aber sowohl das 5:1 und das 6:1 vorbereitete.

Nachspielzeit in Freiburg: Der Kölner Ellyes Skhiri läuft durchs ganze Mittelfeld und gefühlt das ganze Breisgau allein aufs Tor des Sportclubs zu und schießt den Ball ins Tor. Manchmal kann Fußball wirklich sehr einfach sein. Die Kölner freuen sich natürlich trotzdem sehr über das 2:1 - und die ersten drei Punkte dieser Saison.

Nachspielzeit in Leverkusen: Bayer 04 hat gerade die 19. Ecke, aber Wendell schießt den Ball nach der Hereingabe von Havertz übers Tor. Und dann ist Schluss, und damit zwei Premieren in dieser Saison: Das aufregende Leverkusen schießt zum ersten Mal kein Tor. Aber das aufregende Leverkusen verteidigt ausnahmsweise mal nicht aufregend und kassiert auch keins. Das Ergebnis ist trotzdem enttäuschend. Also für Leverkusen.

Nachspielzeit in Wolfsburg: In der sechsten Minute der Nachspielzeit bildet sich ein sogenanntes Rudel an der Mittellinie, nach einem Foul des Paderborners Gjasula an dem Wolfsburger Klaus. Danach wildes Herumgeschubse unter Beteiligung des Paderborner Trainers Baumgart, Gelb für Gjasula - und Abpfiff.

Die Ergebnisse der Spiele am Samstagnachmittag im Überblick: FC Bayern - FSV Mainz 05 6:1 Schalke 04 - Hertha BSC 3:0 SC Freiburg - 1. FC Köln 1:2 VfL Wolfsburg - SC Paderborn 1:1 Bayer Leverkusen - TSG Hoffenheim 0:0

Fazit: Die am wenigsten überraschende Erkenntnis des Spieltags ist wohl die, dass der FC Bayern um fünf Tore besser ist als Mainz 05. Schon etwas überraschender sind dagegen die Effektivität von Schalke 04 und der Charakter des 1. FC Köln, die beiden Klubs die ersten Siege der Saison bescherten. Überraschend ist auch, dass die hochgelobte Leverkusener Offensive ausnahmsweise kein Tor schoss. Offiziell nicht mehr überraschend ist dagegen am dritten Spieltag, dass der Aufsteiger SC Paderborn ein unangenehmer Gegner ist. Und damit bedanken wir uns fürs Lesen - und wünschen einen schönen Abend. Schauen Sie gerne noch mal bei uns im Internet vorbei!

© SZ vom 01.09.2019
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