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Linksaußen:Nichts zu fassen

Coronavirus - Köln - Karneval

Kein Kölle Alaaf: Der Karneval findet in diesem Jahr wie vieles andere nur virtuell statt - was nicht wirklich lustig ist.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Virtuelle Spieler, virtuelles Geld, virtuelle Wettkämpfe: Es wird Zeit, dass der Corona-Spuk endet und der analogen Realität weicht.

Von Ralf Tögel, München

Zur Abwechslung mal ein Witz: Meine Frau hat für jede Haut eine Creme, für fettige Haut, für trockene Haut, für alte Haut, für junge Haut, für faltige Haut, für glatte Haut. Mir genügen zwei: Creme Brûlée und Caramelcreme. Tatää, Tatää, Tatää. So klingt der virtuelle Fasching, TV-Mädchensitzung von Kölle Alaaf, ein leerer Saal mit ein paar leeren Tischen im Hygieneabstand, Pappkameraden als Publikum, eingespielte Lacher. Das ist nicht lustig, vielleicht ist der Münchner Weg der bessere: Der Tanz der Marktweiber und der Faschingsumzug der Damischen Ritter sind wie alle anderen Veranstaltungen storniert, auf digitale Ersatzfeten wird verzichtet.

Ist doch besser so, mancher hat in der neuen virtuellen Realität doch längst den Überblick verloren. Virtuelle Schule, virtuelles Geld, virtuelle Zeitung, virtuelle Sportveranstaltungen, ist das noch zu fassen? Eben nicht, ein Beispiel aus Amerika: Elon Musk, der komische Amerikaner, der einfach zu viel Geld hat. Der schickt eine Rakete nach der anderen in den Orbit, die sich dann beim Landen als riesige Feuerwerkskörper entpuppen und ihm um die Ohren fliegen. Macht nichts, sein Imperium an der Börse steigt trotzdem immer weiter im Wert. Jetzt kann man seine Elektroautos auch noch mit digitalem Geld bezahlen. Bekommt man dann ein analoges Auto? Wer soll da noch durchblicken.

Die Tölzer Löwen legen noch einen drauf, die haben einen Sponsor, der mit virtuellem Geld analoges verdienen will. Aber jetzt hat sich herausgestellt, dass sich schon die imaginäre Kohle in Luft aufgelöst hat. Ob sich die Eishockeyprofis nun mit einem entmaterialisierten Salär zufrieden geben? Da möchte man dem Unglücksvogel viel Glück wünschen, der den Spielern die Kunde überbringen muss. Der Sponsor bekommt noch eine Chance, um die fehlenden Moneten doch noch aus dem Hut zu zaubern.

Da lobt man sich doch die Fußballer. Auf den FC Pipinsried und Türkgücü München ist Verlass, die verpflichten weiterhin einen Spieler nach dem anderen, analoge natürlich, aus Fleisch und Blut. Beim Münchner Serienaufsteiger gab es aber kürzlich etwas Aufregung aus dem fiktiven Bereich, es hieß, der Präsident und Geldgeber habe sich verflüchtigt. Die Nachricht stellte sich als virtueller Rohrkrepierer heraus, so etwas kommt ja im imaginären Kosmos der sozialen Medien ständig vor.

Bleibt zu hoffen, dass der ganze Corona-Spuk bald vorbei ist, dass sich echte Sportler und Sportlerinnen auf realen Plätzen und Hallen im direkten Wettstreit messen. Sonst wird bald der E-Sport übernehmen, gibt ja schon genügend virtuelle Teams, bei den Basketballern des FC Bayern etwa. Die Diskussion, ob E-Sport olympisch werden soll, wird bereits geführt. Bei den Asienspielen 2022 wird E-Sport erstmals als anerkannte Disziplin aufgenommen. Kein Witz!

© SZ/sewi
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