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Länderspiele:"Bei vielen Spielen schalte ich weg"

26 Auserwählte für Löw

Das DFB-Aufgebot für die Test-Länderspiele gegen Spanien (Freitag, 23. März, in Düsseldorf) und Brasilien (Dienstag, 27. März, in Berlin)

Tor: Leno (Bayer Leverkusen), ter Stegen (FC Barcelona), Trapp (Paris Saint-Germain).

Abwehr: Boateng, Hummels, Kimmich, Süle (alle FC Bayern), Ginter (Borussia Mönchengladbach), Hector (1. FC Köln), Plattenhardt (Hertha BSC), Rüdiger (FC Chelsea).

Mittelfeld: Brandt (Leverkusen), Can (FC Liverpool), Draxler (Paris Saint-Germain), Goretzka (FC Schalke 04), Gündogan, Sané (beide Manchester City), Khedira (Juventus Turin), Kroos (Real Madrid), Özil (FC Arsenal), Müller, Rudy (beide FC Bayern).

Angriff: Gomez (VfB Stuttgart), Stindl (Borussia Mönchengladbach), Wagner (FC Bayern), Werner (RB Leipzig).

Vor den kommenden Aufgaben der deutschen Nationalmannschaft wird über die Bundesliga-Qualität debattiert.

Bundestrainer Joachim Löw startet mit den Test-Länderspielen gegen Spanien und Brasilien das Feintuning für die geplante WM-Titelverteidigung in Russland, doch der Bundesliga-Alltag bringt ihn ins Grübeln. Auch für die Nationalmannschaft sieht Löw mittel- und langfristig Gefahren, die mit dem derzeit dürftigen Niveau der heimischen Liga zusammenhängen: "Ein Kernproblem ist schon, dass man in der Bundesliga immer gegen den Ball arbeiten will. Aber die Frage ist, was passiert, wenn ich den Ball habe? Das ist das Allerwichtigste", erklärte Löw zum heiß diskutierten Thema.

Auf Dauer werde Deutschland so seine Position im internationalen Fußball nicht halten können - dies ist nicht nur Löws Befürchtung. Aus dem 26-Mann-Kader, den der 58-Jährige für die Spiele an diesem Freitag in Düsseldorf gegen Spanien und vier Tage später in Berlin gegen Brasilien berufen hat, verdienen schon jetzt zehn Profis ihr Geld in England, Spanien, Italien oder Frankreich. Natürlich gebe es in der Premier League finanziell andere Möglichkeiten, "aber das ist nicht nur eine Frage des Geldes", sagte der frühere Nationalspieler und FC-Bayern-Vorstand Matthias Sammer zu den Problemen der Bundesliga.

Löw fordert mehr Lösungen für das Agieren mit dem Ball

Auch einige Führungskräfte der Liga sind besorgt, wie sich das Premiumprodukt in der aktuellen Spielzeit präsentiert: Branchenführer FC Bayern spielt praktisch in einer eigenen Klasse, nur selten wird auf dem Platz Attraktivität geboten. "Alle müssen sich hinterfragen, was kann man besser machen", betonte Löw.

Vor allem die oft auf Defensive ausgerichtete Spielweise vieler Teams wirke kontraproduktiv: "Ich sehe die Spiele nicht bloß als Manager, sondern auch als Konsument. Da schalte ich inzwischen bei vielen Spielen weg", klagte der Kölner Sportchef Armin Veh in der Bild am Sonntag: "Ich warne einfach nur davor, dass wir uns in der Bundesliga zu wohlfühlen. Wir haben ein tolles Produkt, müssen aber aufpassen, dass wir damit nicht einschlafen." Veh fordert ein generelles Umdenken im deutschen Fußball, auch in der Talentausbildung: "Wir müssen wieder Typen rausbringen, nicht alle über einen Kamm scheren. Sportlich brauchen wir wieder Dribbler. Bei uns ist es ja schon in der Jugend Mode, nur noch zu passen."

Löw fürchtet, dass die Liga im Vergleich mit anderen Ländern zurückfallen könnte. In der Bundesliga sei "immer wieder zu hören und zu spüren", dass Vierer- oder Fünferketten im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Das zentrale Thema sei: "Wie verteidige ich? Aber die anderen Nationen haben alle aufgeholt. Das können sie auch alle", betonte Löw. Er sieht darin einen Hauptgrund für das schwache Abschneiden deutscher Klubs im Europapokal - ausgenommen Bayern und Leipzig: "Der nächste Schritt muss sein, Lösungen zu finden, wenn man den Ball hat. Wie ist die Raumaufteilung, wie die Spielauslösung? Dann kann ich auch mal eine Mannschaft ausspielen, die defensiv steht." Wenn es diese Lösungen nicht gebe, "dann gibt es oft Spiele, die durch Zufall entschieden werden. Wenn wir uns verbessern wollen und wieder einen Schritt nach vorne machen wollen, müssen wir dieses Thema aufgreifen."

Für Sammer ist das Nationalteam ein "Vorbild" für die Liga: "Die Nationalmannschaft ist in den vergangenen Jahren immer stärker geworden und ist immer mehr auf Gegner getroffen, die extrem defensiv organisiert waren. Aber man hat Lösungen gefunden durch taktische Varianten und Positionsbesetzungen, so dass man selbst agieren kann. In der Bundesliga wird derzeit wenig mit dem Ball getan."

Löw empfindet auch international jene Teams als dominant, die offensive Mittel finden. Leverkusens Sportchef Rudi Völler warnte allerdings davor, das Bild der Bundesliga zu düster zu zeichnen: "Ich sehe es nicht ganz so negativ. Wir sollten unsere Liga nicht zu schlechtreden. Was machen wir denn, wenn in zwei Monaten Bayern Champions-League-Sieger ist und Leipzig hat die Europa League gewonnen?", so der ehemalige DFB-Teamchef.